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Dinkydi

Schnupperdoggie

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1

Mittwoch, 3. Januar 2018, 18:08

Mein Hund hat Angst!

Liebe Hundefreunde

Ich habe es im Vorstellungsthread schon angedeutet, dass mein Hannibal nicht sehr freundlich zu anderen Menschen ist. Hier moechte ich heraus finden, was ich aendern muss, damit das in Zukunft besser klappt. Aber weil die Frage wohl etwas allgemein ist, werde ich versuchen immer wieder kleinere Fragen zu stellen, um so meinen Hund besser kennen zu lernen und besser mit ihm kommunizieren zu koennen.

Was derzeit gerade sehr aktuell ist: Hannibal hat Angst vor dem Wind! Nicht direkt vor dem Wind, aber wenn der Wind Geraeusche macht in der Wohnung, zum Beispiel heulen weil er an einer scharfen Kante vorbei blaest, oder knarzen im Dachstuhl oder so. Hat das eventuell etwas mit Hannibals Aggresivitaet zu tun? Als ich letztens beim Tierarzt war, meinte die Aerztin auch, Hannibal sei nicht dominant aggressiv, sondern aengstlich aggressiv.

Wie kann ich denn dem Tier die Angst nehmen? Ich habe gelesen streicheln sei nicht gut, weil man dabei sein Verhalten unterstuetzt und sozusagen gut heisst. Aber wie kann ich ihm denn sonst klar machen, dass alles in Ordnung ist? Es scheint auch kein spezielles Plaetzchen zu geben, an dem er keine Angst hat.

catba

Alphadoggie

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Doggie(s): Lagotto "Ghiro" 2006 / Mudi "Dix" 2011

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2

Mittwoch, 3. Januar 2018, 19:03

kannst du mal erzählen in welchen Situationen Hannibal die Menschen doof findet? z.B. schon auf weite Distanz, oder erst in eurer Nähe? Menschen die sich bewegen oder auch z.B. sitzende Menschen? grundsätzlich alle, oder ist das geschlechtsabhängig, Erscheinungsbild, tagesabhängig etc?...ich nehme an, dass du ihn an der Leine führst, wie verhält er sich, wenn Menschen kommen? weisst du grundsätzlich warum Hannibal eine Abneigung gegen Menschen hat?
Hast du ihn von Welpenalter an, oder aus zweiter Hand?

mein Mudi (aus zweiter Hand)ist am Anfang auch z.T. auf Menschen los, bei ihr war es aber aus Unsicherheit und sehr Tagesformabhängig gewesen...ich schreibe gewesen, denn inzwischen lässt sie die fremden Zweibeiner komplett in Ruhe...das Rezept war Vertrauensaufbau, klare Führung, dem Problem nicht ausweichen sondern langsam heranführen...
aber erzähl zuerst mal genaueres über Hannibal :nicken:

Lagotto

Sportdoggie

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3

Mittwoch, 3. Januar 2018, 19:10

Ich habe einen sehr sensiblen Hund, der Windgeräusche auch nicht sonderlich mag und ängstlich und gestresst reagiert. Zu trösten und zu beruhigen ist er, bei für ihn beängstigen Geräuschen, nicht. Generell reagiert mein Hund in Angstsituationen schnell panisch. Wegtrainieren kann ich sein Verhalten nicht, Gott sei Dank beisst er nicht und ist „nur“ gestresst. Nach viel Geld ausgeben für Homöopathie, Tierheilpraktiker, usw. habe ich mich jetzt für Medikamente vom Tierarzt entschieden. Natürlich bekommt er diese nur situationsbedingt (Gewitter, Sylvester) und nicht dauerhaft.
Ein Hund liebt Dich immer mehr als sich selber :smile:

catba

Alphadoggie

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4

Mittwoch, 3. Januar 2018, 19:22

Wegtrainieren kann ich sein Verhalten nicht,

jein...Dix hat sich am Anfang auch sehr geängstigt z.B bei Wind und kam nur mit eingezogenem Schwanz auf den Spaziergang und heute findet sie es zwar nicht der Oberhammer, aber der Schwanz ist nicht mehr zwischen den Beinen, läuft vorne weg und sie kann auch arbeiten bei Wind :nicken:

