Bindung stärken

  • Das sind ja alles Dinge, die ich seit einem Jahr längst mache. Deshalb ist es für mich kein Erzeihungsproblem. Ich habe von Anfang an jeden Blick und jedes Kommen belohnt. Trotzdem findet er halt die Umgebung dann spannender als mich = Bindung

    Ich denke der Punkt hat nicht viel mit Bindung zu tun, das kann auch einfach die Rasse sein oder halt seine Mischungen die drin sind. Es gibt halt einfach Hunde die eigenständiger sind und der Mensch nicht das non plus Ultra ist.

    Da muss man halt einfach wissen wie umgehen das es für beide Passt.

    Beim Akita war das genau so, das kann man halt nicht mit einem Schäferhund oder einem Labrador vergleichen, sie schauen zwar und kommen auf Kommando aber die Umgebung ist trotzdem interessanter weil sie das halt in ihrem Ursprung so drin haben.


    Ich denke 1 Jahr ist halt jetzt auch noch nicht so eine lange Zeit und er hatte doch auch schon Vorbesitzer und einiges Erlebt wahrscheinlich. Das braucht halt einfach ein paar Jahre, ich würde ihn und dich einfach nicht unter Druck setzen

  • Nein unter Druck setzen sowieso nicht. Sonst würde ich es nicht erst jetzt angehen. Deshalb sehe ich es auch nicht aus erzieherischer Sicht, dass ich da nun unbedingt stundenlang trainieren muss. Sondern dass ich schaue was ich mit Alltagstätigkeiten, einbauen von Beschäftigung usw. erreichen kann, sich etwas mehr auf mich einzulassen. Und halt auch eine Möglichkeit finden, ihn für etwas Gutes zu belohnen.

    Er war etwa 5 Monate in Rumänien (ob wirklich auf der Strasse oder nur Tierheim weiss ich nicht), danach 3 Wochen bei einem Mann in der Schweiz der ihn ins Tierheim gegeben hat. Dort war er dann noch ein paar Wochen.

  • Bin ich falsch oder entsteht nicht eine bessere Bindung durch immer mehr Vertrauen können , sich auch den anderen immer mehr verlassen können durch das er Sicherheit bekommt, durch klare Grenzen und konsequente Erziehung was nicht heisst das es streng gebrüllt sein soll. (soll keine Kritik sein aber das ging mir durch den Kopf beim lesen).


    Lass dir und ihm noch Zeit bleibe konsequent daran mal mit einem Weg. Ein Jahr ist noch nichts im vergleich zu einem langen Hundeleben, die erste Bindung ist da aber Ausbau fähig.


    Meine Kollegin hat auch eine Strassenhündin, sie ist eine tolle Hündin geworden, die Kuschelt bis heute nicht und ist jetzt dann 10 Jahre alt, das höchste der Gefühle ist Kontaktliegen.

  • Ich glaub auch, dass das erhöhte Interesse an der Umwelt nicht zwingend mit der Bindung zu tun hat. Eine sichere Bindung gibt einem ja auch die Grundlage, zu explorieren. Trotzdem finde ich den Ansatz, dich interessanter zu machen, per se gut und sicher für euch beide lässig. Obs dann bei den Dingen wie Krallen schneiden, etc. hilft, bin ich nicht sicher - vielleicht ist er da halt einfach sehr sensibel.


    Grunsätzlich würde ich versuchen, dass du mehr Teil haben kannst in seiner Welt. Ist natürlich schwieriger bei einem Hund, der seine Welt interessanter findet alles alles was wir Menschen einfach so anbieten können.

    Ich glaube Suchspiele würden am ehesten gehen, ich streue öfters mal Guddies und da ist er auch wirklich mit Eifer dabei. Vielleicht müsste ich das etwas ausbauen.

    Das scheint ja schon etwas zu sein, was er gerne tut. Da würde ich ansetzen und das ausbauen. Vielleicht auch irgendwie dich mehr in die Suche einbringen - irgendwie mehr Interaktion reinbringen - vielleicht durch Anzeigen üben, so dass er wenn er etwas findest, es zuerst dir zeigt und dich dann beachtet.


    Wenn er gerne schnüffelt und die Umwelt exploriert, kannst du dich vielleicht auch da dran beteiligen. Ganz begeistert ein Schüffelort zeigen oder solche Dinge (klar, ist schwer, weil wir nicht so riechen wie der Hund - aber vielleicht kann man da auch einen Ort "präparieren" oder typische Orte nutzen, etc.)

  • Bin ich falsch oder entsteht nicht eine bessere Bindung durch immer mehr Vertrauen können , sich auch den anderen immer mehr verlassen können ......

    Genau, das ist der Punkt! 👍 VERLÄSSLICHKEIT!

    In jeder Situation. Verlässlichkeit gibt Sicherheit, Vertrauen!

  • danke für eure Inputs. Ich denke, dass es eine Mischung aus allem ist.

    ich habe vorhin schnell den Futterbeutel gerausgekramt, den ich vor einem halben Jahr zuletzt benutzt habe. Damals hatte ich aufgegeben, da er sich gar nicht interessiert hat und das Apportieren nicht verstanden hat (er hat bisher nur etwas gebracht, wenn er das wollte).

    Nun habe ich 10 Minuten geübt und dann gefilmt


  • Zwei Gedanken zum Video:


    - Ich würde bei einem Hund, der sich nicht stark motivieren lässt, jeweils nur wenige Wiederholungen einer Übung machen. Ich würde nach zwei-, dreimal bereits wieder aufhören.


    - Als er am Schluss den Beutel leert und beim Aufstehen, streichst du ihm über den Kopf. Solche Streicheleinheiten mochte Tabasco gar nicht. Streicheln war für ihn nie eine Belohnung. In ruhigen Situationen mochte er sehr gerne gestreichelt werden, aber nicht, wenn er unter Spannung stand.

    Ich würde ihn nur noch bewusst anfassen. Mit bewusst meine ich, dass du dir dessen bewusst bist und seine Reaktion darauf wahrnehmen kannst.

  • Ja ich denke ich ich würde das mit dem Futterbeutel sowieso dann irgendwo in den Alltag einbauen, z.B. als Belohnung für ein Verhalten oder als Versteckspiel zwischendurch. Ich habe das Video gemacht, als er ihn das dritte Mal in Folge geholt hat (vorher hatte er ihn entweder liegen lassen oder sich damit auf sein Bettchen gelegt). Die Übungssequenz nachdem er verstanden hat, ging also nicht so lange. Ich finde ja selbst Wiederholungen auch langweilig.

    Niro mag es meistens, gestreichelt und gekrault zu werden. Jedenfalls hat er noch nie gegenteiliges Verhalten gezeigt. Wie man sehen kann, habe ich ihn beim Streicheln angeschaut und dabei seine Ohren beobachtet. Es gibt aber auch Situationen, in denen er es doof findet (z.B. wenn wir mit fremden Menschen reden), da mache ich es nicht. Ich habe auch Charlie oft auf die Seite geklopft, weil er das gut fand. Niro hingegen gar nicht.

  • Und halt auch eine Möglichkeit finden, ihn für etwas Gutes zu belohnen.

    Wie geht es der Hobby-Liste?

    Nun habe ich 10 Minuten geübt und dann gefilmt

    Finde den Fehler. Du bist langweilig! Du repetierst dieselbe Übung x-mal - immer mit demselben Ablauf, demselben Ort, demselben Timing und mit praktisch null "echter" Kommunikation mit dem Hund. Langweilig.

    irgendwo in den Alltag einbauen

    Ist im Wohnzimmer spielen kein Alltag? Sind Dinge üben kein Alltag? Ist draussen Sachen suchen kein Alltag?

    Niro mag es meistens, gestreichelt und gekrault zu werden.

    Guck Dir mal seine Reaktion bei 1:30 an.


    Trotzdem findet er halt die Umgebung dann spannender als mich = Bindung

    Nein, Langeweile.

    Wenn Du willst, dass sich etwas ändert, musst Du etwas ändern. Du kannst das an einem schwer fassbaren Begriff wie "Bindung" festmachen - oder Du kannst das von Dir erwünschte Verhalten fördern. Das hat nur ganz entfernt mit "Erziehung" zu tun. Hunde (...nicht nur Hunde) tun lohnenswerte Dinge. Also mach ihm lohnenswert, was Du haben willst. Und damit wären wir wieder beim Thema Belohnung...

    Er springt ohne Pferd auf die Erhöhung, aber spätestens wenn es dabei ist gar nicht mehr. Nichtmal wenn ich neben dem Pferd stehe und ihn direkt animiere. Er vertraut mir in dem Moment nicht = Bindung

    Nein, mangelnde Generalisierung. Ein Hund, der herkommt, wenn Du in einem leeren Raum auf und ab hüpfend mit einem Cervelat winkst, beherrscht keinen Abruf, wenn er hinter einer Katze herrennt. Dazwischen liegen etwa 5000 winzige Trainingsschritte. Er kann ein Verhalten erst dann, wenn es auch unter Ablenkung (in Deinem Fall: Nahe Anwesenheit des Pferdes) funktioniert. Kleinschrittig aufbauen:

    - Grundübung varieren (verschiedene Erhöhungen, Richtungen aus denen er kommt, variable Belohnungen)

    - Hilfen abbauen (mit ihm zusammen drauf hüpfen, Du stehst oben, Du klopfst darauf, Du animierst ihn verbal, Du gibst ein Sichtzeichen, Du gibst nur noch ein Hörzeichen, Du gibst ein leises Hörzeichen)

    - Ablenkungen einbauen (Gegenstand daneben stellen, ruhig stehender Mensch in 50m Entfernung, Mensch in 30m Entfernung, Mensch in 29m Entfernung, herumhampelnder Mensch in 50/30/...m Entfernung, ruhiges Tier das ihn nicht im geringsten interessiert in 50m Entfernung - und dann irgendwann das Pferd in 50m/40/30/25/20/15/14/13/12/... Metern Entfernung, Pferd das ruhig steht, Pferd das sich langsam bewegt, ...)


    Nb, es gibt zwei Arten Ablenkungen: Dinge, von denen sich der Hund angezogen fühlt (rennende Katze) und solche, die er meiden möchte (Krallenzange, Pferd). Übe beide. Mit lohnenden Belohnungen.

    Krallenschneiden und Kämmen ist so doof, dass ich ihn dabei nichtmal mit Guddies, reden, Spielzeug usw. zur Entspannung bringen kann.

    - Konditionierte Entspannung üben

    - Medical Training. Ok, ich wiederhole mich.

    - Spielzeug entspannt sowieso nicht.

    Also hat das für mich auch weniger mit Erziehung zu tun, wenn er sich so sehr unterwirft.

    Beide Begriffe stammen irgendwie aus den 70er-Jahren. Es geht um Meideverhalten. Es ist ihm unangenehm. Es lohnt sich nicht für ihn - wieso sollte es auch? Mein Hund findet Krallenschneiden auch weniger lustig als Schäfli suchen. Aber er weiss, dass sich das Stillhalten lohnt.

    Aber er findet wahrscheinlich einfach die Krallenzange unangenehem beim drücken und beim Kämmen dass es halt mal zupft.

    Vielleicht solltest Du auch mal Deine Schneid- und Kämmtechnik von jemandem anschauen lassen bzw. anderes Werkzeug (z.B. Bürste statt Kamm) ausprobieren.

