Überfordert mit unserer Hündin

  • Hallo Zusammen


    Erst mal danke für die schnelle Freischaltung!


    Ich /wir stecken tief in einer emotionalen Krise. Wir haben seit 4 Monaten eine 4 jährige Hündin aus dem Tierschutz bei uns zu hause und ich bin seither stark überfordert mit der Situation und weiss momentan nicht wie weiter. Wir sind eine kleine Familie mit einer 1.5 jährigen Tochter und haben uns schon länger einen Hund gewünscht. Im Vorfeld habe ich lange mit der Orga über das Wesen und die Bedürfnisse von Safira (husky x labrador x mischmasch) gesprochen und wir waren uns der Sache sicher dass wir es gut meistern werden. Natürlich weiss man schon im Vorfeld, dass man in gewisser Weise ein Überraschungspacket zu sich holt und wir haben mit einigen Umstellungen gerechnet.

    Nun ist es so, dass Safira in fast allen Belangen ein super Hund ist.

    Sie kann super Autofahren, alleine zu hause bleiben (was sie teoretisch nicht müsste), alleine ohne Drama vor einem Geschäft warten, schläft in der Nacht durch, verträgt sich 1A mit unserer Tochter ect.

    Das grosse Problem ist aber, dass wir von Beginn weg das Gefühl hatten dass Safira mit ihrem starken Temprament nicht wirklich zu unserem Leben passt (so dumm und abgedroschen das nun klingen mag). Leider hat sie nach kurzer Zeit eine starke Leinenaggression gegenüber anderen Hunden entwickelt. Ich nehme an aus Frustration weil sie nicht hin darf. Im Freilauf und auch bei den zugelassenen Leinenkontakten zu Beginn ( haben wir natürlich auf Raten von Trainer gestrichen) reagiert sie super auf andere Hunde und verträgt sich mit jedem.

    Ich weiss gar nicht recht wie ich zum Punkt kommen soll... es ist so dass ich eine äusserst konfliktscheue Person bin und es mir unglaublich schwer fällt klare Grenzen zu setzen, was aber bei Safira sehr wichtig wäre. Ich war mit ihr schon in mehreren Privatlektionen und bin immer wieder geschockt wie schnell eine starke Person sie unter Kontrolle kriegt und der Hund auch an Ruhe gewinnt dadurch.

    Wenn ich mit ihr aus dem Garten gehe, kann es sein dass sie die nöchste Person in 50 metern Entfernung fixiert und anfängt zu bellen. Ich fühle einfach dass ich ihr keine Sicherheit vermitteln kann und sie desshalb dauernd auf 180 ist. Ich bin auch überzeugt dass sie bei jemand anderem ein ruhiger und ausgeglichener Hund wäre.

    Im Moment und nach allem was wir durchgemacht haben bin ich an einem Punkt angelangt an dem ich überzeugt bin, dass sie innerhalb von kürzester Zeit ein zufriedener Hund wäre, würde ich die richtigen Halter für sie finden. Wir wollen nur das Beste für sie und ich zweifle dass sie in unserer Obhut voll aufblühen kann.


    Ich war übrigens schon oft an dem Punkt wo ich dachte: Gib ihr und uns noch mehr Zeit bzw. mit dem neuen Trainingsweg klappt es ect. Ich habe aber immer mehr das Gefühl dass es an mir als Person liegt und sie eigentlich gar kein grosses Training benötigt.


    Tja, nun habe ich vermutlich ein bisschen hin und her geschrieben und viele Fragen bleiben offen... mich würde intressieren was ihr von der Situation denkt bzw. ob es realistisch ist dass ich (evt. auch mit hilfe der Orga) einen finalen und geeigneten Platz für sie finden könnte.


    Lg David

  • Ich kann gerade nicht ausgiebig schreiben, aber: Toll und stark, dass du dich da selbst so mega ehrlich reflektierst! :good:


    Willkommen im Forum und ich denke, du wirst einige Gedanken und Tipps bekommen hier. :nicken:


    And when the time comes, remember that dogs never die. They are sleeping in your heart.


  • ich habe grad nur ganz kurz Zeit, Morgen mehr. Aber, wenn sie ein Huskymix ist, braucht sie körperlich genug Auslastung (sprich Zugsport) um ausgeglichen zu sein. Da reicht spazieren nie und nimmer und ja einem Husky(mix) MÜSST ihr Grenzen setzen, Huskies hinterfragen gerne und machen nur, was für sie Sinn ergibt. Nun hat sie mit einem Labrador natürlich charaktermässig eine völlig gegenteilige Rasse in sich vertreten (selbständiger Schlittenhund vs „will to please-Apportierhund) was bei ihr sicherlich zu Konflikten führt. Ich denken da muss ein GUTER Trainer ran.

  • Hallo und herzlich willkommen im Forum:winke:


    klingt sehr verzweifelt was du da schreibst:sad:... schade.


    mich würde auch interessieren wie ihr sie körperlich auslastet?

    Weil ich weiss einfach von meiner Hündin, dass sie in jüngeren Jahren echt auch innerlich am Explodieren war, weil sie sich einfach nicht auspowern konnte (kaum draussen unterwegs war sie ein hibbeliges und nicht ansprechbares Ding an der Leine), so habe ich angefangen zu joggen (sie war da erst 8 Monate alt) und Zack... nach 2-3x Joggen (2x / Woche) war sie total zufrieden, wurde lernfähiger, ruhiger und einfacher zu händeln. Logisch, muss nicht für jeden Hund der Grund sein, aber ist eine Möglichkeit... :nicken:


    Wenn also dein Hund wirklich Husky drin hat, kann ich auch gut vorstellen, dass sie einfach mal voll rennen können muss.

    Wobei ich es wie snowdog sehe, dass rein vom Foto her, denke ich, dass Husky nicht soooo stark vertreten ist. Abgesehen von den blauen Augen... aber die Fellfarbe an Brust (weiss, braun, und Körper schwarz) hat kein Husky, und kein Labrador.

    Evtl. hat sie auch noch eine andere ,,starke,, Rasse drin, welche halt wirklich klare Regeln braucht. :noidea:


    Das heisst ja nicht, dass du böse oder grob sein musst :nönö:

    Meine Rasse hinterfragt nonstopp die Regeln und ich muss sie immer und immer wieder aufzeigen damit wieder paar Monate Ruhe ist, naja... Ruhe ist eigentlich nie:pfeifen::zwinker:


    Auf 50m Distanz bellen ist schon etwas doof, machte meine Flaffy aus Unsicherheit früher im Dunkeln auch noch, kriegte es mit Minischritten weg.

    Was immer gut hilft (aber geht halt nicht drauf auf 50m Distanz) wenn man die Menschen anspricht, also grüsst. Einfach nett ,,gruezi,, sagen, das nimmt wie die Spannung raus. Du redest, die Person redet nett zurück usw. :nicken:


    Es wäre echt schade wenn ihr es nicht hinkriegt, da ja sonst alles so super geht mit ihr.

    Ging schon mal Jemand anders (aus der Familie) mit ihr laufen, wie ist sie dann?

  • Zitat

    ob es realistisch ist dass ich (evt. auch mit hilfe der Orga) einen finalen und geeigneten Platz für sie finden könnte

    Eine vierjährige Hündin ohne grössere Probleme sollte sich relativ leicht umplatzieren lassen.


    Aber BITTE, holt euch dann keinen neuen Hund, zumindest in der nächsten Zeit. Wenn das/die Kinder im Schulalter sind, mögen für solche Projekte Zeit und Nerven da sein, aber doch nicht zu einem Kleinkind dazu.

    Signaturen sind doof! Solche mit Banner erst recht! Aber wer sie nicht mag, hat sie ja ausgeschaltet...
    Also stelle ich für die anderen hier mein Banner hin - klick darauf, dann öffnet sich ein neues Fenster mit meiner genialen und ultivmativ tollen Homepage von globalem Interesse!


  • Hunde zeigen einem sehr schnell die schwächen. Wer weiss was Safira für eine Auffälligkeit hätte bei jemand anderem.

    Das gute ist, man kann sowohl an sich selbst als auch am Hund arbeiten und soweit ich lese, ist da gerade ganz viel Verzweiflung aber doch auch noch viel Hoffnung.


    Mein grösster Ratschlag, vergiss was alle auch immer sagen was in dem Hund ist. Es ist relevant wie sich Safira zeigt. Ob nun die blauen Augen von einem Husky, Aussie oder was auch immer, hilft dir nicht weiter, wenn das Verhalten zu der Annahme nicht stimmt.

    Ein guter Hundetrainer, kann dir aufzeigen, welches Verhalten wie zu zuweisen ist. Ob sie nun aus Unsicherheit oder Aggression in die Leine prescht. Ob sie die anderen Hunde "hüten" (Wie ein Hütehund) oder zurecht weisen möchte.

    Viele dieser Verhaltensformen, werden anders trainiert und verändert. Je nach dem, kann man auch zuhause schon daran arbeiten.


    Seit ihr schon bei einem guten Hundetrainer? Bist du zufrieden?


    Und bezüglich temperament, wer nicht joggen kann, geht das auch gut am Fahrrad :) braucht etwas Übung und Ausrüstung aber ob nun Hund neben dem Fahrrad oder davor, da können dir andere Profi Tipps geben. Ich bin da nur der "Sonntags-spazier-fahrer" :)

  • Ich lese und spüre deine Verzweiflung und Überforderung. Das tut mir leid. Trotzdem werde ich dir jetzt einfach einige Gedanken und knallharte Wahrheiten mitteilen und ich hoffe, du bist nicht böse, sondern machst dir darüber Gedanken. Denn nein, ich will dich nicht verletzen oder kränken!!! Ich will dir einfach helfen, dass du dir selbst Hilfe holst.

    Ja, du kannst den Hund weggeben. Das ist sicher im Moment die einfachste Lösung. Aber du hast ein kleines Kind. Auch dieses Kind braucht Grenzen. Es MUSS seine Grenzen erproben und DU musst ihm in Zukunft ständig seine Grenzen setzen. Das wird "Kämpfe" geben, schwere, schwierige Auseinandersetzungen!!! Auch diese werden dich mehr als einmal an deine eigenen Grenzen bringen, du wirst überfordert und verzweifelt sein. Und das bevor dein Kind in der Pubertät ist... Darum mein Rat: lerne ganz rasch, geduldig, liebevoll, aber absolut konsequent Grenzen zu setzen. Die sind wichtig und nötig. Ob nun für den Hund oder später (schon bald) für dein Kind.

    Alles Gute.

  • Also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe ist euer einziges Problem ihre Leinenagression? Ich denke, mit einem guten Trainer würdet ihr dieses Problem schon in den Griff bekommen. Damit die Hündin aber auch besser ausgelastet wird, hast du dir schon überlegt, mit ihr joggen zu gehen?

    Wenn du sie allerdings abgeben willst, dann kann dir die Orga da bestimmt weiterhelfen:smile:

    Hier noch ein Bild von Safira:


    Screenshot-20201116-093249-Gallery.jpg

    Lg

    Also für mich sieht so aus, als hätte da ein Listenhund mitgemischt?:noidea:

    Es gibt so viele Hunde auf dieser Welt! Was für ein Zufall, dass ich den schönsten habe:0herzsm0:

  • Willkommen und Gratulation zu deiner differenzierten und ehrlichen Beschreibung deines Problems.


    Ich denke, du hast sehr gut erkannt, wo das Problem liegt, nämlich in deinem Umgang mit dem Hund. Ganz ehrlich denke ich nun nicht, dass es (nur) an der Auslastung liegt sondern an der Führung, wie du ja schon bemerkt hast. Ein an sich sicherer Hund übernimmt ganz schnell, wenn der Mensch das nicht tut. Ich hab im letzten Jahr zwei Hunde, beides Hündinnen übrigens, beides Retriever, erlebt, die genau dieses Verhalten gezeigt haben. Die 2jährige Labi-Hündin war nicht mehr händelbar für die Besitzerin, hatte sogar Beissvorfälle und das alles, weil sie nicht (eigentlich nie seit Welpen) geführt wurde. Sie wurde umplatziert, leider habe ich dann den weiteren Weg nicht mehr mitbekommen.

    Die 3jährige Toller-Hündin, die bei meiner Bekannten gelandet ist infolge Leinenaggression, hat vor kurzem 8 Wochen bei mir verbracht und ja, sie würde Leinenaggression zeigen, würde man sie lassen. Aber sie lässt sich ganz schnell auf eine Führung ein, wenn man sie bietet. Es braucht aber wirklich Klarheit, Konsequenz und Stärke.