Dinkydi

Schnupperdoggie

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5

Mittwoch, 3. Januar 2018, 19:33

Hoi Catba

Hannibal findet alle Menschen doof, ausser meine Frau, meine Schwiegermutter und mich. Er gehoerte eigentlich meiner Schwiegermutter, die wollte ihn aber nicht behalten, aus Gruenden die bald klar werden duerften, dann haben meine Frau und ich ihn uebernommen. So gesehen hatten wir ihn zwar nicht von Anfang an, wir kennen aber seine Vorgeschichte.

Er ist eine absolute Sportskanone, hat scheinbar unendlich viel Energie. Ihn zu kontrollieren ist schwierig. Wenn man ihm Sitz sagt, so weiss er zwar was zu tun ist, und er versucht es auch, kann aber einfach nicht still sitzen. Vor allem wenn man eine Leine in der Hand hat und er weiss dass es bald los geht.

Wenn ich mit ihm Gassi gehe und Leute vorbei kommen, so ist er nicht aggressiv. Die ignoriert er. Kommen andere Vierbeiner straeubt er sofort das Fell und will den Ton angeben. Frueher habe ich ihn noch bei anderen schnuppern lassen, das endete aber meistens damit dass er aggressiv wurde. Heute ignoriere ich andere Hunde und wenn Hannibal das nicht tut, hingegen das Fell straeubt und mit seinem Blick den anderen Hund fixiert, so muss er ins Platz und warten bis sie vorbei sind.

So richtig aggressiv wird er meist nur zu Hause. Wenn es laeutet ist erstmals die Hoelle los. Ich versuche ihn dann zu beruhigen, das klappt aber eigentlich nie. Wenn ich ihn dann nicht anleinen wuerde und Besuch kommt, wuerde er schnurstracks auf den Besuch los und zu beissen. Und zwar richtig, nichts mit Beisshemmung oder so. ;(


Wieso das so ist? Keine Ahnung. Fuehlt er sich als Anfuehrer des Rudels, und muss uns und sein Territorium beschuetzen? Oder hat er einfach Angst und ist uberfordert?

Er ist aber nicht nur aggressiv wenn wir dabei sind. Auch im Hundehort hat er sich mal mit einem Hund gezankt, und die haben sich ganz arg gegenseitig gebissen. Aber grundsaetzlich ist es schon schlimmer wenn wir dabei sind. Wahrscheinlich meint er uns beschuetzen zu muessen vor der boesen Welt. Ob die Leute sitzen oder stehen scheint keinen merkbaren Unterschied zu machen. Geschlecht auch nicht.

Snowdog

Schnupperdoggie

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6

Mittwoch, 3. Januar 2018, 19:40

Ich wür ne Box kaufen und Hund Besuch rein. Hund wird ignoriert und merkt so, dass ihm nix passiert - und dem Besuch kann auch nix passieren. Du kannst ihm auch noch was zum Kauen geben - das baut Stress ab.

Lagotto

Sportdoggie

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7

Mittwoch, 3. Januar 2018, 20:58

@catba, mein Hund hat nicht nur Angst, er steigert sich in eine Panik hinein und das ist ein Ablauf, den ich nicht mehr stoppen kann. Zum Beispiel bei starken Windgeräuschen draussen, will er dann nur noch weg und zerrt an der Leine (Fluchtinstinkt) und ist nicht ansprechbar.

@Dinkydi, was sagen denn die Hundetrainer, bei denen ihr schon ward, zu diesem Verhalten?
Das er Besuch direkt beissen will, ist arg. Kannst du ihn in diesem Moment einschüchtern ( zum Beispiel durch schubsen mit der Hand)?
Ein Hund liebt Dich immer mehr als sich selber :smile:

Dinkydi

Schnupperdoggie

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8

Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:00

Ja, so eine Box haben wir. Ist dann halt trotzdem stressig, weil er bellt und knurrt und wohl auch Angst hat. Wir haben's bisher auch nicht geschafft, dass er gerne in die Box geht, obwohl er da immer wieder Leckereien finden kann. Die fuenf Minuten die wir ihn in die Box stecken laesst er ueber sich ergehen, aber freiwillig geht er da nicht rein. Nur zum Wasser trinken, weil es das wo anders nicht gibt.