    Signaturen sind doof! Solche mit Banner erst recht! Aber wer sie nicht mag, hat sie ja ausgeschaltet...
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  • Helene

    Das hast du sehr gut geschrieben. 👍


    Anmerkung: Ein Hund, der sich an und für sich gern streicheln lässt, lässt sich während der Arbeit nicht auch unbedingt gern streicheln. Über DEN KOPF streicheln mag fast kein Hund. Kenn jedenfalls keinen. Gern haben und über sich ergehen lassen sind zwei paar Händsche.

    Guckt euch mal Ohren, Schnauze (leckern übers Maul) , Augen an (wenns krass ist, auch den Rücken und Hinterbeine), wenn ihr euren Hund über den Kopf streichelt. 🤷🏻‍♀️

  • Helene mal im Ernst, wie kannst du aus einem kurzen Video interpretieren, wie ich irgendwas übe? Ich habe doch geschrieben, dass ich den Futterbeutel gerade frisch dazu genommen habe. Und gerade aufgebaut um zu sehen wie es klappt. Ich variiere doch nicht etwas, nachdem es gerade erst 3mal geklappt hat? Es soll ja beim Erfolgserlebnis bleiben, weshalb ich dann auch aufgehört habe. Wer mich mit Charlie mal gesehen hat weiss, dass ich viele Apportierübungen gemacht habe. Also nicht einfach werfen, sondern z.B. vor dem holen verschiedene Positionen verlangt habe, ihn auf dem Weg zum Holen wieder zurück rufen konnte, mal versteckt usw.

    So, dann zum Thema Alltag: Natürlich ist das, was ich gerade gemacht habe Alltag. Ich habe gerade Schule von Zuhause aus, also kann ich nicht spazieren gehen. Deshalb habe ich den Futterbeutel genommen und mal ausprobiert. Ich möchte gerne die Spaziergänge etwas spannender gestalten, also mal eine Suche usw. einbauen. Und den habe ich hervorgekramt um zu sehen, ob es vielleicht etwas ist, was bei ihm als Belohnung ziehen könnte.

    Das hochspringen auf Gegenstände macht er aus dem FF. Mache ich seit einem Jahr auf fast jedem Spaziergang bei den unterschiedlichsten Gegenständen. Auch dann, wenn er gerade mit anderen Hunden spielt. Da schicken z.B. auch andere Personen ihren Hund hinauf und er bleibt sitzen usw. Er kennt das Kommando, auch wenn der Baumstamm 20 Meter entfernt ist. Aber er geht eben nicht drauf, wenn das Pferd dabei ist. Egal mit wieviel locken, loben, drauf setzen etc. Er steht dann einfach und macht keinen Wank. Ich habe es aber mit mehr Entfernung des Pferdes bisher nicht versucht, das könnte ich noch probieren. Wobei das fast nicht umsetzbar ist, da ich immer alleine bin.

    Das Problem ist ja eben gerade die Belohnung. Also dass ich für Übungen im Alltag bisher keine Belohnung gefunden hat, die dann auch wirklich zieht. Und da bin ich nun gerade dran, wie man sieht.

    Ich habe eine normale, weiche Bürste die einfach die losen Haare entfernt.

  • Helene ich bin voll deiner Meinung in jedem Punkt, bis auf die konditionierte Entspannung (m.M.n. soll man Gefühle nicht konditionieren) und das Medical Training (weil ich da keine Ahnung davon habe) aber sonst.....:thumbup:


    ....aber.....wieso müssen Hundetrainer, die was taugen, immer so einen "Ton" drauf haben? Das macht es einem einfach manchmal schwer, sich darauf einzulassen, wie man JessesGirls Reaktion unschwer entnehmen kann ^^.

    @Ihr Hundetrainer seid doch mal ein bisschen "netter" bitte ;)

    Sorry fürs Halb-OT.


    JessesGirl

    Vielleicht ist für Niro weniger das Holen-Bringen-Guddiefressen cool, sondern die Suche selber? Bei Amiga ist das so....obwohl sie sehr gerne rennt, apportiert und noch viel lieber frisst.....Suchen ist für sie ein absolutes Highlight und sie ist auch ein Sichtjäger und geht nicht auf Spur.

    Bau doch Zielobjektsuche mit Niro auf. Das schaffst du locker alleine. Infos dazu findest du tonnenweise im Netz. Das kannst du überall machen.....auch zu Hause. Nimm irgend ein schwieriges Objekt, etwas Kleines (das kannst du problemlos in jeder Hosentasche transportieren) mit keinem grossen Eigengeruch (kein Futterbeutel, das ist viel zu einfach --> langweilig). Und mach es unbedingt mit Verweisen, nicht mit Bringen.

  • Ich hätte das jetzt auch eher in weniger harten Worten formuliert als Helene, finde aber grundsätzlich die Inputs schon richtig und gut :-) - natürlich immer überlegt auf den eigenen Hund und die eigene Situation, die man ja selber am besten kennt und aus der Ferne nie 100 % einzuschätzen ist, wenn man das Team nicht kennt. Nicht drüber aufregen und vielleicht den eben doch hilfreichen Kern mitnehmen :-)


    Ich denke, nicht zu unterschätzen ist auch der Unterschied drinnen / draussen grad bei sehr umweltinteressierten Hunden, und dann eben, wie man sich wo interessant machen kann. Ich find den Futterbeutel eine tolle Sache und auch, drinnen Sachen zu machen, der Beziehung tut das auf jeden Fall gut - da finde ich die Idee gut, zu sagen, dass man zusammen Sachen wie Beutelsuche, ZOS oder was weiss ich in ablenkungsarmer Umgebung macht.


    Es kann halt einfach sein, dass der Beutel drinnen cool und spannend ist, sich das als Belohnung aber nicht unbedingt nach draussen übersetzt, denn Belohnung ist ja auch immer kontextabhängig. Deshalb eben - die Suche nach Belohnungen, die wirklich solche sind, aber da bist du ja dran. Das wird wohl einfach etwas Geduld, Nerven und eine gute Beobachtung fordern.

    It's a dog's inalienable right to get dirty.

  • Könntest du Pferd und Distanz evt. regelmässig mit jemandem zusammen üben? Vielleicht auch beim Stall, wo es evt. noch andere Leute hat? Damit jemand das Pferd halten kann? Oder das Pferd lernt, an Ort und Stelle zu verharren oder so. ;)

    Ich wollte mich grad zum Üben anbieten, ist aber etwas weit weg. :D


    And when the time comes, remember that dogs never die. They are sleeping in your heart.


  • mit jemandem zusammen üben ist schwer, da ich nur zweimal die Woche dort bin und schon so zeitliche Probleme habe, überhaupt zu gehen. es ist jetzt auch nicht unser hohes Trainingsziel, da ich ihn ja auch anderweitig anleinen kann bzw. mit der Reitleine am üben bin. ich hatte es eher aufgezählt weil es sich für mich wie ein Vertrauensproblem anfühlt.


    ohne Ablenkung geht bei ihm vieles besser. Deshalb habe ich es eben in der Wohnung geübt, obwohl wir draussen ja mehr Platz hätten.


    ich nehme mir auf jeden Fall Sachen mit die ihr schreibt. Aber ich bin ja täglich mit ihm zusammen und weiss, was und wieviel wir probiert haben etc

  • Evtl steckt ein Schuss hsh mit drin. Da hast mit Spielzeug und bespassung wenig Erfolg...

  • mal im Ernst, wie kannst du aus einem kurzen Video interpretieren, wie ich irgendwas übe?

    Interpretieren gar nicht. Aber gucken. Klar, ich sehe nur das, was im Video ist. Im vorliegenden Fall wäre das:

    - ein glatter Boden

    - ein motivierter Hund, aufgestellt, freundlich, aktiv, vertrauensvoll trotz Deiner Körperhaltung (über ihn beugen), ohne jedes Zeichen von schlechter Bindung

    - 5x ganz genau dieselbe Übung

    - sein Ausweichen auf's zweite Mal anfassen

    Ich variiere doch nicht etwas, nachdem es gerade erst 3mal geklappt hat? Es soll ja beim Erfolgserlebnis bleiben

    Bei letzterem sind wir voll und ganz einverstanden. Aber ich würde den Beutel z.B. an verschiedene Orte hin werfen - und wohl spätestens nach 3x eine grosse Beutelleerfressparty veranstalten und aufhören.

