Hunderassen: "Mit dem Porsche nach Südfrankreich"

  • Ich habe heute Morgen diesen schönen Text entdeckt, der ganz ausdrücklich geteilt werden darf, deshalb teile ich ihn hier mit euch.

    Diskussion darüber und Gedanken dazu natürlich wie immer erwünscht, wir sind hier schliesslich ein Hundeforum :-)


    Mit dem Porsche nach Südfrankreich
    -Maren Grote-


    Es muss ein Dobermann sein! Er darf aber nicht wachsam sein, oder bellen, wenn es klingelt.
    Der Golden Retriever ist Pflicht, auch wenn das Schlimmste ein verdreckter Fußboden wäre.
    Der Herdenschutzhund soll bitte beim Grillfest mit im Garten liegen,
    der Setter soll im Umkreis von drei Metern ohne Leine laufen und der Terrier darf wie besessen dem Ball hinterher jagen, aber ein totgeschütteltes Meerschweinchen wäre unverzeihlich.

    Was den perfekten Hund ausmacht ist nunmal individuell und hängt ganz gravierend daran wie man so lebt.

    Rasse ist kein Kostüm, kein Fellpullover mit Blanko-Hund darin.
    Rasse bedeutet Genetik und Genetik bedeutet auch Verhalten. Und zwar unterschiedliches Verhalten. Der Pullover, die Äußerlichkeiten sind nur der kleinste Teil, der eine Rasse ausmacht.

    Im Dunkeln besonders wachsam sein, mit fremden Hunden nur schlecht auskommen, miesmuffelige Wesensart oder überdrehte Hektik, Anhänglichkeit und Freiheitsliebe......
    Das und noch hunderte, andere Eigenschaften sind bei Rassehunden genetisch fixiert, gewollt und mühsam angezüchtet. Ja, es gibt Ausnahmen, aber die sind eben genau das: Ausnahmen. Gewollt sind bestimmte Rassemerkmale.

    Es ist also wichtig zu wissen, welchen Freund man sich für viele Jahre mit ins Haus holt und welche Ansprüche man an ihn hat.

    Ansonsten ist es ein bisschen, wie sich einen Porsche Sportwagen zu kaufen und dann damit mit den drei Kindern nach Südfrankreich in den Urlaub fahren zu wollen.
    Es ist zu eng, die Koffer passen nicht rein und die Fahrt wird der Horror.
    Da hilft es auch nichts den Wagen in die Werkstatt zu bringen.
    Auch der beste Automechaniker macht aus dem Porsche keinen Van.
    Wer also einen Van braucht, der sollte sich auch einen Van kaufen.

    Erziehung ist ein großes Werkzeug, aber sie hat ihre Grenzen genau da, wo Genetik beginnt.
    Bevor man nun versucht den Hund zu verbiegen und nach Jahren der Arbeit einen häßlichen Porsche mit dicken Schweißnähten, einem aufgesetzen Dachgepäckträger und Anhängerkupplung fährt, kann man auch einfach direkt schauen, welche Eigenschaften so eine spezielle Rasse mit sich bringt.

    Ich glaube ganz fest an die Veränderbarkeit von Verhalten und an den Sinn von Erziehung.
    Und ich weiß um genetisch fixiertes Verhalten.
    Für die Hunde dieser Welt wäre es sicherlich leichter, wenn ihren angeborenen Verhaltensweisen mehr Respekt entgegen gebracht wird und dann innerhalb ihrer individuellen Möglichkeiten trainiert wird.


    (Dieser Text darf gerne geteilt werden. Alle Rechte verbleiben dabei aber bei der Autorin Maren Grote.)

    It's a dog's inalienable right to get dirty.

  • Anne

    Hat den Titel des Themas von „Hunderassen: "Mit dem Porsche nach Südfrankreich" (Maren Grote)“ zu „Hunderassen: "Mit dem Porsche nach Südfrankreich"“ geändert.
  • Dem stimme ich zu!


    Leider wählen viele Menschen nur nach Optik aus - sowohl beim Hund wie beim Auto. Wobei beim Auto wenigstens nur die Besitzer gestraft werden, wenn sie dann nicht zufrieden sind.


    Kommt hinzu, dass die völlig falsche Rassenwahl indirekt auch den anderen Besitzern der selben Rasse schaden kann, wenn einzelne Exemplare durch falsche Haltung negativ auffallen. Was bei Fahrzeugen (aus eigener Erfahrung) übrigens auch passieren kann.

  • Den hab ich grad eben auf FB gelesen - perfekt!


    Klar, die Optik kann man als Mensch nicht ganz wegsperren, sie beeinflusst uns einfach. Trotzdem wäre schon sehr geholfen, wenn die Menschen sich ein bisschen Gedanken über Genetik und die damit verbundenen Eigenschaften machen würden. Und vorallem darüber, was sie eigentlich genau erwarten vom Hund und was sie mit ihm unternehmen möchten ....

  • Und was ich hier auch ganz schlimm finde, sind dann die Leute die zwei grundverschiedene Rassen mit grundverschiedenen Ansprüchen miteinander verpaaren, einfach weil es nett aussieht.....


    Auch ich lasse mich von der Optik beeinflussen, aber dann muss ich auch bereit sein mich auf die Eigenheiten der Wunschrasse einzulassen und dann auch damit leben wenn ich einen Hund habe der nicht immer und überall 100% so funktioniert wie es die Umgebung gerne hätte.

  • Top!

    Ich finde man kann sich seinen Hund durchaus nach der Optik aussuchen, solange man seine Charakterzüge + Eigenschaften akzeptiert und lernt, damit unzugehen und sich darauf einlässt.

    Ich stelle mir vor, dass es nichts frustrierenderes gibt, als einem Wachhund das Wachen oder einem Jagdhund das Jagen abzugewöhnen.

    Klar, man kann es vielleicht Lenken, aber nicht einfach wegerziehen. Aber wenn man sich darauf einläast und sich damit auseinander setzt, kann man es in gewisse Bahnen lenken und es den Hund bewusst ausleben lassen, so dass er sich dann vielleicht in anderen Situationen, wo das Verhalten nicht erwünscht ist, zurück nehmen kann.

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    Alle Tiere mit Ausnahme des Menschen wissen, dass der Sinn des Lebens darin besteht, es zu geniessen.


  • Klar kann man die Entwicklung steuern und unerwünschte Eigenschaften umlenken. Aber der Hund wäre bestimmt noch zufriedener, wenn er seine angezüchteten Verhaltensweisen auch wirklich ausleben dürfte.


    Von dem her fände ich es - für das Hundewohl - schon wichtig, wenn die Rasse so gut wie möglich passt.


    Und ja, dass die Optik auch eine Rolle spielt, finde ich nur logisch. Aber zumindest bei mir nur an zweiter oder gar dritter Stelle (wobei ich da durchaus auch No Go‘s habe).

  • Zum ersten mal habe ich ein Haustier, dessen Optik wirklich weit hinten Anstand und ich "nur" nach meinen Bedürfnissen wählte und ich muss sagen, es war richtig so. Klar finde ich Marvel hübsch, und klar ist er nicht perfekt in allem. Aber er passt perfekt in meine aktuelle Lebenssituation und noch kein Haustier fügte sich da so geschmeidig ein.

    Ich schreib bewusst Haustier und nicht Hund. Denn auch meine Frettchenzeit forderte sehr viele kompromisse und Anpassung von meiner Seite.

    Dazu war ich immer offen und bereit. Mein Leben hab ich um Zelda herum gebaut weil sie verbiegen nicht funktionieren würde.


    Bin aber auch sehr froh, es mal anders zu erleben, dass sich etwas einfügt und anpasst, ohne dabei gross eingeschränkt zu sein im eigenen Wesen und Bedürfnissen.


    Kann mir aber gut wieder vorstellen irgendwann etwas bewusst und wissentlich anzuschaffen was mich fordert und gewissermassen auch einschränkt weil zb. Jagdverhalten wieder übermässig vorhanden wäre. Aber eben bewusst..


    Schade ist, was ja auch im Text gemeint ist, wenn man sich etwas holt, wo man die Problematik die Auftreten könnten wüsste und diese ignoriert und den Hund in ein anderes Schema zwingt.

  • Ich bin auch klar der Meinung, dass die Genetik bedient werden sollte. So viele Hunde werden in Bereichen geführt, die ihnen überhaupt nicht entsprechen. Wenn ich da manchmal sehe, wie im Mantrailing-Training Hunde genötigt werden, die ganz einfach null Bock da drauf haben, dann frage ich mich schon. Und wenn ich unsere Retriever im Dummytraining sehe, wo eben genau ihre Genetik voll und ganz bedient wird, dann geht mir das Herz auf und ich weiss, warum ich mich da reingegeben habe. Sie trailen ja beide mit Leidenschaft, aber wenn man sie beim "dummelen" sieht, dann weiss man, was Genetik bedeutet, da reicht das Wort "Leidenschaft" ganz einfach nicht mehr.

  • Meine Wachen Leidenschaftlich, der Wolfsspitz drück da schon durch:zwinker::k_irre:(OK Pyri hat Linientechnisch mehr Wolfsspitz drin)

    Wie sie sich mit System in den Garten legen und die Welt beobachten, Popo an Popo, damit alles abgedeckt ist. Wie sie Patroulieren durch ihr Reich und ,,motzen,, wenn sie was sehen, was einfach nicht in ihre Fantasiewelt passt (Pyri wie ein Kaltblut stampfend und schnaubend ihr Garten durchquert:hihi::zwinker:). Ja, sie wären die glücklichsten Hundis, wenn sie uneingeschränkt wachen dürften und dies lauthals kundgeben dürften, dass Sie hier leben. :pfeifen::hihi:


    Und das tolle Jagen, hey.... wie interessant wäre es die Hundis einfach mal los zu lassen, ohne Gefahren weit und breit und einfach mal ,,austeste,, was sie tun würden wenn sie dürften. Wie lange wären sie weg, wären sie überhaupt weg, wann geben sie auf? Was (wie weit) würde die Natur mit ihnen gehen....


    Aber, sie fänden es sicher am Schönsten, wenn sie dies alles mit uns zusammen tun dürften.... :spass:

    Aber leider spielen wir Menschen ihr Spiel nicht in dem Stil wo sie sich das denken mit, wir müssen auch total die Spassbremsen sein :pfeifen::peinlich:

    Wir wissen aber um ihre Leidenschaften und nie würden wir es uns ausmalen diese völlig weg zu erziehen :nönö: Ich denke wenn es verankert ist, dann kriegt man dies einfach nicht weg, egal was man tut....


    Mir ist es aber bewusst was meine Rasse mitbringt und trotzdem entscheide ich mich immer wieder aufs Neue für diese Rasse.

    Weil ich damit umgehen kann, es akzeptieren kann, sie nehme wie sie sind.

    Logisch erziehe ich sie im Rahmen wie ich es für mein Alltag brauche (biete Ersätze für Leidenschaften), aber komplett verbiegen will ich sie nicht, weil dann müsste ich wirklich eine andere Rasse nehmen. Eigentlich ganz einfach :nicken::zwinker:


    Oder ich wandere aus in ein Land wo sie ihren Leidenschaften nachgehen dürfen. :zwinker: