Hund bellt zu Hause wenn ich im Garten bin

  • Guten Morgen allerseits


    Hier kurz zur Situation: unser Jimmy, sieben Monate, bellt wenn ich aus dem Haus gehe und mich ums Haus herum aufhalte. Gehe ich ganz weg, also z.B. zum Einkaufen oder Arbeiten, akzeptiert er das ohne Murren und Knurren (oder eben Bellen). Doch sobald er merkt, dass ich ja gar nicht wirklich weg bin sondern eben nur im Garten, beginnt er zu bellen, kratzt an der Türe und beruhigt sich kaum mehr. Dazu ist zu sagen, dass er dass ganz am Anfang als wir ihn geholt hatten auch gemacht hat, doch irgendwann hat er die Situation akzeptiert und nur noch ganz kurz gebellt und sich dann beruhigt. Ganz schlimm ist es, wenn ich draussen bin und mich mit jemandem unterhalte, sei das mein Mann, die Kinder oder eine Nachbarin. Gestern habe ich diese Art von "Weg-Sein" ein wenig mit ihm geübt, bin also immer mal wieder raus, kurz draussen gewartet (wirklich kurz, das längste evtl. drei, vier Minuten), mich draussen mit der Tochter unterhalten, das hat geklappt. Doch wenn ich länger draussen bin, fängt er an zu Bellen. Das Bellen kann ich gut ignorieren doch da er, wenn mit dem Bellen keinen Erfolg, anfängt an der Eingangstüre zu kratzen muss sich etwas ändern. Unsere Türe ist schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden.


    Wir achten uns immer darauf, dass niemand reingeht während er bellt. Ein aus seiner Sicht Erfolgserlebnis hat er also nie gehabt. Ist es einfach die Pubertät und die Lage wird sich von alleine wieder beruhigen? Oder ist es Unsicherheit? Oder eine Kombination? Dazu ist zu sagen, dass ich in unserer Familie sein "Oberhaupt" bin. Denn bei meinem Mann hat er dieses Verhalten (noch? - ich hoffe er wird auch nie!) gezeigt. Grundsätzlich ist Jimmy ein Hund, der gerne bei seiner Familie ist. Nicht der Kampfkuschler, doch Nähe ist ihm lieb. Nach wie vor folgt er mir z.B. auch nach, wenn ich in den oberen Stock gehe. Er kommt nach, schaut was ich mache und legt sich dann entweder im gleichen Raum hin oder sucht sich in einem anderen Zimmer im Obergeschoss ein Plätzchen. Bewege ich mich nur im Untergeschoss, interessiert ihn das nicht (oder meist nicht). Zu sagen ist vielleicht noch, dass wir ihn erst zu uns geholt haben als er bereits fast fünf Monate alt war. Geboren (und dort gewesen bis wir ihn geholt haben) ist er auf einem Bergbauernhof, frei wie ein Vogel zusammen mit seiner Mutter und einem anderen Hund.


    Den Garten einzäunen ist keine Option; wir wohnen in einem sehr alten Haus und das Grundstück ist "verzettelt", also Haus hier und der Garten auf drei "Blätz" verteilt, jeweils nicht direkt ans Haus grenzend.


    Über euere Erfahrungen und Tipps bin ich wirklich sehr froh denn die Situation belastet mich.


    En schöne Tag und liebe Grüsse, Feder.

  • Gestern habe ich diese Art von "Weg-Sein" ein wenig mit ihm geübt, bin also immer mal wieder raus, kurz draussen gewartet (wirklich kurz, das längste evtl. drei, vier Minuten), mich draussen mit der Tochter unterhalten, das hat geklappt.