    Und den habe ich hervorgekramt um zu sehen, ob es vielleicht etwas ist, was bei ihm als Belohnung ziehen könnte.

    Passt! Ich würde ihn jedes Mal mit etwas anderem füllen und Ablenkungen sorgsam einbauen. Und mit der Zeit nicht einfach nur werfen, sondern auch das Finden herausfordernder machen.

    Das hochspringen auf Gegenstände macht er aus dem FF.

    ...

    Aber er geht eben nicht drauf, wenn das Pferd dabei ist. Egal mit wieviel locken, loben, drauf setzen etc. Er steht dann einfach und macht keinen Wank. Ich habe es aber mit mehr Entfernung des Pferdes bisher nicht versucht, das könnte ich noch probieren. Wobei das fast nicht umsetzbar ist, da ich immer alleine bin.

    Dann hast Du die Generalisierung der Übung hinter Dir, Zeit für die Arbeit an Ablenkungen. Pferd anbinden? Böckli neben die Weide stellen?

    Also dass ich für Übungen im Alltag bisher keine Belohnung gefunden hat, die dann auch wirklich zieht.

    Fang doch mal die Liste mit seinen Hobbys an. Dem Futterbeutel nachrennen, ihn bringen und daraus fressen wären doch schon mal drei Punkte.

    (m.M.n. soll man Gefühle nicht konditionieren)

    Meiner Meinung nach verpasst man riesige Chancen, wenn man das nicht tut :-)

    ...mein Exemplar gehört zu einer Rasse, die potentiell Ressourcenverteidiger sind. Also habe ich immer, wenn ein anderer Hund ein feines Leckerchen gekriegt hat, ihr gleich danach auch eins gegeben (Freundesspiel). Für sie ist also das Leckerchen für den anderen Hund die Ankündigung von etwas Angenehmem - nämlich dass gleich in IHREM Maul eins landet. Das ändert ihr Gefühl beim andern-beim-Fressen-zuschauen ins Positive. Win-Win: Sie fühlt sich gut. Und ich fühle mich auch gut, wenn ein anderer Hund sich zwischen sie und mich quetschen kann und ich weiss, dass es deswegen nicht knallt.

    ohne Ablenkung geht bei ihm vieles besser. Deshalb habe ich es eben in der Wohnung geübt

    Ja, klar, ohne Ablenkung ist alles einfacher. Aber das ist nur ein Trainingsschritt. Mach eine winzige Ablenkung dazu. Oder geh in einen stillen Wald oder auf ein einsames Feld oder was immer für ihn wenig Ablenkung ist.

    wieso müssen Hundetrainer, die was taugen, immer so einen "Ton" drauf haben?

    🙊

    ...ich hatte in Diplomatie einen Fensterplatz. Äggsgüsi. Ich weiss, das mag nicht jeder. Ich kann gut mit Hunden. Und ich diskutiere gern sachlich, direkt und in klaren Worten. (Und wenn ich's böse meinen würde, würde ich mir bestimmt nicht die Zeit nehmen zum schreiben!)

    Signaturen sind doof! Solche mit Banner erst recht! Aber wer sie nicht mag, hat sie ja ausgeschaltet...
    Also stelle ich für die anderen hier mein Banner hin - klick darauf, dann öffnet sich ein neues Fenster mit meiner genialen und ultivmativ tollen Homepage von globalem Interesse!


  • Danke für deinen noch ergänzten Beitrag, das liest sich für mich etwas schöner.

