Wann soll der Hund erlöst werden?

  • Ich weiss nicht, ob bereits ein Thema dazu eröffnet wurde. Falls ja, bitte verschieben.


    Selber musste ich / wir diese Entscheidung schon 3x treffen. Jedes mal verliess ich mich auf die Aussage vom Tierarzt. Bei Taiga erhielten wir ca. 1 Monat vorher die Diagnose, dass sie nicht mehr lange leben würde. Als sie das Essen total verweigerte, gingen wir in den Ferien zum Tierarzt, in der Hoffnung, er könnte ihr helfen. Er sagte dann, dass er für sie nichts mehr tun könne. Als er noch meinte, Taiga wäre bereit zu gehen, entschlossen wir uns, sie zu erlösen. Wir wollten nicht, dass sie qualvoll verhungern musste :cry:


    Freunde von uns haben eine Hündin, die schon seit einigen Jahren krank ist. Sie hatte mal ein sehr üppiges Fell - vergleichbar mit einem Eurasier. Dann verlor sie ganz viele Haare. Wenig wuchs nach, doch sie sieht aus wie ein gerupftes Huhn :(. Ich finde, sie hat einen enorm traurigen Blick. Sie geht nur noch kurz raus zum Versäubern und will dann gleich wieder zurück. Vor knapp 2.5 Jahren ist ihre Gefährtin ganz plötzlich (in den Ferien) schwer krank geworden und musste noch am Ferienort erlöst werden. Seither hat sie noch mehr abgegeben ;(.


    Was genau sie alles hat, weiss ich nicht. Vor kurzem ist sie sogar kolabiert. Ihre Besitzer meint, die Hündin wäre noch nicht bereit zu gehen. Sie hätten schon mehrmals einen Termin beim TA vereinbart, doch immer wieder abgesagt.


    Zeigt es einem der Hund, wenn er parat ist zu gehen? Ist es möglich, dass das von den Besitzern nicht erkannt wird?


    Wie oben geschrieben, waren unsere Hunde zuvor krank und wir verliessen uns auf die Aussage und Beweise vom Tierarzt. (Röntgen, Ultraschall, Blutbild usw)


    Wart ihr auch schon in der Situation, dass ihr dachtet, jetzt muss ich meinen Hund erlösen und dieser plötzlich wieder fitter wurde?

  • Glücklicherweise musste ich noch keinen Hund erlösen lassen. Skipper starb nach einem langen, schweren Epi-Anfall. Er war danach immer einige Stunden bewusstlos, das letzte Mal ist er aber nicht mehr erwacht, sondern seine Atmung wurde langsamer, machte Pausen und setzte dann ganz aus. Da ich immer bei ihm lang und ihn hielt, bekam ich das mit ;( Und ja, er gab mir trotz Bewusstlosigkeit zu verstehen, dass er nicht mehr kämpfen mag und gehen möchte. Zumindest kamen seine Signale so bei mir an.

    Bei unseren beiden Katzen, die ich beide einschläfern lassen musste, war das ganz anders. Die eine litt an Darmkrebs und es war klar, dass sie schwer krank war und litt. Die zweite hatte Nierenprobleme, aber machte mir die Entscheidung unglaublich schwer und selbst heute, nach über einem Jahrzehnt hadere ich noch, ob ich richtig entschieden habe. Es hat mich unendlich lange verfolgt und belastet. Sie frass nicht mehr, hat sich versteckt und klar, wir haben uns alle (damals waren die Kinder noch zu Hause) von ihr verabschiedet, ich machte den Termin beim TA und am nächsten Morgen sitzt sie vor dem Napf und will fressen, frisst ihn leer und düst putzmunter im Haus herum ^^ Klar habe ich den Termin abgesagt... So ging das über ein halbes Jahr! Immer hin und her...Die Katze hat mich halb wahnsinnig gemacht, ob meine Entscheidung richtig ist oder nicht. Der TA sagte, sie habe eine stark fortgeschrittene Niereninsuffizienz (sie war 18.5 Jahre alt) und leide und es sei richtig und Zeit, sie zu erlösen. Und eben, sie zog sich immer wieder zurück, frass nicht, aber dann eben doch wieder... Nein, sie zeigte es mir nie richtig :rolleyes: Ich fand es soo schwer.

