Ein Junghund entdeckt die Welt und nimmt alles in die Schnauze

  • Der Befehl "aus" funktioniert selten

    Was heisst "der Befehl"? Ihr habt den Hund seit ein paar Tagen. Er kann nur das, was ihr mit ihm aufgebaut und trainiert habt. Von Befehlen kann da ebenso wenig wie von Gehorchen die Rede sein. Worte haben für den Hund keine Bedeutung, bis Du ihnen eine gibst (=> Konditionierung).


    Auch Eure verschiedenen Trainingsvarianten dafür üben wir heute Nachmittag gleich mal.

    Das solltest Du sein lassen. VERSCHIEDENE Trainingsmethoden bringen nichts. Mach Dir erst Gedanken zu Deiner Philosophie, dann wähle die dazu passende, Erfolg versprechende Idee aus, und dann zieh diese durch. Sorgfältig, Schritt für Schritt aufbauend.


    sagte ganz streng "meins", sie erschrak und traute sich nicht mehr

    Das zum Beispiel ist eine Grundsatzfrage. Ich will meinen Hund NIE erschrecken, bedrohen oder Ähnliches. Er soll Vertrauen zu mir haben, in jeder Situation nur Gutes von mir erwarten - erschrecken und ähnliches passt da nicht rein!


    Schlepp bringt ja nichts. Auch wenn man sie einholt, sie gibts nicht raus. Ihre Schnauze ist verriegelt und da bleibt sie konzequent stur. Das bringt niemand auf :sad: Hier Beweisfoto: Habens zuerst mit Leckerlis probiert, die konnte man sogar auf die Schnauze legen, sie stand einfach nur da. Schnauze aufreissen ging auch nicht. Die biss einfach stark zusammen...

    Die Schleppi wäre dazu da, sie am Aufnehmen zu hindern. Und ansonsten tut sie halt das, was sie gelernt hat und was Erfolg verspricht: Schnauze verriegeln. Wenn Du ein anderes Verhalten haben willst, musst Du das verknüpfen, trainieren und entsprechend bestätigen. Wenn Du eine Tausendernote in der Hand hältst, gibst Du die auch nicht für einen Kieselstein her...


    Danke für's Einstellen, Magi - das ist die absolut genialste Methode, welche ich je gesehen habe. Unbedingt empfehlenswert! Nicht nur für Hunde, die den Kiefer verriegeln oder wegrennen - auch als Erstaufbau. Das funktioniert hervorragend. Wer es mit dem Aus schon verkackt hat, sollte dafür aber unbedingt ein neues Hörzeichen nehmen.

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  • Magi - Vielen Dank; die Methode finde ich auch klass (obwohl ich leider Englisch-Sprachlegasthenikerin bin:peinlich:) .


    Bei mir ist es aber einfacher Elia das Maul aufzumachen und die Sache rauszuholen (letzthin ein Wurst mit Ring!). Bei ihr sind einfach die Grillplätze gefährlich, sonst nimmt sie viel weniger als früher etwas von Boden auf. Ich verwende auch "nein", aber eben manchmal ist sie schneller. Und die Angst, dass sie was giftig zu sich nimmt bleibt immer vorhanden.


    Sie fängt auch Mäuse, bringt sie mir aber auf die Füsse, glücklicherweise meist schon tote. Ausser eben Salami mit Ringli, bringt sie mir fast alles was sie findet. In Jura, letztes Jahr war es allerlei von Knochen (wie Suppenknochen). Was die überhaupt mitten im Wald zu suchen hatten, verstehe ich nicht, aber das ist ein anderes Kapitel.


    Sileco - Das Bild ist einfach toll :spass2:

    Du solltest es in der "Tierwelt" veröffentlichen!