    Als konfliktscheuer Mensch hast du genau hier ein Problem, versteh ich. Aber warum siehst du es als Konflikt? Es muss kein Konflikt sein, es bedarf ganz einfach Führung. DU sagst, wo es lang geht. DU sagst, was wann wo und wie gemacht wird. DU musst dem Hund vermitteln können, dass du das Leben (deins und seins) im Griff hast und Führung übernehmen kannst.


    Verabschiede dich vom romantischen Gedanken von Familie, Kind, Haus und Hund, wo alles harmonisch und friedlich ist. Da kann ich Lady's Worte nur unterstützen, auch wenn sie hart klingen mögen. Es ist Arbeit, viel Arbeit, lange Arbeit und wenn du bereit bist, diese zu leisten, wirst du irgendwann sehr gestärkt und mit einem zufriedenen Hund an deiner Seite daraus hervor gehen. Dazu brauchst du einen absolut kompetenten Trainer an deiner Seite. Ich rate hier ab von Weichspüler- und Mimimi-Methoden - äxgüsi. Natürlich rate ich nicht zu Härte und Züchtigung - bewahre - aber zu Kompetenz und viel Erfahrung gerade mit solchen Hunden und das haben nunmal viele Trainer nicht.

    Ich denke, das sind vorallem die Gedanken, die ihr euch als Familie machen müsst: wieviel bin ich bereit zu investieren. Falls du dazu nicht bereit bist, dann ist es besser (und auch legitim) für den Hund einen anderen Platz zu suchen. Entscheidet zum Wohl des Tieres und das kann manchmal auch bedeuten, es loszulassen und einen geeigneteren Platz zu suchen.


    Viel Umsicht und Glück!

  • Ich möchte mich allen meinen Vorschreiberinnen eigentlich total anschliessen. Erstmal super, dass du die Situation so gut analysisierst und da auch mit dir ins Gericht gehst.


    Grundsätzlich denke ich auch, es wäre natürlich machbar - braucht aber, wie auch schon von anderen geschrieben, harte Arbeit (nicht nur am Hund, auch an dir). Mit einem kundigen Trainer, der nicht nur viel von Hunden versteht, sondern auch ein gutes Gespür hat für Mensch-Hunde-Teams. Ob du/ihr das zu investieren bereit seid und leisten könnt, grad noch mit einem kleinen Kind, müsst ihr für euch entscheiden. Was für mich auch total fehlt in deinem Beschrieb, ist deine Partnerin - du schreibst, DU seist total überfordert, DU willst ein neues Zuhause für sie suchen etc,. wie ist es denn mit ihr, wie sieht sie das Ganze, und wie läuft die Aufgabenteilung betreffend Hund ab?


    Ich finde jetzt aber nicht, dass man aus Schuldgefühl oder Verantwortungsgefühl das durchstieren muss. Finde es auch wertvoll, zugeben zu können, dass es nicht passt und man überfordet ist. Denke, dann ist dem Hund auch mehr geholfen, wenn er passend umplatziert wird. Noch 1 Jahr lang rumdoktern und ausprobieren und dann beschliessen, dass man sie doch weg gibt, ist letztlich doofer, da kann man viel verkacken, das ist für den Hund blöd und macht das Umplatzieren schwieriger. Und grade in einem Haushalt mit kleinem Kind würde ich ehrlich gesagt den Hund wirklich eher umplatzieren, weil da mit dem Kind eh schon viel Neues und auch Stress ist, und man die Nerven, so intensiv mit dem Hund und an sich selber zu arbeiten, wohl eher nicht hat. Auch lieber passend umplatzieren, bevor etwas Blödes passiert.


    Die erwähnten Lektionen von wegen Geduld, Konsequenz etc., das Verabschieden vom schönen Familie-Haus-Hund-Bild und die Überlegung, ob man wirklich einen Hund haben möchte, wenn ja, ob das ein Ü-Ei Auslandstierschutzhund sein muss (da sind auch längst nicht alle Orgas seriös und grad bei Rassebeschrieben etc. sträuben sich mir manchmal echt die Nackenhaare, was ich da so lese) und was so ein Hund fordert - ja, all diese Lektionen kann man trotzdem aus dem Fiasko mitnehmen.