  • Ich musste bisher drei Tiere gehen lassen, ein Pferd und zwei Katzen. Beim Pferd hab ich zu schnell entschieden, bei der ersten Katze zu spät und bei der zweiten Katze hab ich gewartet auf sein ok ... obwohl er kaum mehr Luft kriegte durch seinen Tumor in der Nase, war er so wahnsinnig präsent, dass es bei mir so ankam, dass er noch überhaupt nicht gehen will. Eines Tages war er bereit, er hat seine Präsenz eingestellt, Yorik lag zum ersten Mal ganz ruhig neben ihm. Vorher war Yorik immer gestresst, wenn sich der Kater neben ihn gelegt hat. Aber auf einmal Harmonie. Es war, als hätte der König seine Krone abgegeben an seinen Nachfolger ... also liess ich ihn gehen.


    Seither weiss ich, dass man es spürt und sie es einem sagen. Ich werde immer wieder genau auf dieses Gefühl warten.


    Die ersten beiden Tiere, die ich gehen liess, da war es auch so ein Entscheid beim Tierarzt aufgrund der Diagnosen. Beim Pferd hätte ich schon noch etwas warten können, aber ich sah keine Möglichkeit, ihm ein einigermassen gutes Leben zu bieten. Damals war Boxenhaltung normal, Weide kam nicht in Frage (keine Ahnung mehr warum) und ich hatte einfach keinen anderen Plan. Heute wüsste ich, dass er mit der Diagnose durchaus noch etwas Weidepferd hätte sein können.

    Meine erste Katze hat lange schon gezeigt, das was nicht stimmt und ich habs einfach nicht richtig gedeutet. Als sie auf einmal einen enorm dicken Bauch bekam, bin ich zum TA. Man musste sie schon zum röntgen sedieren, festhalten ging überhaupt nicht. Sie war sehr schwierig diesbezüglich. Beim röntgen sah man die stark vergrösserte Leber und die TÄ meinte, operieren komme nicht mehr in Frage. Also hab ich sie gleich da einschläfern lassen und gar nicht mehr mit nach Hause genommen. Das hätte ich aber tun sollen, auch wenn sie tot gewesen wär. Der verbliebene Kater hat enorm gesucht und gelitten.

    Niemals mehr würde ich ein Tier beim TA einschläfern und die andern Tiere zu Hause lassen. Wenn immer möglich müssen sie Abschied nehmen können.

  • Bei unsrer Cairn Terrier Hündin wussten wir, dass es richtig war..


    Sie hatte seit Geburt Probleme mit ihrem Magen, musste immer wieder mal ins Spital, wenn sie etwas falsches gefressen hatte, so auch beim letzten Mal, da habe ich noch gesagt sie wird nicht mehr nach Hause kommen, ich habe es einfach gespürt.. So war es dann auch, denn die Ärzte haben noch herausgefunden, dass sie einen Tumor in der Niere hatte (mit OP noch weitere 3 Monate Leben würde) Naja ich und meine Mutter sind dann zu ihr ins Spital und als sie ins Zimmer kahm war sie einfach nicht mehr die alte, wir haben sie zu uns auf den Schoss genommen und sie wurde dann eingeschläfert. Mir hat es dazumal fast das Herz raus gerissen aber ich wusste es war die richtige Entscheidung. Ich denke noch häufig an sie und seh ihr kleines freches Gesicht vor mir<3

  • Ich habe diese Entscheidung 1mal gefällt, bei meiner Kira.
    sie hatte ja einen Tumor im Bauch.

    bei der Diagnose war sie schon fast 15ni.

    Ich hab gar nix machen lassen... nicht mal wissen was es genau ist wollt ich.
    wir hatten die Diagnose im Oktober und im Januar noch mal ein Röntgen und da hat man die Organe im
    Bauch gar nicht mer eingrenzen können. Der Tumor war fast Fussballgros und Kira konnte beim liegen immer schlechter atmen. Ihr war nicht mer wohl. schmerzen hatte sie nicht aber es war einfach wirklich unangenehm. wenn sie getrunken hat und das Wasser zu kalt war musste sie Brechen.