  • meine Hunde können vielleicht nicht so viel wie andere, keine 100 Tricks und Kalani kann noch nicht mal springen, er hasst es einfach, aber aus! kann und muss nun wirklich jeder lernen und zwar zuverlässig. Da würd ich echt auch nochmals über die Bücher.

    herzliche grüsse conny, jendayi und kalani mit nastassja und dawn im herzen

  • Wenn ein Hund bei einem Knochen mal nicht sofort auf ,,Aus,, auch ,,Aus,, macht... OK. Ist ja auch lecker...

    Aber allermindestens sollte man dem Hund es mechanisch wegnehmen können, da würde ich auch kein Spass verstehen:angry2:.


    Ich brauche aber das ,,Aus,, möglichst nur, wenn ich sehe, der Hund hat es noch nicht runtergeschluckt, sonst bringt es ja nichts. Wobei Flaffy auch schon ein Stück Käse förmlich raufwürgte.:brav0::hihi: (komischerweise gibt sie so ,,Menschenessen,, sehr gut aus, aber Kacke ist oft schwerer da es geleckt wird)

    Aber habe ich Chance das ganze Stück oder ein Rest (bei pampigen Sachen zum Auflecken) zu kriegen, dann kommt ein sehr strenges ,,Aus,, und wenn es nicht sofort rausgeflogen kommt, dann gibt es Ärger.


    Ein ,,Aus,, ist bei mir auch nicht positiv trainiert worden, sondern neg. Dazu stehe ich, habe genug andere Kommandos die pos. verknüpft worden sind wie ,,siii laaa,, oder so.


    Heisst aber nicht, dass meine Hundis nie was aufnehmen, grad Flaffy frass früher viel.

    Seit ich mir nicht mehr sooo ein krassen Stress draus mache, gehts besser. Sie hat nur noch Phasen (fast nach Jahreszeit:gruebel1:) wo sie so Kacke frisst von irgendwelchem Getier. Sehe ich es früh genug, kommt auch ein ,,Aus,, wobei ich ja dann nur ein Teilerfolg habe, weil die Kacke oft so Pampe sind und sie es eher aufleckt, also ein Teil ist dann sowieso schon weg.


    Sorgen ob es vergiftet ist.... zu 99% nicht. Nur wenn es in Nähe von Robidogs oder so ist, dann denke ich eher mal, was das wohl war.

    Oder wenn sie es ausspuckte und es komisch aussieht (hatte mal so wie ein komisches Fettstück dann vor mir), dann nehme ich es und drücke es auseinander um zu sehen was es ist oder ob was drinnen versteckt ist.

    Sonst macht man sich ja total verrückt :noidea:


    Bei Mäuse sage ich mehr so schlapp ,,ihhhhh,, und laufe weiter. Sie läuft mit Maus mir nach oder springt mal vorbei, knallt es auf den Boden, wirft es mal durch die Luft, dann sage ich nur so ,,Ihhhh, lass es liegen,, und dann nach 20m lässt sie es sowieso liegen. Sie fressen Mäuse nieee. Selbst wenn sie Zeit haben im Garten oder so, dann spielen sie etwas länger damit und lassen es dann liegen.

    Es ist mir nur etwas peinlich wenn gerade Fussgänger kommen und sie mit einer Maus daher kommt:peinlich::pfeifen:

    Gab dann aber schon Leute, die sagten, dass der Hund die Maus niemals aus gibt. ich so ,,sicher,, und sagte ,,Aus,, und Maus flog aus dem Maul.

    Aber warum soll ich so ein Stress machen bei einer Maus, sie ist schon tot und dann lasse ich es ihr halt die 20m zum Spielen. :zwinker:

  • Das sehe ich gerade ganz anders als du inhii

    bei mir wird das Aus immer sehr positiv aufgebaut, so kann ich eben, auch nach einem hysterischen "AUS" immer noch zu Marvel hin ohne das er denkt er müsse sich nun beeilen und das weite suchen sonst gibts ja mächtig ärger.