    Noch zur Rasse: Ich seh da weder den Husky noch den Labi unbedingt, würde mich aber Sileco anschliessen - für mein Auge hat da auch klar ein Listi mitgemischt. Letztlich ist die Rasse aber sowieso total egal, man muss jeden Hund so nehmen, wie er kommt, und daran arbeiten, was er wirklich mitbringt. Auch Rassehunde haben längst nicht alle ihren Rassebeschrieb gelesen.


    Ich wünsch dir/euch auf jeden Fall gute Nerven, knallharte Ehrlichkeit mit euch selber und dass ihr für euch den richtigen Weg findet.

    Sollte das das Umplatzieren sein, würde ich mich als erstes an die Orga wenden, die sie euch vermittelt hat, und auch an ein örtliches Tierheim (nicht abgeben, aber sagen, dass sie sie doch in ihre Vermittlung aufnehmen sollen), ausserdem gibt es auch gar nicht so schlechte Facebook-Gruppen für Hundevermittlung in der Schweiz. Und evtl. die SOS Listenhunde kontaktieren (denn für mich sieht es wirklich nach einem Listi-Mix aus). So oder so würde ich bis zur Vermittlung (das kann ja durchaus einen Moment dauern) nicht einfach abwarten und "aufgeben", sondern eine/n Trainer/in dazuziehen und so gut es geht an der Situation arbeiten.


    Alles Gute für euch!

    It's a dog's inalienable right to get dirty.

  • Also für mich sieht so aus, als hätte da ein Listenhund mitgemischt?:noidea:

    nö. finde ich gar nicht. viele mixe zwischen steh und schlappohren entwickeln diese knickohren. das ganze andere erscheinungsbild (exterieur) passt nicht zu einem molossoiden. selbst das gesicht nicht..und das ist oft schon charakeristisch genug.

  • Danke für eure vielen Antworten!

    Es tut mir leid wenn ich nicht auf alles eingehen kann.


    Ich bin bei Herr Winistörfer in Lyssach im Training. Da wurde mir auch klar dass der Hund ganz klare Führung benötigt und ich bin immer wieder geschockt wie gut sie sich bei anderen Leuten verhält. Desshalb auch die Zweifel.

    Die Leinenaggression ist so ein unglaublich belastendes und hinderndes Problem für uns, da wir oft und lange Spaziergänge lieben und paradoxerweise viel mehr gemacht haben bevor wir Safira hatten.

    Ich gehe an den Wochenenden mit ihr Velo fahren und das macht sie super, reagiert auch viel weniger auf andere Hunde. Ihr allgemeines Stresslevel ist vermutlich sehr hoch und bei normalen Spaziergängen pusht sie sich wegen allem was entgegen kommt. Ich bin über die ganze Zeit immer unsicherer geworden im Umgang mit ihr und denke jede freie Minute über die Zukunft mit ihr nach. Es hat sich alles auf so eine doofe Art verhärtet zwischen uns.

    Mir ist eigentlich alles was ihr schreibt bewusst von Wegen Führung übernehmen ect. Nur kann ich es in den heiklen Situationen nicht umsetzten!

    Ich laufe einen Weg entlang. Sehe in der Ferne einen Mann auf uns zulaufen. Safira bemerkt ihn auch und fängt an zu fixieren. Jetzt werde ich unklar im Handeln, drönge sie hinter mich, sie drängt sich vorbei. Ich probiere sie körperlich zurückzudrängen schon hängt sie fiepend und röchelnd in der Leine...das ganze pusht sich hoch bis man meinen könnte sie wolle ihn zerfetzten. Ich habe schon einiges versucht, über ablenken, bögen laufen, schön füttern, mit spielzeug ablenken. Nichts funktioniert, da es an meiner Geradlinigkeit und Ruhe mangelt.


    Meine Frau ist ganz anders vom Typ her. Sie hat den Hund einigermassen unter Kontrolle, da sie dies im Umgang mit Pferden und früheren Hunden gelernt hat. Bin jedoch ich dabei verhält sich der Hund schon wieder viel nervöser. Meine Frau wurde vor 1 Monat operiert und kann seit dem nicht mehr mit ihr spazieren gehen, desshalb nehme ich sie mit zur Arbeit momentan.