    ...und genau das ist auch der Trainingsansatz und immer weiter ausbauen, aber nicht zu grosse Zeitsprünge machen...ich meine er ist 7 Monate jung, da muss man halt noch üben und nicht schon zuviel erwarten ;) (nach 2 Monaten)


    Zu sagen ist vielleicht noch, dass wir ihn erst zu uns geholt haben als er bereits fast fünf Monate alt war. Geboren (und dort gewesen bis wir ihn geholt haben) ist er auf einem Bergbauernhof, frei wie ein Vogel zusammen mit seiner Mutter und einem anderen Hund.


    das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn er ist sich gewohnt selber zu entscheiden, was er machen will...er hatte immer Hunde um sich, jetzt ist plötzlich niemand mehr da, stelle ich mir nicht ganz einfach vor...dass er dir nachläuft, hat wohl damit zutun, dass er jemand um sich braucht, wie er es bis anhin auch hatte...da würde ich auch ganz langsam ein Platz für ihn bestimmen, wo er bleiben soll, damit das Nachlaufen nicht zu einem Stress wird (Kontrollfreak) ein Decken Training, weisst du wie das geht?

  • Lady ist 10 1/2 Jahre alt und wenn ich z.B. ausserhalb vom Auto jemand antreffe und sie im Auto in ihrer Box wartet (tut sie immer absolut ruhig) und ich mich mit der Person unterhalte, bellt sie los :cursing: Ich hab immer den Eindruck sie will mir sagen, hey ich will auch zu euch, ich bin auch noch da... Dasselbe im Haus, sie bleibt ruhig und problemlos allein zu Hause, aber wehe sie hört mich draussen vor dem Haus mit jemandem reden, dann kläfft sie. Ich kann ja schlecht reingehen, ihr sagen, sie müsse ruhig sein und wieder rausgehen und weiter reden... Hab ich zwar schon probiert, fand es aber selber absolut sinnbefreit und ich denke, das hat sie auch gespürt. Kurzum, ich habe nie eine Lösung für das "Problem" gefunden, ausser sie eben rauszulassen, dann ist sie nämlich ruhig :nicken: Aber unser Garten ist eingezäunt, also ist das bei uns nicht wirklich ein Problem.

  • Hallo zusammen


    Hm, ich habe eigentlich heute Morgen eine Antwort verfasst... die ist wohl in den grossen Weiten des Netzes verschwunden.


    Wie auch immer: vielen Dank für euere Antworten.


    Deckentraining: ich bin mir nicht sicher ob ich weiss was das genau ist. Man bestimmt einen Platz (Decke, Körbchen) an den man den Hund schickt wenn er eben "warten" soll, ist das richtig? Wie so ein Training aufgebaut wird weiss ich nicht, würde mich also über Tipps sehr freuen.


    Wäre unser Garten eingezäunt sähe die Gesamtsituation wohl anders aus. Doch nun müssen wir damit leben, dass Jimmy nicht immer bei mir im Garten sein kann.


    Eine Überlegung, die ich mir auch mache ist die, ob seine Bellerei evtl. auch ein Pubertätsphänomen sein könnte? Denn bis vor ein paar Wochen konnte er ja alleine drinnen bleiben während ich im Garten arbeitete. Die ersten zwei, drei Minuten hat er zwar schon gebellt, doch danach war ruhe. Durchs Fenster konnte ich sehen wie er mich anfänglich beobachtete, irgendwann hat er sich dann die Freiheit genommen auf dem Sofa Platz zu nehmen (was er eigentlich nicht darf) und hat dort ganz entspannt auf meine Rückkehr gewartet. Ich konnte mich sogar mit der Nachbarin unterhalten.


    Wie gesagt, Tipps zum Deckentraining nehme ich gerne an.


    Danke und liebe Grüsse, Feder.

  • So vom Schiff aus würde ich sagen, es handelt sich um ein Kontrollverhalten, respektive Frust wegen Kontrollverlust (Frauchen macht was spannendes im Garten und ich kann nicht kucken, was). Dazu passt auch das Nachlaufen. Auch von der Rasse her kann ich mir sowas gut vorstellen (Hütehunde sind oft rechte Kontrolletis). Und ja, auch mit der Pubertät passt das gut zusammen.