    Es gibt schon auch tabus und ich komm nicht mit einer Handvoll Kekse gerannt wenn er mal wieder direkt vom Rebstock Trauben klauen möchte, dann gibts aber ein Nein und Verbot. Grundsätzlich ist aber "Spuck" (er solls auf den Bode spucken, da wo er gerade ist) und "AUS" (er solls eigentlich in meine nähe Bringen aber dank anderen Personen die es jeweils verwechseln, klappt das leider nicht mehr so gut..) sehr positiv aufgebaut. Er darf durchaus nach einem Spuck oder Aus dinge jeweils wieder nehmen wenn sie legitim sind. So sag ich auch mal eines von beidem bei Plüschtieren, Äpfel oder Bällchen.


    Denn als ich bei Zelda, das ganze als Tabu aufgebaut habe mit Druck, ja da lernte der Beagle einfach Dinge am Stück runter zu schlucken .

    Schneller von mir weg zu kommen oder wie bei Cora den Kiefer zu sperren. Und da mir dies mal passierte, als Zelda an einem Bahnhof ein Brötchen das in Alufolie eingewickelt war fand und sie es dann hysterisch mit Alufolie essen wollte. Wusste ich, so komme ich nicht weiter.


    Was ich jeweils auch "bestrafe" ist wenn sie gezielt suchen und nach essen stöbern oder ich genau merke, jetzt haben sie etwas in der Nase. Dann kommt auch kein "Spuck" sondern ein scharfes Nein und danach beim Abwenden aber doch auch eine gute Belohnung.


    Marvel war zu beginn einer, der alles, wirklich alles in die Schnauze nahm und auf jedes kleinste Objekt was von der Wiese oder vom Boden sich abhebte drauf stürzte. Jetzt lässt er so gut wie alles bleiben ausser Äpfel. Oder wenn Zelda ihm blödsinn zeigt :rolleyes::rolleyes:

  • Kleiner Statusbericht vom Neuling:


    Auf meine Fragen kam nun wirklich enorm viel zusammen, besten Dank!


    Theorie ist ja gut und recht, strukturierter Aufbau nach Schema F, Konditionierung, Konsequenz etc. Aber ich kann ja Lenny nicht wochenlang einsperren bis die wichtigsten Kommandos sitzen (Sorry, das Unwort Befehl nehme ich nicht mehr in den Mund Helene :)). Training und parallel dazu praktische Erfahrung im Garten sammeln muss doch unter einen Hut gebracht werden können, alles andere erscheint mir weltfremd, oder täusche ich mich? Klar übe ich nach Schema F die Kommandos nach Prioritäten in einer ruhigen Umgebung, bin auch am Suchen einer passenden Hundeschule. Aber was ist, wenn im Garten eine Situation kommt, die ein Kommando erfordert, wo noch nicht alle Stufen zur Erkenntnis erklommen wurden? Soll ich dann schweigen bis die praktische Prüfung mit einer 6 bestanden ist? Ist das praktikabel?


    Mein Anfängergefühl sagt nein. Es ist ein ständiges Abwägen, Reaktion des Hundes überprüfen, wie weit kann ich gehen, wie weit muss ich gehen da Gefahr droht....


    Man kann noch so viel lesen und sich vorbereiten. Die Praxis sieht immer anders aus. Vieles was ihr schreibt und was ich schon früher an anderen Orten oder Büchern gelesen habe, verstehe ich erst jetzt so richtig, nachdem ich sehe, wie Lenny tatsächlich reagiert und wie wir zusammen funktionieren. Manches geht besser als in der Theorie beschrieben und anderes braucht noch viel Training.


    Das ist meine erste Erfahrung....

  • Das hast du wirklich schön geschrieben Lenny :)


    und ich bin da voll deiner Meinung, du klingst für mich wie ein gutherziger Mensch und gibts dir Mühe um deinen kleinen auf die grosse Welt vorzuberieten. Ich kann auch nur sagen gewisse Sachen wird man nicht im Garten lernen können und ich finde man soll ruhig auch mal trainieren wo es ablenkung gibt. Durotan ist auch mein erster Hund und ich trainiere mit ihm so, wie mein Gefühl sagt das es richtig ist, picke mir das von der HUSchu raus wo ich für mich sehr interessant und nötig finde und den Rest lass ich aus. Ich bin jetzt auch nicht schlecht gefahren wenn ich auf meinen Bauch höre also vertrau dir und pick dir das raus was DIR wichtig ist und was deine Vorstellungen sind wie Lenny ungefähr trainiert sein sollte :)

  • Wenn ein Hund ein Kommando nicht kennt und kann, dann reagiere ich einfach.

    Sprich dem Welpen habe ich in meinem Fall nicht "Spuck-spuck-spuck" angeschrien sondern ihn einfach am Halsband gehalten und das eklige aus dem Mund gefriemelt und ihn danach fürs Dulden von meinem Eingriff kurz belohnt (er mag nähe, deswegen mit nettem Körperkontakt)


    Kann mein Hund kein Fuss, sag ich ihm nicht Fuss sondern nehme die Leine einfach wortlos Kurz und lobe das richtige Verhalten und ignoriere wenn er rumhüpft und mehr möchte. Das ist dann einfach Management.

  • @ Lenny: Ich finde ihr macht das gut. :nicken:


    Es sind alles gute Inputs, aber es braucht Zeit und gemachte Erfahrungen. Es ist immerhin euer erster Hund und erst mit dem Erleben kommen die Aha-Erlebnisse, das Erkennen und Verstehen der Theorie in der Praxis und dann irgendwann auch mal sowas wie Routine. Einfach dranbleiben, Schritt für Schritt, Tag für Tag. :good:


    And when the time comes, remember that dogs never die. They are sleeping in your heart.


  • Ich bin ja nun mittlerweile aus den Anfängen des Ersthundehalterdaseins heraus gewachsen und kann rückblickend schon einiges erkennen, was sinnvoller gewesen wäre in Sachen Aufbau und Philosophie. Aber das sind die Tücken des Anfangs und ja, da gebe ich Lenny vollkommen recht, alle Theorie wird doch irgendwann recht grau, wenn es in die Praxis geht. Mein Hund ist mittlerweile 4jährig, ich hab ihn seit Welpe und ich komme langsam in eine Struktur, die "verhebe" könnte. Ich denke jetzt nicht, dass ich alles falsch gemacht hab, aber ich habe definitiv beim nächsten Hund mehr Struktur und Wissen um das Ziel als eben beim Ersthund. Der Ersthund kann in der Tat ein bisschen gebeutelt sein mit Richtungswechseln und Aenderungen der Trainingsphilosphie. Die darauffolgenden profitieren mit Sicherheit davon. Unter dem Strich denke ich jetzt nicht, dass mein Hund ein Trauma davon getragen hat und ich werde ihm ewig dankbar sein für sein Engagement, mich zu einem besseren HH zu machen .... <3


    Und noch zum Thema: ich habe das sein lassen von Dingen mit "pssschhht" kommentiert und beim eben sein lassen direkt mit ganz viel Lob und Goodie belohnt. Wenn dann doch mal was im Fang gelandet ist, hab ichs beherzt raus genommen, das mach ich heute noch so. Das Kommando "Aus" kennt Yorik zwar, aber es ist tatsächlich nicht so wahnsinnig konsequent aufgebaut. Ausserdem hat er mit seinem sehr starken Beutetrieb sehr viel Mühe, etwas wieder herzugeben. Das ist eine Baustelle, die ich auch noch verbessern sollte. Obwohl ... heute morgen hat er das Brotstück beim Ententeich auf "Aus" tatsächlich wieder ausgespuckt. Ob sich das aber bei Wurst oder Käse gleich verhalten würde, wage ich stark zu bezweifeln.