    Ich weiss dass so ein Hund viel Arbeit bedeutet, der Punkt ist nur dass ich ernsthaft das Gefühl habe, dass sie eigentlich ein eher unproblematischer Hund wäre! Dieser Punkt bringt mich zum verzweifeln, da ich nicht will dass sie in ein paar Monaten ein problematischer Hund wird aufgrund meines Einflusses.

    Heute hat sie ein super Tag. Ich war Fahrrad fahren mig ihr und wir haben mehrere Hunde gekreuzt. Abgesehen von 2x bellen war da keine grosse Reaktion, da die Führung vom Fahrrad aus einfacher ist für mich aufgrund des Tempos unter anderem.

    Ich weisd echt nicht welches der richtige Weg ist😓


    Zum Listenmix:

    Wir hatten die Diskussion auch schon, und da Listenmixe in unserem Kanton verboten sind haben wir sie dem Vetamt vorgestellt. Sie ist nun offiziell kein Listenmix und somit save in der Schweiz.


    Lg David

  • Eigentlich ist es ja total Wurscht, was für ein Mix sie ist. Man muss sie nehmen , wie sie ist und mit dem arbeiten.


    Da meine Vorschreiber schon alles geschrieben haben, ich dir total nachfühlen kann und deiner Verzweiflung verstehe, sage ich nur: Überlege dir, kann und will ich ab sofort viel Zeit für eine Änderung mit dem Hund aufwänden, so dass ich ihm, mir, meiner Familie auch noch gerecht werden kann oder sehe ich keine Zukunft, aus Zeitgründen oder was auch immer?!?


    Du/ihr sollst glücklich mit dem Hund leben können und ohne Angst mit Kind und Kegel spazieren gehen können.


    Viel Kraft für eine Entscheidung!

  • Noch zum umplatzieren:


    Ich hatte (aufgrund der Rassenfrage) schon vor 1 Monat ein Gespräch mit der Orga und da kamen auch die Probleme zur Sprache. Die Frau war enttäuscht von mir und sagte sie hätte mich motivierter eingeschätzt ect. Der Hund hätte bei ihnen nie solches Verhalten gezeigt. Für mich ist es schwer abzuschätzen ob sie ehrlich ist oder einfach die Umstände ihren Einfluss hatten. Im Falle einer Abgabe unsererseits würde sie Safira zurück nach Deutschland holen und von da weitervermitteln, auf was ich ehrlich gesagt 0 Bock hätte und es auch für den suboptimaleren Weg halten würde.

    Mir schwebt (bei dieser Entscheidung) eher vor, dass wir mit Hilfe der Orga einen Platz in der Schweiz suchen, bei Leuten welche im besten Fall den Hund schon 2,3 Mal kennenlernen konnten und sich zu 100% sicher sind auf was sie sich einlassen. Mir würde es das Herz brechen wenn ich annehmen müsste, dass sie potentiell wieder an einen Platz kommt und die Besitzer so unfähig sind wie ich.


    Ich bin hin und her gerissen, aber falls die Entscheidung steht werde ich der Orga eine Mail schreiben und darauf hoffen dass sie sich auf dieses Vorgehen einlassen.


    Lg

  • Nachtrag: Du bist nicht unfähig! Manchmal passt es halt einfach nicht. Es gibt zahlreiche Hunde, die nicht in Anfängerhände gehören und wenn‘s nicht passt lieber einen Schlussstrich ziehen, als weiter“leiden“, bis was passiert, was vermieden werden kann!


    Viel Glück in jeder Hinsicht.

  • Hallo David


    Ich verstehe Deine Situation und auch ich war mit meiner ersten Hündin am Anfang an einer ähnlichen Stelle: Ich war Ersthundehalterin und hatte eine tobende Bestie an der Leine, einen Hund der keine fremden Menschen mag und ich besass so ungefähr 0 Hundewissen. Ich dachte am Anfang sehr naiv, dass alle Hunde brav sind und gut erzogen. Ich wurde dann eines Besseren belehrt. :P Ich war am Anfang völlig überfordert und wollte meinen Hund oft einfach wieder abgeben. Am Anfang habe ich oft die langen Spaziergänge gemacht wenn niemand anders sonst unterwegs war, ich habe mich so geschämt und ich konnte nicht mit der Situation umgehen.