Dinkydi

Schnupperdoggie

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9

Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:02

Zitat

Das er Besuch direkt beissen will, ist arg. Kannst du ihn in diesem Moment einschüchtern ( zum Beispiel durch schubsen mit der Hand)?
Nein, da geht gar nichts mehr. Augen voll auf den Besuch fixiert und alle Kraft auf dieses eine Ziel. ;( ;( ;(

Xanthippe

Alphadoggie

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10

Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:05

Zitat

Das er Besuch direkt beissen will, ist arg. Kannst du ihn in diesem Moment einschüchtern ( zum Beispiel durch schubsen mit der Hand)?
Nein, da geht gar nichts mehr. Augen voll auf den Besuch fixiert und alle Kraft auf dieses eine Ziel. ;( ;( ;(


Das klingt echt heftig. Ich würde dir raten das mit einem Trainer vor Ort anzuschauen. Das ist schon eine ernste Sache. Viel erfolg dabei

Dinkydi

Schnupperdoggie

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11

Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:18

Trainer vor Ort haben wir natuerlich, nur gebracht hat's bisher noch nix. Obwohl, bei der jetzigen habe ich ein gutes Gefuehl.

catba

Alphadoggie

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12

Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:33

puh, das tönt heftig...bei meiner Dix, sieht es zu Hause ähnlich aus... sie ist territorial und geht auf jeden Besuch los (schnappen), der in die Wohnung kommt (auch Personen die sie kennt)...zu Beginn habe ich sie in die Box getan und nach anfänglichem Knurren, war sie dann ruhig...inzwischen ist sie an der Leine (auf ihrem Platz) und ich verbiete ihr jegliches Bellen oder Knurren...es ist meine Wohnung und ich sage wer hier rein und raus geht...
Ich bin ehrlich, keine Ahnung ob das ein Trainingsansatz wäre, denn ohne es zu sehen, kann man auch nicht sagen, was das Beste sein wird für deine Hannibal...

gut, dass du ein gutes Gefühl hast bei der jetzigen Trainerin...wie stuft sie den Hannibal ein?

Vaku

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13

Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:41

Nein, da geht gar nichts mehr. Augen voll auf den Besuch fixiert und alle Kraft auf dieses eine Ziel.


Im Grunde heisst das, dass du den Zeitpunkt für ein äusseres Einwirken schon verpasst hast.
Der Hund ist schon so im Tunnel, der kommt da nicht raus (kenne das von meinem Hund), da kannst du tun was du willst.

Wichtig wäre es also den Hund gar nicht mehr in diesen Tunnel kommen zu lassen.

Ich kenn das "Problem" nur beim Kreuzen von anderen Hunden und da kann man gut mit Distanz arbeiten, geht bei Besuch zu Hause natürlich schlecht.
Ich würde wohl erst mal mit angeketteter Hausleine arbeiten, ihn ignorieren, ihn erst bestätigen wenn er ruhig ist (im schlimmsten Fall erst mal Maulkorb drauf).

Aber ganz ehrlich ohne Trainer der die ganze Situation einschätzt würde ich da nicht rangehen.

Fizzy

Schnupperdoggie

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14

Mittwoch, 3. Januar 2018, 23:28

Wie alt ist Hanniball?

Ne sichere Ferndiagnose wird dir hier keiner liefern können. Ein guter Trainer ist da wirklich wichtig.