    Das "pssschhht" funktioniert sehr zuverlässig, nicht nur beim Zeugs vom Boden fressen wollen sondern auch beim markieren wollen an Stellen, wo er nicht soll. Er weiss also, dass er auf "psssschhhht" das, was er grad tun will, tunlichst lassen soll.

  • @ Helene: Lady ist extrem sensibel und als Welpe/Junghund war das ganz krass! Selbst heute noch, obwohl inzwischen Seniorin, reicht es schon, wenn jemand überlaut redet... sie zieht dann den Schwanz ein und kommt sofort zu mir gelaufen, weil sie das erschreckt. Ansonsten ist sie rotzfrech und selbstbewusst! Und sie wird von uns ganz sicher nicht angeschrien!!! Auch wenn jemand übermässig mit den Händen fuchtelt, findet sie das "gruslig" und erschreckend... Kurzum, mein Hund erschreckt sich rasend schnell. Dass sie erschrickt, nur weil ich ein wenig streng damals etwas zu ihr gesagt habe, wusste ich anfangs auch nicht - jeder Hund reagiert anders.

  • Ein ,,Aus,, ist bei mir auch nicht positiv trainiert worden, sondern neg. Dazu stehe ich

    Es geht nicht darum, ob Du dazu stehst, sondern ob es funktioniert.

    Heisst aber nicht, dass meine Hundis nie was aufnehmen, grad Flaffy frass früher viel.

    Seit ich mir nicht mehr sooo ein krassen Stress draus mache, gehts besser.

    ...und Du hast es ja selbst gemerkt - negativ funktioniert nicht, stressfrei geht's schon besser!


    Aber warum soll ich so ein Stress machen bei einer Maus, sie ist schon tot

    Leptospirose. Mäuse sind verhältnismässig häufig Träger, darum will ich nicht, dass meine sowas rumschleppt. Aber eben: Auch keinen Stress machen, sondern ein sauber trainiertes Aus verfügbar haben.


    so kann ich eben, auch nach einem hysterischen "AUS" immer noch zu Marvel hin ohne das er denkt er müsse sich nun beeilen und das weite suchen sonst gibts ja mächtig ärger.

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt, finde ich. Mein erster Hund hatte gelernt, wenn er sich etwas geschnappt hat, damit wegzurennen und es möglichst schnell zu fressen, bevor ich da bin. Das wollte ich NIE WIEDER. Bei meinem aktuellen Hund schaue ich lieber mal schulterzuckend zu, wie sie etwas Unappetitliches frisst, als mir mein Aus kaputt zu machen.


    (...während ich diese Antwort tippe, kommt die Katze rein. Hund schnappt ihr die frisch erbeutete Maus weg und tanzt damit herum. Ich gehe zum Tupper mit den geschnittenen Omeletten-Resten, nehme eine Handvoll davon heraus, sage "aus" und werfe die Gudis auf den Boden. Die Maus fällt aus dem Maul, Hund verschlingt Gudis. Dass ich dann zu langsam bin, um die Maus wegzuräumen, weil ich erst ein Säcklein holen wollte, um sie nicht mit der nackten Hand berühren zu müssen, ist eine andere Geschichte... :psst: Übrigens eine, die ich nicht mal kommentiert habe - zu spät ist zu spät.)

    Das Kommando "Aus" kennt Yorik zwar, aber es ist tatsächlich nicht so wahnsinnig konsequent aufgebaut. Ausserdem hat er mit seinem sehr starken Beutetrieb sehr viel Mühe, etwas wieder herzugeben.

    Der Aufbau und die Mühe hängen zusammen. Bei positiver Konditionierung verknüpft der Hund es mit angenehmen Gefühlen, etwas herzugeben - das macht es gerade einem beuteorientierten Hund dann wesentlich einfacher. Das kannst Du nachholen - neue Methode, neues Hörzeichen. Nebst dem Ansatz aus dem Video da oben empfehle ich für solche Hunde, oft das Spiel mit "Aus" zu unterbrechen und auf das saubere Auslassen hin gleich weiterzuspielen als Belohnung.


    Kurzum, mein Hund erschreckt sich rasend schnell. Dass sie erschrickt, nur weil ich ein wenig streng damals etwas zu ihr gesagt habe, wusste ich anfangs auch nicht - jeder Hund reagiert anders.

    Na ja, Du hast einen Pyri - Nervenstärke gehört nicht zu ihren guten Eigenschaften. Du hast das (genetische) Problem mit Deiner Methode dann höchstwahrscheinlich noch verstärkt, anstatt es mit entsprechender Konditionierung und Führung zu entschärfen. Shit happens, aber das sollte man dann keinesfalls anderen zur Wiederholung empfehlen.


    Theorie ist ja gut und recht, strukturierter Aufbau nach Schema F, Konditionierung, Konsequenz etc.

    Theorie ist die Grundlage, nach der Du handelst. Die Theorie gibt Dir gute Handlungsmöglichkeiten, die Dir dann die Praxis vereinfachen.

    Aber was ist, wenn im Garten eine Situation kommt, die ein Kommando erfordert, wo noch nicht alle Stufen zur Erkenntnis erklommen wurden? Soll ich dann schweigen bis die praktische Prüfung mit einer 6 bestanden ist? Ist das praktikabel?

    Du hast drei Möglichkeiten.

    - Vorbeugen

    - Managen

    - Trainieren


    Und ja, im Zweifelsfall schweigst Du - siehe meine Mäusegeschichte von eben. Ja, das ist praktikabel. Damit macht der Hund vielleicht mal etwas, was Du eigentlich nicht willst - aber Du machst Dir wenigstens nichts kaputt (Trainingserfolge, Vertrauen oder Beziehung stehen da durchaus auf dem Spiel!).


    Vorbeugen heisst: Gestalte die Umgebung und die Situation so, dass der Hund keinen Mist machen kann, den ihr noch nicht bewältigen könnt. Z.B. Dinge wegräumen (im Garten geht das recht gut), den Hund sichern (lange Leine drauf), Raum geben (Schwieriges in grossem Abstand umgehen).


    Managen heisst, die aktuelle (vielleicht doofe) Situation bewältigen. Lerneffekt wird es dabei keinen geben, aber: Du machst nichts kaputt. Z.B. den Hund an der Parfait-Tube schleckend an etwas vorbeiführen, den Hund an die Leine nehmen, wo er sonst abhauen würde, statt einer problematischen Hundebegegnung Deinen Hund im (sicheren) Sitz verharren lassen.


    Trainieren heisst, das gewünschte Verhalten zu ermöglichen, zu formen und zu üben. Hier schaffst Du Situationen mit Lerneffekt. Hunde lernen, was sich lohnt - also muss sich das gewünschte Verhalten lohnen. Zuerst machst Du es ganz einfach, später steigerst Du die Anforderungen, aber es muss sich immer lohnen. Z.B. Aus üben mit nicht so feinen Sachen - auf den Boden fallen gaaaaaaanz feine Gudis. Abruf von etwas Langweiligem üben - bei Dir wird es dann gaaaaaanz spannend mit seinem Lieblingsspiel. Absitzen wenn Menschen kommen - als Belohnung darf man dann hingehen.


    Aber ich kann ja Lenny nicht wochenlang einsperren bis die wichtigsten Kommandos sitzen (Sorry, das Unwort Befehl nehme ich nicht mehr in den Mund Helene :) ).

    Ich versuche das nochmals zu erklären. Befehl oder Kommando heisst, A befiehlt etwas, B muss gehorchen. Das setzt voraus, dass B versteht, was er tun muss. So funktioniert das aber nicht, schon gar nicht mit einem Junghund!