    Erst als ich dann mit einer Trainerin angefangen habe zu üben, konnte ich Verbesserungen feststellen. In Minischritten und manchmal waren die Schritte auch nicht vorwärts, sondern zurück. Je mehr ich mich entwickelt habe, umso mehr konnte sich mein Hund auf mich verlassen. Das war dann eine positive Aufwärtsspirale, einfach in kleinen Schritten.


    Mir half da einfach nur viel, viel, viel, viel, viel - erwähnte ich viel? - Training: Einzeltraining und später auch Gruppentraining. Das kostet allerdings sehr viel Zeit und Nerven und ggf. auch Geld. Ich hatte allerdings auch keine familiären Verpflichtungen die wohl zeitlich nicht zu unterschätzen sind.


    Ich habe durch die ganze Situation sehr viel gelernt, über Hunde, Hundetraining und konnte mich persönlich sehr weiterentwickeln. Es ist "nur" ;) eine intensive Trainingssache und auch Du könntest das lernen. Die Frage ist: Möchtest Du die Zeit und ggf. die Kosten auf Dich nehmen? Falls nein: Dann gib den Hund ab. Falls ja: Es ist eine intensive und doch sehr lohnenswerte Arbeit. Ich kann doch sagen, dass ich mit meiner ersten Hündin dann zu einem super Team zusammengewachsen bin und sie gut führen konnte. Mein erster Hund war einer meiner besten Lehrmeister in meinem Leben.


    Falls Du den Weg gehen möchtest, könnte hier ggf. jemand noch einen anderen Trainertipp geben den Du mal ausprobieren könntest. Es gibt evtl. auch User in Deiner Nähe die sich für Kreuzungen/zum Üben zur Verfügung stellen würden.


    Auf alle Fälle: Alles Gute Dir und Safira.:)

  • Die Frau war enttäuscht von mir und sagte sie hätte mich motivierter eingeschätzt ect. Der Hund hätte bei ihnen nie solches Verhalten gezeigt.

    Hunde zeigen gerade in Gruppen viel devoteres und ruhigeres Verhalten. Wer nicht auffällt kriegt kein ärger. Weil da gibts dann 10 gegen 1nen. Oft kriegen eben Hunde eine gewisse Leinenaggression aus Orgas, weil ihnen in Erinnerung bleibt, was für ärger andere Hunde bedeuten können. Während sie sich in Gruppen zurück halten, versuchen sie es an der Leine im 1 gegen 1 mit "Angriff ist die beste Verteidigung".

    Deswegen sind solche Beschriebe von Organisationen sehr mit Vorsicht zu geniessen.


    Wir haben auch so eine zuhause (bzw. mein Vater), sie war angeblich suuuuuper sozial im Tierheim und wir hätten sie verkorkst (innerhalb 24 Stunden..). Das Fazit ist, Miyu braucht und möchte keine anderen Hunden. Sie kann alles nun auch in nett (mit viel Training) aber sie wird und war ganz sicher nie ein Hund der sich über andere Hunde freut. In ihrem Beschrieb stand aber, sie würde sich ab einem Hundekumpel freuen. :rolleyes:

    Wir konnten es dank 2 Parteien lösen, Miyu lebt nun bei meinem Vater und nicht bei mir mit meinen Hunden. Sie ist seit Anfang Jahr "Einzelprinzessin" und sehr sehr glücklich. Hätte es zwischen meinem Vater und ihr nicht so gefunkt, hätte ich sie vermitteln müssen.

    Und das wäre nicht meine Schuld gewesen.


    Lass dir nicht die Schuld geben!

  • Leider ist das typischs Ausland“tierschutz“- meist eher Hundehandel, als Tierschutz. Es wird nicht ehrlich über die Hunde kommuniziert - alles sind „unproblematisch“ und „dankbar“. Viele Tietschutzhunde zeigen auch erst nach einer Weile im neuen zu Hause gewisse Probleme- und das liegt NICHT am neuen Besitzer, sondern daran, dass der Hund erst „ankommen“ muss. Orgas sollten bei Problemen helfen und NICHT noch Schuldzuweisungen und schlechte Gewissen machen :angry2:unmöglich, echt :wall: