Dominanz und Aggression

  • Der Satz finde ich ungünstig formuliert.


    Was soll überhaupt en dominates Tier sein? So was gibt es nicht. Tiere sind maximal Situationsbezogen dominant, nicht von ihrem Grundcharakter.
    Dominates Verhalten zu zeigen bedeutet auch nicht souverän zu sein.
    Es gibt genug Hunde die Situationsbedingt dominates Verhalten zeigen, aber alles andere als Souverän sind.
    Zudem hat Aggression überhaupt nicht zwingend was mit Dominaz zu tun - man unterscheidet nicht umsonst zwischen "defensiver Aggression" und "offensiver Agression".
    Auch der letzte Teil des Satzes mit "keine Aggression nötig" würde ja dem Hund ein Teil seiner Kommunikationsmethoden absprechen.



    Ich habe hier mind. 3 aktuelle Verhaltensbiologische Bücher über das Thema Agression beim Hund liegen. Ich habe mich wegen Almas Verhalten im ersten gemeinsamen Jahr viel mit dem Thema beschäfftigen müssen.
    Bin bei weitem aber kein Experte auf dem Gebiet. Aber was ich im letzten Jahr gelernt habe ist:


    Agression ist kein Zeichen von dominanz oder ähnlichem.
    Aggression ist im Tierreich (und auch bei uns Menschen) erst mal nur ein Komminukationsmittel. Alle Hunde nutzen es; auch souveräne Hunde.
    Es ist ein Teil ihrer Kommunikation, so wenn wir Menschen untereinander "Hallo" sagen.


    Der Unterschied bei einem souvaränen Hund und einem nicht souveränen Hund ist jedoch, dass er genau weiss was er tut und die Siuation im Griff hat - d.h. die Situation nicht exkaliert.
    Korrekturen gegenüber anderen Hunden z.B. punktgenau sitzen. Körpersprache deutlich ist.
    Ein souveräner Hund macht 1x die Ansage, deutlich und dann ist gut.
    Er selbst hat es nicht nötig auf defensives Aggressionsverhalten einzugehen - er steht darüber. Aber jeder souveräne Hund, wird die Grenze des "schwächeren" Hundes akzeptieren.



    Zu dem verlinkten Seite kann ich nur sagen, dass durchaus interessante Fakten zum Thema Verhalten aufgezeigt sind.
    Den von dir zitierten und von Autor hervorgehobenen Satz finde ich persönlich aber schlecht gewählt, wenn man unbedingt einen Satz herausheben will, hätte ich pers. eher diesen Gewählt:

    Zitat

    Einem Tier, dessen Dominanz anerkannt wird, werden freiwillig
    Privilegien zugestanden, sprich, es kann jederzeit seine Interessen ohne
    den Einsatz von Gewalt gegen den anderen durchsetzen

    Aber gut, ist meiner Meinung :noidea: .


    Wer eine gute, informative Zusammenfassung zum Thema Kommunikationsmitel Aggression beim Hund lesen möchte (und den Zusammenhang mit Dominanz und Unsicherheit), dem kann ich diese Seite empfehlen:
    http://www.michis-hundeseite.info/aggressionsverhalten.htm
    oder das Buch Agressionsverhalten beim Hund (da werden die unterschiedlichen situationsbedingten Agressionsformen aufgeschlüsselt und erklärt).

  • Ich verstehe Dominanz nicht negativ sondern als selbstsicheres Auftreten eines Tieres.
    Das beobachte ich sehr oft bei meinem Rüden, gerade im Kontakt mit anderen (fremden) Hunden und Menschen agiert er souverän. Es wirkt auf mich wie, er dominiert die Situation indem er ruhig agiert und wenn es stressig wird, er lieber dem Stress ausweicht.


    Aggressionen beobachte ich widerum eher bei unsicheren und überforderten Hunden.

    Ein Hund liebt Dich immer mehr als sich selber :smile:

  • Was wird als Aggression eingestuft? Damit beginnt es ja schon :nicken: Beispiel: ich war gestern mit Lady unterwegs, auf einem Weg ca. 6-8 m oberhalb von uns lief ein Lagotto. Frauchen joggte voraus und kümmerte sich nicht um ihren Hund. Er sah Lady, blieb stehen und bellte herunter. Sie reagierte nicht auf ihn. Ich war das erste Mal dort unterwegs, kannte den Weg darum nicht. Mein Weg stieg an und so kamen wir dem Lagotto und dem oberen Weg immer näher. Er blieb immer wieder stehen und kläffte zu uns herunter, sein Frauchen war nicht mehr in Sichtweite. Lady schaute zu ihm, bellte aber nicht. Schlussendlich mündete mein Weg in den oberen Weg. Und dort an der "Kreuzung" wartete der Lagotto bellend... Lady lief ruhig bis ca. 5 m an ihn heran und rannte dann frontal und bellend auf ihn zu, machte ihm einen Bodycheck (mit der Schnauze in seine Flanke), so dass er ein wenig ins Schwanken kam. Der Lagotto war vom "Angriff" sichtlich überrascht und erschreckt, denn er nahm die Rute zwischen die Beine und rannte davon. Ich stufe Ladys Verhalten nicht als aggressiv ein, aber als offensiv. Doch ich könnte mir vorstellen, dass die Meinungen darüber geteilt sind.
    Lady weicht bei grösseren Hunden Stress nicht aus. Sie geht sie an, allerdings nicht ohne Grund! Aber wenn einer geduckt kommt oder direkt auf sie zuprescht, das akzeptiert sie nicht und dann gibts eine "Ansage". Ohne schnappen, kein beissen, aber sie ist - wie an den Schafen - sehr durchsetzungsfähig. Kleine Hunde haben bei ihr, wie ich es nenne, den "Minibonus", die dürfen aufdringlich sein, sie ankläffen usw. da geht sie einfach weg. Ob es daran liegt, dass ich etliche Jahre eine Chihuahua Hündin gesittet habe und schon als Lady Welpe war ein Dackel immer bei uns Ferien machte und ihr Herzbube war - keine Ahnung.

  • Lagotto
    Vetwechselst du nicht Dominanz mit Souveränität? Wenn du ein Rudel Hunde anschaust, hat der Rudelchef rein durch seine Präsenz, sein Auftreten das sagen. In der Regel reicht das vollkommen- selten brauchts ein Knurren. Ist der Chef überfordert, DANN kracht‘s. Das hat doch aber nichts mit Dominanz zu tun?

  • Snowdog


    Zitat

    Wenn du ein Rudel Hunde anschaust, hat der Rudelchef rein durch seine Präsenz, sein Auftreten das sagen. In der Regel reicht das vollkommen- selten brauchts ein Knurren. Ist der Chef überfordert, DANN kracht‘s.


    Ich denke das dies Verhalten normal ist in seinem eigenen Rudel, aber wie verhält sich der Rudelchef mit fremden Hunden? Auch nur mit seiner Präsenz? Ich denke da eher nicht oder?

  • Ich sehe es wie Snowdog: Souveränität und Dominanz sind zwei Paar Schuhe. Ich kenne einen sehr souveränen Malirüden. Der hat es absolut nicht nötig, dominant aufzutreten. Der nimmt Tabascos möchtegerndominantes Getue nicht mal Ernst. Durch seine Souveränität kann er allen Hunden (und auch Menschen) gegenüber sehr freundlich sein. Er fühlt sich von niemandem bedroht und strahlt deshalb auch diese Ruhe aus.

  • Liebe Vaku,
    Ich will gar nicht diskutieren, ich wollte den Link nur teilen. Darum schrieb ich ja, wen es interessiert... :zwinker:

    Ein Hund liebt Dich immer mehr als sich selber :smile:

  • Finde ich einen guten prägnanten Artikel, kein ewiges Herumgerede :good: Danke fürs Teilen

    "Man kriegt nicht den Hund den man will, sondern den den man braucht"

  • Honey zeigt ganz deutlich, wenn es ihr nicht passt. Zum einen ihre bedrohte und ängstliche Körperhaltung, aber auch durch Knurren und Zähne zeigen. Ändert sich nichts, dann "keift" sie laut und schnappt in die Luft. Oft wird das von anderen HH als negativ eingestuft. Schon mehrmals war's mir nicht mehr möglich, rechtzeitig einzugreifen. Sie hat den anderen Hund nicht geschnappt und die Situation unter den Hunden war geklärt. Luna zeigt durch Abdrehen und Bellen, wenn sie keinen Kontakt wünscht. Kommt einer auf sie zu gerannt, bleibt sie ruhig und bestimmt stehen.


    .

  • Leider gibt es da viele Hunde die solches Verhalten mit „auszuspielen“ versuchen. Im Buch „der liebestolle Beagel und die 45 Nachthemden“ wird das gut erklärt: es gibt 4 Reaktionsarten bei Stress (zb bei Hundebegegnungen): fight, freeze, flight und flirt wobei viele Rassen eine „rassentypische Reaktionsart“ haben. Zum Beispiel neigen Beagel zum freeze (darum auch so gerne als Laborhunde genutzt), Chis zum flight, Terrier zum fight und Retriver zum flirt. Je nachdem was da auf was trifft, kann es zu massiven Missverständnissen kommen, trotz Dominanz.
    Nebenbei ein interessantes Buch :)

    "Man kriegt nicht den Hund den man will, sondern den den man braucht"