    Ich hatte ja vor dem Video geschrieben, dass ich den Beutel gerade hervorgekramt und die Gelegenheit genutzt habe. Deshalb war die Sequenz etwas länger, weil er es gerade neu erlernt hat und ich ziemlich stolz war, für den Moment etwas gefunden zu haben, bei dem er mit Freude mitmacht. Nach dem Ende habe ich ihn leer fressen lassen.
    Ich finde nicht, dass er ausgewichen ist bei der zweiten Berührung. Er ist dem Futterbeutel gefolgt, den ich dummerweise gerade neben mir auf den Tisch gelegt habe (er hat ihn geklaut, als ich die Kamera ausgemacht habe).

    Den Futterbeutel würde ich sowieso draussen nicht mehr zum Werfen nutzen, sondern um ihn zu verstecken. Er rennt und spielt auf den Spaziergängen sehr viel, da finde ich als Ablenkung ein Suchspiel besser.

    Das mit dem Pferd wird schwierig. Beim Stall sind überall Pferde bzw. kein geeigneter Platz. Und dadurch hätte er nur noch mehr Ablenkung. Ich müsste es unterwegs üben, aber vielleicht kommt ja mal mein Partner mit.

  • Danke Helene .... ich lese deine Texte extrem gern :). Aber ich mag auch diesen Schreibstil und hab selber eine Trainerin, die sehr direkt und klar ist. Ich höre dich förmlich ... :D


    JessesGirl ..... hmmn .... ich lese bei dir vorallem Erklärungen, warum etwas nicht geht. Warum kehrst du das ganze nicht um und schaust was geht und nicht was nicht geht? Wenn dir die Übung mit dem Pferd wichtig ist, dann such einen Weg, der geht und sieh nicht nur das, was nicht geht. Gehst du auch mal spazieren mit Pferd und Hund? Ich bin mit Yorik sehr viel mehr gelaufen mit dem Pferd als geritten, vorallem anfangs, bis er sich dran gewöhnt hat. So hast du die Möglichkeit, Niro immer mal abzurufen und wenn dein Pferd am Boden gut mitmacht, kannst du mit langem Strick Distanz machen und das Pferd weiter weg stehen lassen oder meinetwegen grasen lassen. Es hat dann sofort viel weniger die Erwartungshaltung, dass Niro nah ans Pferd kommen muss .... Wenn dir wichtig ist, dass du irgendwann einen zuverlässigen Reitbegleithund hast, den du vom Pferd aus an- und ableinen kannst, dann wirst du nicht drum herum kommen, das in kleinen Schritten zu tun und halt vielleicht mal eine zeitlang aufs reiten zu verzichten. Oder du gehst einmal die Woche allein reiten und einmal gehst du spazieren mit Pferd & Hund zum Training.


    Grundsätzlich gilt für mich im Training mit Tieren, wenn etwas nicht funktioniert, dann war es zu viel, ein zu grosser Schritt. Ganz plakativ gesagt .... Einfach einen, zwei, drei Schritte zurück gehen bis dorthin, wo etwas funktioniert. Das mag manchmal als Pipifax aussehen, aber nur so wird es irgendwann funktionieren. Ich musste bereits viele viele Schritte zurück gehen und einen langen Weg, bis ich das wirklich kapiert hab und auch mal mit wahnsinnig wenig zufrieden war .... ;)

  • Nein, ich gehe nicht spazieren. Weil ich dort bin fürs Reiten, nicht zum spazieren. Ich nehme Niro auch nur jedes 2.-3. Mal mit, wenn nicht soviel Zeit ist um erst den Hund und danach noch das Pferd zu bewegen.
    Mir ist es nicht wichtig, ihn vom Pferd aus an- und abzuleinen. Es war nur eine Schilderung, bei der ich das Gefühl hatte, dass er mir eben nicht genug vertraut. Ich kann problemlos absteigen und ihn vom Boden aus anleinen bzw. habe letzte Woche mit der Reitleine angefangen zu üben, wo er einfach neben dem Pferd stehen bleibt und ich die Leine über den Kopf legen kann.