Ebenfalls wichtig sind deine Emotionen. Hunde nehmen deine Ausstrahlung wahr. Da du nun schon eine Weile mit dem Problem kämpfst und auch nicht mehr weiter weisst, wirst du vermutlich auch diese Verzweiflung und Unsicherheit selbst ausstrahlen. Du weisst es kommt Besuch und denkst dir schon "oh schreck, was wird mit Hannibal sein". Mir persönlich hilft Wissen - und wenn es nur ein "das könnte es sein"-Wissen ist, wieder Herrin meiner Gefühle zu werden und die Gelassenheit auszustrahlen die mein (ängstlicher) Hund braucht. Vielleicht bei dir ja auch. Ich hab vor einer Weile mal bei einem Schnupperkurs für Hundepsycholgie reingeguckt und gerade diesen Sommer selbst wieder darauf zurück greifen müssen. Nimm das hier also als Lösungsansatz und nicht als ein "das wird es sein!", da es eine reine Theorie ist und nicht zwingend auf Hannibal zutrifft.

Angst Aggressionen entwickelt sich bei Hunden meist, wenn sie entweder wiederholt Gewalt erfahren haben (was bei dir wohl ausgeschlossen werden kann) oder bei Überkompensation von Unsicherheit, was hier wahrscheinlicher ist. Das heisst, dass er vielleicht als Welpe nicht das individuell zugeschnittene Training bekommen hat, was er gebraucht hätte. Ein sensibler, ängstlicher Welpe muss erst Selbstvertrauen lernen, bevor der Rest kommt. Die Angst spielt sonst in jede Sozialisierung, Erziehung, usw. mit ein und der Wurm ist drin. Meinem Hund musste ich erst beibringen, hey du darfst dich frei bewegen und es passiert dir nichts schlimmes. Einem Wirbelwind musst du dafür eher auch mal Zurückhaltung und Ruhe beibringen. Diese Individualität wird bei vielen Hundeschulen vernachlässigt. Mein kommt auf den Platz mit einer ganzen Gruppe und los gehts, jeder macht das gleiche. Für den durchschnitts Welpe mit ausgeglichenem Charakter passend, für extreme in irgendwelche Richtungen (Angst, Überdreht, etc.) nicht unbedingt. Vielen Hundehaltern, v.A. Ersthaltern, fehlt das Wissen die Signale zu erkennen und eben danach zu handeln. Man könnte also davon ausgehen, dass Hannibal vielleicht ein sehr schüchterner, sensibler und ängstlicher Welpe war, darauf aber nie eigegangen wurde. Es ist ja auch nicht leicht. Man soll ihn nicht streicheln und betüdeln, weil er das als Bestätigung der Angst sehen kann, man soll ihn nicht ignorieren, weil er sich dann damit allein gelassen fühlt, usw. Da passieren schnell Fehler. Wenn der Mensch dem Hund bei diesen Unsicherheiten und Ängsten nicht den richtigen Weg zeigt, sucht er sich eben selbst einen. Dies kann dann eben in Angst Aggression enden. Der Welpe / Junghund testet aus, merkt "hey das knurren / bellen / Zähne fletschen / schnappen hat funktioneirt, die Gefahr hat sich zurück gezogen!" und behält dieses Verhalten bei. Das soll auch kein bösartiger Vorwurf an deine Schwiegermutter sein, aber das wäre halt eine mögliche Erklärung für die Ursache. Für genaueres, muss man den Hund sehen.

Mein Welpe hatte auch Angst vor Wind, sowohl für dem Gefühl wenn der Wind ihn trifft, als auch vor den Geräuschen. Er hatte Angst vor Dunkelheit, Pfützen, allen Tieren, Menschen mit Kopftuch oder Kapuze, weisse Treppen (ja nur weisse), und vieles mehr. Er hatte Angst vor Artgenossen und testete da Aggressivität als Lösungsweg aus. Definitiv die grösste Baustelle. Denn Lebewesen reagieren immer anders, während z.B. die böse Mülltonne schnell durchschaut werden kann. Ich hatte ein bisschen Vorwissen und Hilfe und wir konnten seine Ängste in den ersten Lebensmonaten in den Griff kriegen. Wobei wir immernoch am idealen Umgang mit Artgenossen feilen. Je länger der Hund aber schon mit seinen Macken lebt, desto schwerer wird es. Das A und O bei Welpen ist, Vertrauen auf bauen, sowohl Selbstvertrauen als auch in seine Menschen. Das heisst nicht nur, dass du der jenige bist, der ihn anfassen darf etc. Sondern eben auch, dass er Vertrauen in dein Urteilsvermögen und deine Entscheidungen bekommt. Dass er lernt, dass du entscheidest, wer ins Haus darf und wer nicht und er dich da nicht beschützen muss. Das klingt nun wieder nach er fühlt sich als Rudelführer und Dominanz Blabla, hat in diesem Fall auch nichts mit Dominanz zu tun. Nur basierend auf der obenstehenden Thesis (dass ihm dieses Vertrauen-Vermitteln im Welpenalter fehlte), wäre Hannibal inzwischen an einem Punkt an dem er glaubt, dass er alles regeln muss, weil es sonst keiner tut. Einfach, weil er das (VIELLEICHT) durch die Vorbesitzerin so (unbeabsichtigt) vermittelt bekommen hat und aus diesem Denkmuster nicht rauskommt. Auch hier spielen wieder oben erwähnte Emotionen von dir und deiner Frau mit ein. Er versucht also diese Entscheidungen zu treffen, obwohl er sich dazu nicht mal ind er Lage fühlt und dann eben überfordert in Aggressivität stürzt.

Ich weiss nicht was ihr schon alles versucht habt und wie gesagt, mit ferndiagnose geht das sowieso NICHT! Aber REIN THEORETISCH, würde ich wieder ganz an den Anfang gehen und nur Vertrauen aufbauen. Besuch weglassen. Überfordernde Situationen meiden und ganz sachte, Schritt für Schritt aufbauen. Und zwar mit kleinen Schritten.

flower11

Schnupperdoggie

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15

Donnerstag, 4. Januar 2018, 07:16

Wie alt ist denn Hannibal? Und habt ihr ihn schon seit Welpenalter? Wann und wie hat sich die Aggressivität angefangen zu zeigen?

Lady

Schnupperdoggie

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16

Donnerstag, 4. Januar 2018, 08:06

Ich schliesse mich Fizzy an. Wenn ein Hund aus Angst eben zum Angstbeisser wird, dann muss man zum Anfang zurück und komplett neu anfangen und zwar beim Selbstvertrauen aufbauen! Sonst kommt man nie weiter. Alles andere ist ein Flickwerk und der Hund wird nie aus seiner Angst richtig rausfinden und immer wieder in sein Verhalten zurückfallen. Darum gilt es nun am Selbstvertrauensaufbau zu arbeiten.
Meine Lady kam als Welpe zu mir und hatte vor allem (Lärm, Verkehr, Dingen draussen usw.) und jedem Menschen Angst. Wollte sie jemand anfassen, kreischte sie vor Angst - es war unmöglich sie zu sozialisieren :( Am Tram entlang laufen (fährt direkt neben unserem Haus vorbei) = Horror... Unsere Enkelkinder hat sie in die Beine gezwickt usw. So packte ich eine "Baustelle" sprich Angst nach der anderen an (zuviel auf einmal geht ja auch nicht) und arbeitete mit ihr daran. Um ihr Selbstvertrauen aufzubauen, bekam sie jeden Tag kleine Aufgaben, von denen ich wusste, dass sie es schafft. Beispiel: mir etwas aufzuheben und in die Hand zu geben oder einen einfachen Trick usw. Dafür kassierte sie überschwengliches Lob und natürlich Gudies... Sie musste merken, sie war die Grösste! Auch Lady hat übergrossen Beschützerinstinkt, wer also direkt auf mich zuläuft, läuft Gefahr, dass sie sich vor mich stellt und die Person anknurrt. Das allerdings heute noch! Aber sie warnt und beisst nicht resp. sie hat nur ein einziges Mal eine fremde Person gebissen, die mich tatsächlich angreifen wollte... Es dauerte bei Lady 18 Monate bis sie genug Selbstvertrauen hatte und ihre Ängste los war. Ich habe diese 1.5 Jahre Tag für Tag mit ihr konsequent gearbeitet!!! Seither ist sie eine souveräne, sehr selbstsichere Hündin, die ohne Stress durchs Leben gehen kann :good:
Das mit den Enkelkindern habe ich übrigens so gelöst (ich wollte Lady nicht wegsperren), ich nahm Lady an eine lange Leine, sie durfte zu den Enkelkindern, sobald sie Anstalten machte zu bellen oder zu zwicken, riss ich sie rigoros mit einem scharfen nein an der Leine zurück und DANN musste sie hinters Türabsperrgitter. Sie sollte den Zusammenhang erkennen lernen. Das hat auch geklappt :nicken: Lady wollte nämlich ungern allein sein... Nach wenigen Malen aussperren, hörte sie mit den Angriffen auf. Jetzt kommt es noch vor, dass sie bellt, aber das Zwicken ist kein Thema mehr ^^

Liebe Grüsse
Marianne

www.ladys-huetewiese.jimdo.com

Dinkydi

Schnupperdoggie

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17

Donnerstag, 4. Januar 2018, 10:28

Ich moechte zuerst etwas anmerken: Es ist mir durchaus bewusst, dass Hannibal und ich professionelle Hilfe brauchen und dass Ferndiagnosen in solch einem schwierigen Fall unmoeglich sind. Wir haben auch professionelle Hilfe und derzeit habe ich ein gutes Gefuehl. Sie kennt Hannibal noch nicht lange. Andere Hundetrainer haben sich bereits an Hannibal die Zaehne ausgebissen ( :d ).

Das Forum hier soll fuer mich keineswegs den Hundetrainer ersetzen, sondern ergaenzen. Hannibal ist ein derart komplexer Hund, da kommen mir ganz viele Fragen in den Sinn, an die ich zuvor noch nicht einmal gedacht habe. Meistens stelle ich die der Hundetrainerin. Einige gehen auch vergessen. So zum Beispiel habe ich nie danach gefragt, wie wir Hannibal klar machen koennen, dass er keine Angst vor dem Wind haben muss. Das ist auch die Frage, die ich hier gestellt habe, das ganze lief dann etwas aus dem Ruder. Aber ich bin eurer Anteilnahme und Ratschlaege sehr dankbar.

Zitat

gut, dass du ein gutes Gefühl hast bei der jetzigen Trainerin...wie stuft sie den Hannibal ein?

Aggressiv und immer auf 180. Wir muessen ihn zuerst runter holen, beruhigen, damit seine Sicherungen nicht durchbrennen und er auf uns hoert. Sie meinte es werde viel Arbeit, aber es sei keineswegs ein verlorener Fall. Ihre Methode ist sehr damit vergleichbar was du geschildert hast. In die Box und ignorieren. Was ihr (und natuerlich uns) nicht klar ist, ist die Frage woher die Aggressivitaet kommt. Es wirkt manchmal wirklich so, als waere er auf Angriff abgerichtet worden. Von uns hat er das ganz sicher nicht. Aber von jemand anderem in einem Hundehort oder so, ist auch aeusserst undenkbar. Ich denke das wichtigste was ich jetzt gelernt habe, ist Hannibal zu beruhigen und nicht immer anzuspornen. Er ist eine absolute Sportskanone, kann stundenlang rennen, braucht kaum eine Pause. Frueher ging ich mit dem Fahrrad und ihm spazieren, damit er richtig muede wurde. Am Tag drauf wollte er natuerlich noch mehr. Wenn ich jetzt Gassi gehe, lasse ich ihn nicht mehr ab der Leine. Und zwar nicht, weil ich Angst haette er koennte was machen, denn er hoert durchaus auf mich, auch wenn er nicht an der Leine ist. Aber ich moechte dass er es grundsaetzlich etwas ruhiger angeht.

Zitat

Wie alt ist Hanniball?

5 Jahre bereits. Wie die Zeit vergeht!

Zitat

Ebenfalls wichtig sind deine Emotionen.

Ja, das ist mir bewusst. Ich arbeite daran Selbstbewusst zu wirken, aber Hannibal merkt natuerlich wie ich in den Stress komme, wenn eine potentiell brenzlige Situation sich anbahnt. Es ist ein Teufelskreis! Immerhin klappt es jetzt besser wenn mir andere Hunde entgegenkommen. Bisher war es ein Kampf von Hannibal zum anderen Hund zu gelangen und ihn zu beschnuppern. Im Moment lasse ich das nicht zu und er hat auch keine Chance gegen mich, dafuer ist er zu schwach. Aber in dieser Situation bin ich viel selbstsicherer geworden und ich glaube jetzt auch zu wissen, wie ich mich in so einem Fall angemessen verhalte. Hannibal muss ins Platz und es geht erst weiter wenn er sich beruhigt hat.

Zitat

Einem Wirbelwind musst du dafür eher auch mal Zurückhaltung und Ruhe beibringen.

Ich glaube das ist genau der Punkt. Ich kann zwar ausschliessen, dass Hannibal Gewalt widerfahren wurde als er klein war, jedoch weiss ich nicht genau wie er erzogen wurde in seinen Welpenjahren. Damals war er bei meiner Schwiegermutter, und die ist sehr emotional, aufbrausend und auch immer auf 180. Eigentlich genau wie Hannibal jetzt (natuerlich ohne die Aggressivitaet) :hihi: . Und da habe ich wohl auch den groessten Fehler gemacht. Statt ihm Ruhe bei zu bringen, habe ich ihn eher noch angestachelt. ;(

Zitat

Man könnte also davon ausgehen, dass Hannibal vielleicht ein sehr schüchterner, sensibler und ängstlicher Welpe war, darauf aber nie eigegangen wurde.

Ich habe erfahren, dass er von seiner Mutter nicht richtig gestillt wurde, weil er wohl das schwaechste Kind in diesem Wurf war. Er war von Anfang an eher der verstossene Typ. Schuechtern, sensibel und aengstlich trifft wohl zu.

Zitat

Ich weiss nicht was ihr schon alles versucht habt und wie gesagt, mit ferndiagnose geht das sowieso NICHT! Aber REIN THEORETISCH, würde ich wieder ganz an den Anfang gehen und nur Vertrauen aufbauen. Besuch weglassen. Überfordernde Situationen meiden und ganz sachte, Schritt für Schritt aufbauen. Und zwar mit kleinen Schritten.

Herzlichen Dank fuer deinen Beitrag, das macht sehr viel Sinn, was du sagst!

Zitat

Wie alt ist denn Hannibal? Und habt ihr ihn schon seit Welpenalter? Wann und wie hat sich die Aggressivität angefangen zu zeigen?

Ich weiss nicht wie alt er war als er zu meiner Schwiegermutter kam, aber sicher noch im Welpenalter. Ein halbes Jahr spaeter ist er dann bei uns gelandet. Die Aggressivitaet hat sich vielleicht vor zwei Jahren zum ersten Mal gezeigt und wurde zunaechst immer schlimmer. Seit letztem Sommer scheinen wir die Situation etwas besser in den Griff zu bekommen. (Holz aalaenge! ;) )

Zitat

Ich schliesse mich Fizzy an. Wenn ein Hund aus Angst eben zum Angstbeisser wird, dann muss man zum Anfang zurück und komplett neu anfangen und zwar beim Selbstvertrauen aufbauen! Sonst kommt man nie weiter. Alles andere ist ein Flickwerk und der Hund wird nie aus seiner Angst richtig rausfinden und immer wieder in sein Verhalten zurückfallen. Darum gilt es nun am Selbstvertrauensaufbau zu arbeiten.

Ok, das macht Sinn. Jetzt kommt natuerlich die doofe Frage: Wie kann ich beim Hund Selbstvertrauen aufbauen? Wie kann ich ihm beibringen, dass er sich auf mich verlassen kann? Ich bin mir aber nicht sicher, ob Hannibal mehr Selbstvertrauen braucht, oder einfach mehr Vertrauen in mich. Manchmal habe ich das Gefuehl, Hannibal hat so viel Selbstvertrauen wie nur moeglich. Wenn es dann zu winden anfaengt, scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Bolotta

Alphadoggie

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18

Donnerstag, 4. Januar 2018, 10:35

In welcher Gegend wohnt ihr und wen habt ihr als Trainerin? Gerne auch per PN

Vaku

Moderatordoggie

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19

Donnerstag, 4. Januar 2018, 10:55

Ich kann nicht zitieren auf dem Handy (sorry), deshalb so:

Die Einschätzung der Trainerin zu sagen "agressiv und immer auf 180" finde ich ehrlich gesagt etwas mau und zu wenig differenziert (Ich wäre damit nicht zufrieden, ich würde da mehr wissen wollen).

Ich habe (musste) mich im letzten halben Jahr viel mit Aggressionsverhalten beim Hund beschäftigt und es gibt x verschiedene Motivationsgrundlagen für den Hund aggressives Verhalten zu zeigen (wobei wichtig ist, dass Aggression beim Hund erst mal immer ein Kommunikationsmittel und "natürliches Verhalten" ist).

Ein Hund kann durchaus Defensiv agressives Verhalten zeigen und das erkennt man an seiner Körpersprache.

Jmd der keine Ahnung von Körpersprache Hund hat, würde bei meinem Hund auch sagen "hochgradig agressives Verhalten und der greift gleich wahllos an", das stimmt aber so alleinstehend nicht.
Ja das Verhalten ist agressiv, wenn der Hund bellt und knurrt - aber wenn der Rest der Körpersprache defensives Verhalten zeigt, dann ist dieser Hund nicht auf Angriff aus (max auf Verteidigung und das auch erst, wenn der andere Hund sich nicht verzieht und das tun 99%).
Macht das Problem weder weg noch besser, aber der Trainingansatz bei einem unsicheren Hund ist nunmal anders, als bei einem Hund der auf dem Egotrip ist.


Wenn du dich mit dem Thema Aggression beim Hund stärker auseinander setzen magst, ein guter Einstieg ist:

"Aggressiomsverhalten beim Hund" von Ute Heberer, Nora Brede und Normen Mrozinski



Zu der Windsache:
Bei uns hilft ignorieren. Also wenns im Haus irgendwo knarzt oder pfeifft, dann ignoriere ich das einfach, mach meinen normalen Tagesablauf.

Wenn das nicht reicht, dann verzieh ich mich ins Schlafzimmer, leg mich ruhig aufs Bett und lese ein Buch.
Alma krabbelt dann unters Bett. Sie ist dann bei mir und gleichzeitig "in ihrer sicheren Höhle".

Schafft der Hund mal nicht runter zu kommen von allein, gibt es einen Knochen oder einen Kong zum Schlecken (das beruhigt und lenkt ab). Da ist die Welt nur noch halb so schlimm und meist ist es dannach dann auch besser ;).

Edit:
Selbstvertrauen kann man aufbauen in dem man mit dem Hund Dinge tut die er kann und die mal variiert.
Bei uns geben Militarys immer einen guten Schub, weil Alma da Dinge zeigen kann mit Dingen die wir nie geübt haben.

Ansonsten Plausch oder Fun-Gruppem in der Hundeschule.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Vaku« (4. Januar 2018, 11:08)


Dinkydi

Schnupperdoggie

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20

Donnerstag, 4. Januar 2018, 11:28

Zitat

Die Einschätzung der Trainerin zu sagen "agressiv und immer auf 180" finde ich ehrlich gesagt etwas mau und zu wenig differenziert (Ich wäre damit nicht zufrieden, ich würde da mehr wissen wollen).

Naja, das war meine Zusammenfassung von mehreren Stunden Gespraechen und Training. Da solltest du eher meine Berichterstattung kritisieren statt die Hundetrainerin. Allerdings kann ich dir nicht sagen ob es defensiv aggressiv ist oder nicht.

Zitat

Schafft der Hund mal nicht runter zu kommen von allein, gibt es einen Knochen oder einen Kong zum Schlecken (das beruhigt und lenkt ab). Da ist die Welt nur noch halb so schlimm und meist ist es dannach dann auch besser ;).

Mein Hund hat null Interesse an Leckerlis wenn er Angst hat.

Zitat

Ansonsten Plausch oder Fun-Gruppem in der Hundeschule.

Mit anderen Hunden zusammen ist zur Zeit keine Option.

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