    Wichtig ist, dass ihr konsequent und stur, aber entspannt dran bleibt. Der Trainingsansatz mit extra kurz rausgehen und wieder reingehen, wenn er still ist, ist schonmal super. Achte dabei darauf, dass er die Aufgabe erfüllen kann, also mach es ihm nicht extra schwer (mit Quatschen z.B.). Anfangs ist vermutlich schon das Rausgehen alleine schwierig genug. Der Kontrollverlust ist für den Hund echt stressig und der Lerneffekt entsprechend kleiner, wenn du ihn quasi in dieses Stressverhalten "laufen lässt" (die Situation für ihn also zu schwierig war). Besser ist, wenn er gar nicht erst ins Fehlverhalten fällt und du ihn fürs richtige Verhalten belohnen kannst (Belohnung in diesem Fall: Du kommst rein zu ihm oder er darf zB mit dir kurz in den Garten zum Kucken und Spielen).


    Deckentraining / Platzzuweisung ist bei einem kontrollierenden Hund sicher ein guter Anfang. Es ist auch gut möglich, dass ihr das mit der Zeit dann nicht mehr braucht.

    Zum Aufbau: Sucht euch einen fixen Platz, am besten einen, wo ihr auch eine Leine anbringen könntet (Heizung, schwerer Tisch, Sofa etc.). Manche sagen, es soll ein Platz sein, wo er möglichst gar nicht kucken (=kontrollieren) kann, ich persönlich finde (je nach Hund), dass es eher ein Platz sein soll, wo er eben kucken kann (ausser, das regt ihn extrem auf). Bringt ihn erstmal in ruhigen Situationen, wenn ihr in der Nähe bleibt, dahin, er soll da bleiben (von mir aus muss das nicht liegen sein, gibt aber strengere Auslegungen ;-)). Damit er das Kommando nicht einfach selber auflöst, würde ich ihn anleinen. Fürs ruhige Dableiben wird er belohnt, kriegt z.B. Gudis, Lob, was zu knabbern, oder die Freiheit, wenn du die Übung beendest. Anfangs machst dus ihm einfach, zu verstehen, was an dem Platz gefordert ist, du bleibst also in den Situationen in seiner Nähe (z.B. beim Fernsehen, essen, lesen). Mit der Zeit fängst du an, etwas mehr Bewegung reinzubringen (aufräumen, abstauben, basteln) und dann den Raum auch kurze Zeit zu verlassen (grad beim Aufräumen passiert das ja öfters). Das machst du erstmal kurzzeitig, einfach mehrmals am Tag, für den Hund immer positiv belegt (Knabbersachen, Belohnung wenn er ruhig ist). Wenn ers mag (viele mögens nicht) kannst du auch mal zu ihm hinsitzen und ihn an seinem Platz kuscheln und knuddeln. Einfach dass das ein cooler, sicherer Ort ist und er weiss, dass du da bist oder jedenfalls bald wieder kommst. Er soll nach Möglichkeit auf dem Platz NICHT in den Kontrollfrust kommen (evtl. ist es nicht ganz zu vermeiden - dafür ist die Leine da, und da heisst es dann einfach, aushalten und geduldig bleiben). Dann steigerst du die Zeit, in der du was spannendes machst, während er auf seinem Platz ist, und die Distanz. Wichtig ist: Jeweils nur einen Parameter verändern! Wenn du die Übung also länger machst, bleibst du dafür wieder eher in der Nähe, wenn du hingegen die Distanz vergrösserst (dich bewegst, aus dem Raum gehst), bleibt die Übung dafür kürzer. Und immer im Kopf behalten, er soll nach Möglichkeit nicht in das Fehlverhalten fallen. Wenn du dann hingehst und ihn wieder ableinst, mach kein Rambazamba, einfach mit einem ruhigen Lob ableinen und davongehen, ohne ihn zu beachten, evtl. sogar noch ein paar Gudelis streuen, damit er nicht sofort aufspringt.