    Lernen - übrigens nicht nur bei Hunden, sondern bei allen Lebewesen - funktioniert über Verknüpfungen. Wenn ich auf die heisse Kochplatte patsche, tut es weh. Kochplatte = aua ist eine Verknüpfung. Eine, die zukünftig dazu führt, dass wir möglichst nicht mehr auf die Kochplatte patschen. Also eine negative.


    Viel besser und nachhaltiger sind positive Verknüpfungen. Mit dem Menschen spielen macht Spass (idealerweise beiden). Verknüpfung: Mensch = Spass. Diese führt dazu, dass sich der Hund gerne beim Menschen aufhält und sich mit ihm beschäftigt (und so z.B. abrufbar wird). Oder: Wenn mein Name erklingt, gibt es beim Menschen etwas Superfeines. Verknüpfung: Name = Aufmerksamkeit zum Menschen hin.


    Verknüpfen kann man Reize mit einem anderen Reiz, Reize mit einem Verhalten, oder - was leider oft vergessen geht - Reize mit Gefühlen. Gerade letzteres ist beim Thema "Aus" sehr wichtig - das Hörzeichen sollte positive Gefühle ("gleich fallen feine Gutzi auf den Boden, die mir mein Mensch aufzusammeln hilft!") auslösen und nicht negative ("gleich kommt mein Mensch wütend brüllend angerannt und kneift mich in die Mundwinkel!").


    wie mein Gefühl sagt das es richtig ist, picke mir das von der HUSchu raus wo ich für mich sehr interessant und nötig finde und den Rest lass ich aus.

    Gefühl (oder sagen wir gesunder Menschenverstand) ist grundsätzlich ein sehr guter Leitstrahl. Problematisch daran ist, dass wir oft erworbenes "Wissen" als Gefühl wahrnehmen (...mein Grossvater hat seinen Hund so erzogen, also war das bestimmt richtig). Und gerade punkto Hundeausbildung hat sich in den letzten 100 Jahren die Welt mehrmals gedreht.


    Insofern ist die Frage: Wie gut ist Deine Hundeschule? Wenn sie super ist, sollest Du wirklich tun, was die sagen. Sonst riskierst Du nämlich, Deine Lernerfolge selber zu sabotieren. Wenn die z.B. einen sorgfältigen stufenweisen Aufbau des Abrufs planen, und Du überspringst drei Schritte (nach "Gefühl", weil Opa ja auch nur den Namen gebrüllt und dann dem Hund die Seite geklopft hat), wird das nicht funktionieren.


    Wenn Du eine doofe Hundeschule ohne vernünftiges Konzept hast oder es eher um die Auswahl der Lernthemen geht (Leine laufen üben wir, Apportieren lassen wir weg), nehme ich natürlich alles zurück. :zwinker:

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  • Danke Helene, das werde ich so berücksichtigen.

    Das AUS geht im einfachen Training schon gut. Er lernt auch langsam die verbotenen Dinge zu ignorieren (NEIN). Steine lässt er schon ganz weg und beim Mulch wird es auch schon besser. Dort versuche ich gleich den Tausch mit einem Gudi zu erzielen, wenns klappt kommt das Kommando AUS, wenn nicht nehm ich es ihm nun kommentarlos raus. - Ich hoffe wir können den Fehler noch korrigieren. - Übung macht den Meister....

  • Hat er Alternativen, die er ins Maul nehmen darf? Ideal wäre: Viel Erlaubtes, wenig Verbotenes. Mein Welpe hatte die erste Zeit massenhaft Spielzeug zur Verfügung, das überall herumlag - damit nicht alles verboten war (Tischbeine, Stuhlbeine, Teppich, Sofa, Kabel...) sondern fast alles erlaubt (Kong, Gitterball, Biber, Schlange, Tiger, Elefant, GrumpyCat, Plüschknochen, Büffelhautknochen, Seilknoten, Petflasche, Rüebli, Apfel, Kauwurzel, Fussball und 77 andere Dinge). Damit erhöht sich schon mal rein rechnerisch die Chance, dass sich der Hund mit etwas Erlaubtem beschäftigt.

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  • Loki hat als Welpli auch alles ins Maul genommen und wollte es gleich verschlucken.

    Wir haben auch lange gebraucht, weil er dann auch mal eine Phase hatte wo er es auflas und dann damit Wegrannte vor mir vor allem die heiss begehrten Pferdeäppel :biggrin:

    Bei Loki hab ich's dann auch mit einem "Negativen" Erlebnis weggebracht, 1 mal hat gereicht und er tat es ab dann nie mehr.

    Und Loki hat auch keinen Schaden davon getragen weil ich das jetzt nicht mit positiver Verstärkung aufgebaut habe....


    Ich denke es kommt auf den Hund individuell drauf an, wie man es macht und jeder weiss am Schluss am Besten was sein Hund "aushält" und was zu viel ist oder zu viel war.

    Man muss da halt auch ein wenig probieren, was funktioniert und was nicht. Nur weil das einte bei Hund Nr.1 klappt muss das bei Hund Nr. 2 nicht so sein.

  • Helene


    Doch das ,,Aus,, funktioniert:good: (sie würgt sogar Käse hoch usw.), sofern ich es sage...

    Ich lerne ja nur das ,,Ausgeben,, und nicht das ,,nichts fressen,, das sind 2 paar Schuhe.

    Und wenn ich halt zu spät bin, es nicht sehe und der Hund ein Happen Kacke schon runtergeschluckt hat, dann muss ich mich nicht aufregen und noch ,,Aus,, schreien, da es nichts nützt... und solche Fälle nehme ich lockerer.


    Und ich habe mich wohl etwas zu krass ausgedrückt.


    Aus in dem Sinne ist Negativ weil ich da sehr negativ reagiere, aber befolgen sie das ,,Aus,, gibt es bei mir Belohnung, oder wenns nur ein Wurzelstück war, dürfen sie auf eine Freigabe es auch wieder haben... aber dachte das sei normal und muss nicht erklärt werden... :noidea:

    Oder was versteht ihr unter neg. aufgebaut?

    Ich schlagen im ja nicht eins über den Kopf und sage zeitgleich ,,Aus,, :nönö:


    Es heisst nur, dass wenn das Kommando nicht sofort erfolgt, es wirklich totalen Ärger gibt. Dann bedränge ich mein Hund, blockiere mit Leine, und wenn es dann nicht rausfliegt, dann packe ich sie, Maul auf und raus damit, dann bin ich auch sicher nicht mehr nett zum Hund.

    Also sie hat die Chance das Kommando auszuführen.... und kriegt dann auch Lob.

    Wie bei einem Sitz, nur reagiere ich bei einem nicht ausgeführten ,,Sitz,, nicht in dem Stil wie bei einem nicht ausgeführten ,,Aus,,.


    Man kann auch sagen, zwar pos. aufgebaut aber mit krasser ,,Strafe,, wenn nicht ausgeführt.



    Aber mir käme wirklich nicht in den Sinn zuerst Futter zu holen, dann ,,Aus,, zu sagen und dann Futter zu schmeissen. :nönö:



    Das andere mit den Mäusen:

    Da kann es jeder selber machen wie er will, ob er das Risiko eingehen will.

    Weil sonst düften Hunde gar nichts mehr, nicht mal über Felder laufen, könnten ja frisch gespritzt/gedüngt sein. :pfeifen::zwinker:

  • Negativ aufgebaut: Hund denkt beim Kommando "wenn ich es nicht befolge, gibt es ärger"

    Positiv aufgebaut: Hund denkt beim Kommando "wenn ich es befolge, passiert was tolles"