    Nach dem letzden Röntgen hätten wir noch Wasser ziehen lassen können um ihr leben zu verlängern, nein wollt ich nicht.

    ich habe den Termin zum einschläfern gleich gemacht und wir haben ihr noch Kortison gegeben bis dahin.
    noch ihre lieblingsplätze besucht und noch ein paar Leute informiert, die ev. abschied nehmen wollen oder sie einfach noch mal sehen.

    war für uns eine sehr intensive Woche und ich habe ein paar mal gezweifelt ob es das richtige ist so... grad weil ich ja nix hab machen/untersuchen lassen. aber ich wollte sie einfach nicht plagen.

    der Schluss war dann so, dass ich mit meinem Mami zusammen zum Tierarzt fuhren, sie ging rein und legte sich dort gleich auf die Bereitgelegte Decke und schaute uns an... der ganze Prozess verlief ohne stress und angst.
    Sie schlief friedlich ein...
    es stimmte so, für uns! Kira wurde 15 Jahre und 3 Wochen alt. :)
    ich musste aber von aussenstehenden oder hinten rum hören, dass man da noch was hätte machen lassen müssen, dass ich schnell aufgegeben hätte etc... :rolleyes:

    Kira, 20.01.2003 - 09.02.2018 für immer im <3zen

    June, 19.01.2012

    Lane, 07.05.2018


    ,,Ein Hund ist nicht "fast ein Mensch", und ich kenne keine grössere Beleidigung des Hundes, als ihn so zu bezeichnen,,

  • Das ist gemein, wenn Leute einem vor enthalten, dass man zu wenig gemacht habe.. DU hast da genau so entschieden wie es für dich stimmt und das Kira nicht leiden musste :thumbup: Übrigens unsere hiess auch Kira und wir hätten auch mehr machen können, wollten wir aber nicht die TA meinte max. weitere 3 Monate Lebenserwartung, ich habe mir nur gedacht, wieso sie das überhaupt anbietet , dass ist es doch zu 100% nicht Wert nur weil ich nicht los lassen kann..

  • betti86 boah das ist ja ganz fies || Deine Kira war 15 Jahre alt und schwerst krank und Du hast die einzig richtige Entscheidung getroffen, nämlich sie nicht unnötig leiden zu lassen :thumbup: Dass jemandem, der sein Tier liebt, so eine Entscheidung immer unbeschreiblich schwer fällt, braucht wohl niemand näher zu erklären. Das versteht sich von selbst. Aber dann noch hintenrum nachträglich zu erfahren, man hätte was machen lassen sollen, ist unverzeihlich und mies :cursing: Ich finde es mutig und tapfer sein Tier nicht leiden zu lassen, nur weil man unfähig ist loszulassen.

  • Gerade dieses Thema bedarf einfach überhaupt keiner Kommentare von aussen. Finde das auch unterste Schublade. Von aussen sieht vieles anders aus, als es der Besitzer wahrnimmt und ich finde einfach, dass ist genau nur des Besitzers Sache, diese Entscheidung zu fällen.

    Niemals nie würde ich da jemandem reinreden und noch viel weniger im Nachhinein.

  • Leider ist es doch oft so, dass Aussenstehende das Gefühl haben, sie wissen alles besser :cursing:


    Wie Claudia sagt, sieht man von aussen nicht alles. So eine Entscheidung fällt nicht leicht. Da ist es absolut pietätlos da irgendwas dagegen zu sagen!

  • Ich musste bei Nastassja und auch schon bei Katzen die Entscheidung fällen. Nastassja war zwar erst 10.5 aber halt ein Barsoi, die werden nur extrem selten älter als 12, oft erreichen sie auch nur 10 oder 11 Jahre (oder sterben wie Dawn noch jünger). Sie hatte Spondylose und war allein dadurch schon eingeschränkt. Dann kam noch die Herzinsuffizienz dazu und der heisse Sommer 18. Als sie dann zum dritten Mal in Folge hinten zusammenbrach und diesmal nicht wieder hochkam, so dass ich das Auto holen musste (es passierte auf dem Spazi) und durchs Fahrverbot fahren und sie sich dann mit meiner Hilfe und allerletzten Kraft ins Auto hievte (und sich dabei noch verletzte) wusste ich, dass ich nun zum TA fahre und ohne sie nach Hause kehren würde. Es war mir einfach klar. 3 Tage vorher besuchten wir noch die Züchterin und den aktuellen Wurf dort. Die Züchterin fand, sie sehe doch noch gut aus und ich fürchte fast, sie fand danach auch, ich hätte sie zu schnell eingeschläfert. Aber ich kann nicht riskieren, dass sie auf dem Spazi nochmals zusammenbricht (sie wog immerhin 34 kg) und sie litt unter der Hitze und sie einfach nicht mehr mitzunehmen auf den Spazi - das wäre für sie ganz schlimm gewesen, folgte sie mir doch überallhin. Ich wusste es einfach. Sie verhielt sich ganz ruhig, lag auf dem Schragen (sie konnte auch beim TA nicht s/s aus dem Auto aussteigen) und nach dem Propofol hob sie noch kurz den Kopf und drückte mir ihre Nase ans Kinn, danach war sie ganz ruhig und nach der Überdosis hatte sie ganz schnell keinen Puls mehr. Alles ganz ruhig und Jendayi war dabei. Für mich war es richtig so, was andere sagen interessiert mich, einmal mehr, nicht die Bohne.

    herzliche grüsse conny, jendayi und kalani mit nastassja und dawn im herzen

  • Im grossen und ganzen stimme ich Claudia zu mit einer kleinen Ausnahme. Wirklich enge Familienmitglieder oder Freunde die Besitzer und Tier sehr gut kennen, dürfen durchaus einen Rat abgeben. Auch vielleicht andere Möglichkeiten aufzeigen. Sofern alles empathisch und beratend und nicht bestimmend zustatten geht.

  • Im grossen und ganzen stimme ich Claudia zu mit einer kleinen Ausnahme. Wirklich enge Familienmitglieder oder Freunde die Besitzer und Tier sehr gut kennen, dürfen durchaus einen Rat abgeben. Auch vielleicht andere Möglichkeiten aufzeigen. Sofern alles empathisch und beratend und nicht bestimmend zustatten geht.

    Ja natürlich, auch ich habe 2 Tage vor dem Tod meines Katers mit einer Freundin gesprochen und war froh, mich austauschen zu können. Wenn ich aber z.B. merke, dass sich jemand in dieser Situation überhaupt nicht äussern will, dann lasse ich es auch mit Ratschläge erteilen. Irgendwie muss die Iinitiative zu solchen Gesprächen schon vom Tierbesitzer aus kommen, finde ich.

  • Bei Taiga damals rieten mir auch manche, sie eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das hiesse, sie wäre schlichtweg verhungert. Das hätte ich viel qualvoller gefunden, als sie einschläfern zu lassen.

  • Bei Taiga damals rieten mir auch manche, sie eines natürlichen Todes sterben zu lassen. Das hiesse, sie wäre schlichtweg verhungert. Das hätte ich viel qualvoller gefunden, als sie einschläfern zu lassen.


    Ich verstehe so eine Einstellung nicht. Gerade da wir ja die Möglichkeit haben unsere geliebten Tiere von ihren Leiden zu erlösen und sie eben nicht qualvoll sterben zu lassen, kann ich das nicht nachvollziehen. Ja natürlich heisst das eine wirklich schwierige Entscheidung zu treffen und eine grosse Verantwortung zu übernehmen. Aber das tun wir Tierhalter aus Liebe zu unserem Tier! Alles andere wäre feige und unverantwortlich.

  • Ich verlasse mich da schon sehr stark auf die Aussage des Tierarztes, gestützt auf die mir belegte Diagnose und sein Fachwissen.


    Würde mir der Tierarzt raten, den Hund nicht mehr allzu lange leiden zu lassen und könnte ich kaum mehr das Haus verlassen oder nur in der Nähe, und müsste ich ständig auf dem Handy die Kamera von zu Hause checken, ob der Hund vielleicht kollabiert ist, wäre das für mich ein deutliches Zeichen, den Hund zu erlösen.


    Die Aussage, alte Menschen schläfern wir nicht ein, ist doof. Wir dürfen beim Menschen nicht über Leben und Tod entscheiden. Doch selbst bei Menschen gibt es heutzutags einige Möglichkeiten in dieser Hinsicht (aktive Sterbehilfe, Patienten Verfügung).