    Generell ist es im Alltag mit einem zum Frust und Kontrollverhalten neigenden Hund sicher wichtig, an der Frusttoleranz zu arbeiten (dazu findest du hier im Forum sicher den einen oder anderen Beitrag). Und achtet euch mal, ob es vllt andere Verhalten gibt, die ebenfalls kontrollierend sind (oft tut man es als niedlich oder als Spielverhalten ab, z.B. hochspringen beim Rennen), und achtet dann darauf, dass ihr auch daran arbeitet.


    Generell denke ich aber, wenn ihr ruhig dran arbeitet und stur bleibt, wird sich das Verhalten gut wieder legen (und dann wird es auch nicht mehr nötig sein, ihn ständig auf seinen Platz zu bringen oder dort anzubinden - er wird möglicherweise sogar selber beschliessen, dorthin zu gehen, weil es einfach zur Gewohnheit wird). In der Pubertät verstärken sich solche Sachen oft, weil der Hund auch ausprobiert, was eigentlich seine Aufgaben in der Familie sind. Wenn man dann liebevoll konsequent dran bleibt und das erwünschte Verhalten auch bemerkt und belohnt, kommt das gut.

    It's a dog's inalienable right to get dirty.

  • Liebe Anne


    Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort und Analyse unserer Situation.


    Das mit dem Rein-/Rausgehen habe ich heute immer wieder geübt und darauf geachtet, dass er gar nie bellen muss. Das hat eigentlich ganz gut geklappt, will heissen er musste nie bellen. Ich habe ihn allerdings nie angebunden, also kein "Deckentraining", wie du es beschreibst. Er hat es akzeptiert, dass ich rausgegangen bin, entspannt war er allerdings dabei nicht. Jedes Mal, wenn ich reingekommen bin ist er gleich schauen gekommen. Und als ich im Garten war konnte ich sehen wie er auf dem Sofa stand und rausschaute. Auch wenn die Schritte sehr kein sind: ich bin zuversichtlich, dass er lernt mir zu vertrauen dass ich wiederkomme und er mich dabei nicht begleiten/beschützen muss.


    Im Haus haben wir auch geübt, ich Treppe hoch, aus seinem Blickfeld verschwunden, ihn kurz warten lassen und wieder zu ihm hin, loben. Lange sind diese Intervalle nicht, eineinhalb Minuten. Habe fast den Eindruck, es fällt ihm im Haus schwerer die Kontrolle loszulassen als wenn ich draussen bin.


    Die "Diagnose" Kontrollfreak allerdings sitzt. Fühle mich gerade ein wenig wie nach einem Elterngespräch in der Schule, wo einem gesagt wird das eigene Kind sei ein Problemkind...

  • Guten Morgen Morgana


    Könnte ich. Doch dann würde ich sein Verhalten ja nicht korrigieren. Dann wäre er ja immer bei mir. Mir ist es schon wichtig dass er lernt alleine drinnen zu bleiben.


    Vom Bauernhof, wo er herkommt, war er es sich gewohnt, dass er immer überall dabei sein konnte. Oder anders formuliert: er konnte kommen und gehen wie es ihm passte. Wollte er dem (Vor-)Besitzer bei der Arbeit zuschauen, konnte er das. Wollte er nicht mehr, konnte er sich verziehen. Diese Freiheit kann ich ihm nicht geben.


    En schöne Tag und liäbi Grüessli

  • Gern geschehen, wie gesagt: Ist halt nur vom Schiff aus, ohne euch zu kennen :-)


    Und als "Problemkind" würde ich das jetzt noch nicht bezeichnen, ist doch super, fällt euch auf, dass das nicht "normales" Verhalten ist und toll seid ihr bereit, in kleinen Schritten daran zu arbeiten! Das kriegt ihr hin :-) Einfach aufmerksam bleiben und konsequent sein.


    Die Lösung mit im Garten einen Bereich abstecken sehe ich genau wie du auch als Symptombekämpfung, aber nicht Problemlösung. Allerdings: Wenn ihr mal draussen sein "müsst" für längere Zeit und keine Möglichkeit habt, zu trainieren und Jimmy in kurzen Abständen fürs richtige Verhalten zu belohnen (z.B. weil ihr Gäste habt, was arbeiten müsst, draussen spielen wollt) kann es eine Lösung sein, Jimmy mit rauszunehmen und (z.B. mit einer Bodenschraube) anzuleinen. Auch dann würde ich das ruhige Verhalten jeweils belohnen (ruhig ein Guetzli hinwerfen z.B.). Denn wenn er ab und zu doch lange drinnen bleiben muss und sich dann total reinsteigert, macht das die kleinen Trainingsschritte leider wieder kaputt.. Ziel müsste bei diesem Trainingsansatz sein, dass er wirklich möglichst nie in den Frust fällt.


    Übrigens die guten News: Am Anfang sind es echt Mini-Schritte, aber wenn im Hundehirn mal angekommen ist, was Sache ist, kann man die Schritte dann oft recht gut verlängern. Und mit entsprechenden Übungen sonst zur Frusttoleranz und auch zunehmendem Alter wird Jimmy solche Situationen generell eher gelassener nehmen können.

    It's a dog's inalienable right to get dirty.

  • Hallo Anne


    Erneut danke für deine Antwort.


    Ja, wenn ich mal länger im Garten bin nehme ich ihn auch mal mit raus und leine ihn am Baum an. Das geht auch problemlos, dann ist er ja bei mir und aus seiner Sicht alles im grünen Bereich.


    Gerne melde ich mich wieder wenn Fragen auftauchen, ich einfach Zuspruch brauche oder: wenn wir alles im Griff haben!

  • Ein kleiner Zwischenbericht:


    Seit rund eine Woche also übe ich mit Jimmy das Alleinsein und so langsam gewöhnt er sich an diese neuen Gegebenheit. In unseren Tagesablauf habe ich Einheiten eingebaut, während denen ich ihn in sein Körbchen schicke und mich dann aus dem Raum begebe. Anfangs ist er immer gleich mit aufgestanden und wollte mir folgen. Nachdem ich ihn jedoch jedes Mal konsequent zurück ins Körbchen geschickt habe hat er begriffen worum es geht. Ich kann mittlerweile im oberen Stock die Betten machen, lüften, etc. ohne dass er das Körbchen verlässt. Diese "Übung" wieder hole ich täglich ein paar Mal, wenn ich wieder runter komme liegt er an seinem Plätzchen und schaut mich an. Also noch nicht wie der Buddha unter dem Banyan-Baum, doch gestresst wirkt er nicht.


    Noch nicht so entspannt sieht es aus wenn ich mich vor die Haustüre begebe. Dort kann ich mich rund eineinhalb Minuten aufhalten ohne dass er sein Körbchen verlässt. Und das auch nur wenn ich direkt vor der Türe stehen bleibe, wenn er merkt, dass ich ein paar Schritte gehe, ist er (nach eben rund eineinhalb Minuten) nicht mehr im Körbchen wenn ich reinkomme. Einmal blieb ich länger draussen, bin bis hinters Haus gegangen und habe mich kurz (keine fünf Minuten) dem Unkraut gewidmet, da ist er bei meinem Reinkommen an der Türe gestanden und hat mich erwartungsfroh angeschaut. Gewinselt oder gebellt hat er nicht.


    Zusätzlich zu diesen Übungen lasse ich nicht mehr zu, dass er mir überall hin folgt. Also nicht mehr bis ins Bad oder ich schicke ihn raus wenn ich den Sohn ins Bett bringe. Das akzeptiert er ohne Widerrede.


    Was mich an der ganzen Sache ein wenig wundert ist, dass er dieses Theater ja nicht veranstaltet wenn ich z.B. arbeiten gehe oder das Haus verlasse um einkaufen zu gehen. Dann akzeptiert er einfach, dass ich weg gehe, bellt manchmal ein, zwei Mal. Wenn ich wiederkomme trottet er mir meist ganz verschlafen entgegen und sieht nicht aus wie ein Hund, der total gestresst auf die Rückkehr des Frauchens gewartet hat.


    Dazu habe ich ein paar Fragen: wie lange sollten diese "Trainingseinheiten" sein? Das "nach-draussen-Gehen"-Training sieht in etwa so aus: ich gehe raus, bleibe ca. eineinhalb Minuten draussen, gehe rein und lobe ihn für's im Körbchen bleiben. Dann wiederhole ich das Spiel. Und dies so zehn, zwölf mal, also rund eine gute Viertelstunde. Etwa gleich beim "ins-Obergeschoss-Gehen", nur dass ich dort länger oben bleiben kann, so gute fünf Minuten, mal auch länger (da war's 10 Minuten). Das übe ich dann so drei, viel Mal, gesamthaft also +/- 20 Minuten. Zusammen also so gegen 40 Minuten. Ist das zu lange? Und wie oft pro Tag sollte ich diese Übungseinheit machen?


    Was ich ebenfalls verändert habe ist mein Begrüssungsritual. Er freut sich ja auch sehr wenn ich komme (darf er ja auch) und bis anhin war es so, dass er sich (mittlerweile von sich aus) hingesetzt hat und ich habe mich hingekniet und ihm Hallo gesagt. Wenn ich dann aufgestanden bin ist er mir aber immer hinten raufgesprungen und hat doch einen ganzen Tanz veranstaltet. Jetzt ignoriere ich ihn erst mal und begrüsse die Kinder und den Mann, erst dann den Hund. Ich habe den Eindruck, die ganze Begrüssungssituation hat sich seither etwas "runter gefahren". Dies einfach eine Zusatzinfo.


    Liebe Grüsse

  • So, seit meinem letzten Eintrag ist doch einige Zeit verstrichen. Gerne schreibe ich ein update:


    Irgendwie ist plötzlich alles ganz schnell gegangen und bei Jimmy der Groschen gefallen. Nachdem ich lange nicht länger als drei, vier Minuten draussen bleiben konnte, war es für ihn von einem Tag auf den nächsten möglich, während 15 Minuten ruhig zu bleiben. Bei meinem Reinkommen stand er zwar hinter der Türe, doch hat er weder daran gekratzt noch gewinselt oder gar gebellt. Und ab dann ging es ganz zügig, ich konnte sogar mit meinen Mann draussen sitzen und sprechen ohne dass Jimmy in sein Stress-Muster gefallen wäre. Und auch gärtnern. Beim Gärtnern allerdings musste er mich lange Zeit noch im Auge behalten. Er ist dann entweder aufs Sofa gesprungen und beim Fenstersims hochgestanden. Allerdings ruhig. Vielleicht hat mir die Hitze dieses Sommers in die Hände gespielt. Denn bevor es so heiss wurde hatten wir Jimmy während wir draussen assen bei uns auf einer Decke (er darf nur dort sitzen, ich möchte kein Leinengewickel um Tisch und Stühle; das hat er sehr schnell kapiert). Dann eben wurde es warm und er hatte keine Lust, mit uns draussen zu sein. So haben wir ihn drinnen gelassen. Erst war ich skeptisch, hatte damit gerechnet, dass er nach ein paar Minuten winselt oder an der Türe kratzt. Das hat er aber nicht gemacht, er lag, als wir dann draussen fertig waren, total entspannt da.


    Ich hoffe jetzt, dass es nicht nur an den heissen Temperaturen lag (die mag er gar nicht) sondern dass er generell gelernt hat, dass es ok ist wenn ich draussen bin und er drinnen bleiben muss.


    Auch drinnen läuft er mir nicht mehr auf Schritt und Tritt hinterher. Da merke ich aber, dass ich nach wie vor konsequent sein muss und ihn jedes Mal, wenn er mir ins obere Stockwerk oder in ein anderes Zimmer folgt, raus, resp. runter schicken muss.


    Einen Rückschritt allerdings haben wir zu verbuchen: das Anspringen wenn ich heimkomme. Von einem Tag auf den anderen hat er wieder damit angefangen. Ich kann ihm noch so konsequent meinen Rücken zudrehen, er macht fast "die Schraube" wenn er mich sieht, er hat mir auch schon ein Oberteil zerrissen, also das finde ich echt lästig. Er macht das hauptsächlich bei mir, manchmal auch bei der ältesten Tochter und meinem Mann. Einmal hatte ich eine leere PET-Flasche in der Hand und weil mich diese Anspringerei in diesem Moment so genervt hatte, habe ich ihm diese Flasche auf den Kopf geschlagen (ja, ich bin mir bewusst, das war Gewalt; die, die Steine werfen wollen mögen jetzt welche werfen) - ihn hat es nicht im geringsten gekümmert. Falls jemand hierfür Tipps hat, ich wäre sehr dankbar.


    So, das wär's für den Moment von uns. Euch allen einen schönen Tag und liebe Grüsse

  • Hallo!

    Zunächst mal hab ich deine Einträge hier voller Neugier gelesen. Merci für diesen Einblick!


    Ich denke ja, ihr habt einen völlig normalen tollen Hund, der hier und da noch unangepasstest und damit für euch problematisches Verhalten zeigt. Das sieht man ja an den tollen Veränderungen bei euch.

    Zum Anspringen (bzw. Dagegen) fallen mir jetzt nur drei Details ein. Einen richtig guten Trainingsaufbau kann ich nicht bieten:

    1. es müsste eine Zweitperson mit Hundi im haus bleiben und ihn beruhigen, wenn du hereinkommst. Allenfalls sogar anleinen. So kann man nach und nach das anspringen vermeiden.

    Ich habe so mejnem Tibby abgewöhnt, Besucher anzuspringen.

    Wie gut das jetzt geht, wenn es ums eigene Frauchen geht???

    2. das mit dem Wegdrehen etc. ist garantiert der richtige Weg. Alternativ könnte man bei einem robusten Junghund in dem moment, in dem er an dir hochspringt, forsch auf ihn zugehen. Dann wird hundi quasi zum Rückwärtslaufen genötigt. Mag Hundi oft gaaar nicht. Oder es gibt eine Rolle rückwärts. Im schlimmsten Fall empfindet Hundi dies als dogdance und hat seine Freude...

    Ich weiss aber nicht, wie dein Hund in unerwarteten Situationen reagiert. Ist halt auch eher schon eine körperliche Intervention, was bekanntlich nicht jeder schätzt.


    3: ganz banal solltest du eventuell in der Trainingsphase ein zur aufgabe passendes kleidungsstück an der Eingangstür deponieren und vor jedem eintreten anlegen. Dann wird die Übung weniger kostspielig...


    Zur Wasserflasche.

    Ach herrje. 49 Jahre lebe ich jetzt mit kurzen Pausen mit Hunden zusammen.

    Und irgendjemand würde mir glauben, wenn ich behaupten würde, ich hätte in dieser Zeit niemals eine Handlung vollzogen, die schlecht war???

    Ich glaube dies KEINEM Menschen.

    Also abhaken. Hundi hat das schon längst getan.

    Aber soeben kommt mir Idee 4:

    Rütters berühmte Sprühflasche oder Spritzpistole wird ja seit Jahren kontrovers diskutiert.

    Ich halte mich da meist raus, wende die Methode aber immer wieder mal an, wenn ich eine Situation schnell und effektiv unangenehm werden lassen will. Vielleicht ginge das hier auch? Wenn du den Miment erwischt, wo Hundi anlauf nimmt? Hab ich aber in diesem zusammenhang noch nie gemacht. Da muss man vermutlich sehr exakt und schnell sein.

  • Da muss man vermutlich sehr exakt und schnell sein.

    Nicht nur vermutlich, sondern ganz sicher. Wie immer, wenn man positive Bestrafung anwendet ;-)


    Es kann auch helfen, dem Hund beim Hochspringen ein Alternativverhalten anzubieten, je nachdem, warum er anspringt (Spürt sich einfach nicht mehr vor Freude? Oder doch Kontrolle seines Menschen?). Mairin hat sich da als Junghund einfach kaum mehr gekannt. Ich hab konsequent und geduldig ein Sitz von ihr verlangt. Anfangs dann sehr schnell mit Aufmerksamkeit und Streicheln belohnt, das dann immer länger rausgezögert. Relativ bald hat sie dann angefangen, sich hinzusetzen und zu warten, bis ich zB Einkäufe abgeladen oder Schuhe ausgezogen habe. Dann gabs Begrüssung (durchaus auch mal überschwänglich von meiner Seite). Irgendwann hat sich die Situation dann total entspannt und die aufgeregte Begrüssung hat sich komplett beruhigt.


    Ein Alternativverhalten kann Hunden helfen, in einer für sie stressigen Situation (auch, wenns freudiger Stress ist) bei sich zu bleiben. Oft wissen sie ja einfach überhaupt nicht, was sie denn sonst tun sollen. Mit Bestrafung des Fehlverhaltens ohne Angebot von Alternativverhalten kann man je nachdem den Stress massiv verstärken. Selbst wenn du also mit Wasserflasche arbeiten möchtest, biete dem Hund auf jeden Fall ein erwünschtes Alternativverhalten an und belohne dieses! Wichtig ist, dass das Alternativverhalten (zB Hinsetzen) etwas ist, was der Hund sicher beherrscht, zum Beispiel ein beigebrachtes Kommando, in dem er sich wohl fühlt (wie bei Mairin damals Sitz). Und auch wenn du dich abwendest und vom Hund ein erwünschtes Verhalten kommt, dieses sofort belohnen (verbal, mit Aufmerksamkeit, mit Streichel..).

    It's a dog's inalienable right to get dirty.

  • Danke für euere Antworten.

    Spritzpistole und Co. ... Na weiss nicht. Das mit dem "Sitz" habe ich vor ein paar Tagen eingeführt, war so eine spontane Handlung, einfach weil ich ihn mir vom Leib habe halten wollen. Hat sehr gut geklappt. Das werde ich jetzt mal eine Weile durchziehen. Hatte heute den Eindruck, er hat schon kapiert was von ihm erwartet wurde, ohne dass ich etwas sagen musste hat er sich hingesetzt.

    Danke nochmals - werde euch auf dem Laufenden halten!

  • Wie gesagt, ich werde niemals ohne genaue Kenntnis einer Situation ernsthaft dazu Stellung beziehen.

    Anne kann das für miderne Hündeler viel besser ausdrücken als ich.

    Ich bin da etwas altmodisch und verknüpfe mit dem „Bestrafen“ nichts Negatives. Weil ich die Konzepte des Strafens und Belohnens einfach als Gegenpole sehe und nicht moralisch unterschiedlich bewerte. Deshalb habe ich selbst diese Begriffe nie verwendet sondern immer nur von Konsequenz gesprochen.

    Schlimm für Skinner, aber Alltag im Strafvollzug und im Heimalltag für mich.

    Bisher waren meine Hunde entweder immer Streber ohne Probleme oder aber absolute Problemhunde. Da gelten womöglich andere Regeln.

    Ich habe ja meine Ahnung, wie dein Erfolgsdruck ist.