Beiträge von Anne

    Verarschen, Ignoranz, Befehle entziehen ... finde ich total ätzend

    Das ist eben etwas, was ich irgendwie nicht kenne / nicht so sehe. Wenn ein Hund mich "verarscht" liegt das meiner Meinung nach immer daran, dass er aus irgendeinem Grund grade nicht kann. Weil zB die Ablenkung zu gross ist oder die Motivation, etwas anderes zu tun, einfach viel höher ist. Oder auch, weil ich zB auf den Hund wütend wirke (weil ich mich aufrege) und er versucht, mit Spielverhalten (rumhampeln) oder durch das sich-mir-Entziehen die Situation zu entschärfen. Ich versuche dann, die Situation so hinzukriegen, dass der Hund ausführen kann, was ich von ihm will. Aber ganz klar, auch (sogar!) bei mir kam da manchmal eine strengere Ansage ;-) Nur ehrlich gesagt, gebracht hat's bei Mairin nicht so viel, und bei Nyell musst du mit Strenge gar nicht erst kommen, die fällt sofort in sich zusammen und kann alles noch viel weniger.

    Ach ja und zu meinem Verhalten: Manchmal verzweiflend, manchmal mich an meine eigene Pubertät erinnernd einsichtig, manchmal auch - ich gestehe - wütend .... wenn so gar nix mehr geht und die Ohren komplett dicht waren. Aber eben, Geschirr und Schlepp dran, das hilft enorm .... und sich sagen, dass es vorbei geht.


    Trotz allem versuche ich die Dinge, die mir wichtig sind, auch konsequent einzufordern. Also sie müssen kommen, wenn ich rufe. Sie müssen warten, wenn ichs sage. Es wird nicht aus dem Auto gesprungen ohne ok. Dafür trainiere ich aber keine wahnsinnig komplizierten Dinge oder neue Sachen, die schwierig werden könnten in solchen Phasen. Es bringt mir und den Hunden nur Frust. Konsequenz, Geduld und Verständnis ... damit komme ich am weitesten.

    Genau so habe ich das damals auch gehandhabt bei Mairin. Mit konsequenter Geduld / geduldiger Konsequenz, und mit Geschirr und Schleppleine :D Sie hat in der Pubertät angefangen, sich sehr selbständig zu machen, hat das supertolle Nachhetzen erlickt und hatte vor allem auch schubweise immer wieder krasse Angst- und Unsicherheitsphasen, die sie dann (v.a. Hunden ggü) mit Machogehabe versucht hat, zu überspielen.. da war schon Unterstützung und Ruhe meinerseits gefordert.


    Genau wie bei dir ging's da bei mir halt ans Generalisieren des eigentlich schon Gelernten, Neues haben wir dann eigentlich nur im "geschützten Rahmen" in klaren Trainingseinheiten geübt, ohne grosse Ablenkung.

    Das finde ich sehr interessant! Ich habe eine Bekannte mit zwei Whippets, die genau das gleiche sagt zu ihren Windhunden - sie kennt die Pubertät bei ihren gar nicht. Jetzt hat sie noch eine Chinese Crested Hündin genau in dem "heiklen" Alter, und da sieht's schon ein bisschen anders aus ;-)


    Das Warum finde ich insofern wichtig, dass man nicht wütend wird. Ich find's schon was anderes, ob man plötzliches Nichtbefolgen von Kommandos als "Sturheit" oder "Verarschung" ansieht, oder eben realisiert, dass da im Kopf grad Umbau-Baustelle ist und manchmal Dinge bei bestem Willen nicht funktionieren können. Das löst bei mir, finde ich, schon einen anderen Umgang aus. Hätte ich das Gefühl, der verarscht mich jetzt (absichtlich), würde mich das sauer machen und ich entsprechend vielleicht grob reagieren, weiss ich hingegen, was da grad vonstatten geht, kann ich einfacher ruhig bleiben. VIelleicht geht's aber nur mir so :-)

    Lustigerweise bin ich neulich erst über einen Beitrag hier im Forum gestossen, wo ein Mitglied damals wohl ein ähnliches Problem hatte (wenn ich deine Situation richtig verstanden habe). Ich habe damals bei meiner Schwester, die Juristin bei der Stiftung für das Tier im Recht ist, nachgefragt, wie man das handhaben müsse, und ihre ausführliche Antwort war damals diese hier:


    Vielleicht ist da auch noch was hilfreiches drin ;-)

    Die Stiftung für das Tier im Recht hat sonst auch eine tolle telefonische Rechtsauskunft, die man mit solchen Fragen gerne bemühen darf :-)

    Heute gab's in der Tierwelt ein interessanten Artikel aus einem Interview zum Thema Hunde in der Pubertät, den ich richtig gut finde. Halt genau meine Schiene (ist ja auch meine Trainerin des Vertrauens ;)).


    Spannend zum Beispiel folgende Aussagen aus dem Interview:


    Zitat

    Sämtliches Training und erlernte Kommandos scheinen förmlich aus dem Gedächtnis verpufft zu sein. «Pubertierende Hunde führen Signale nicht mehr aus, weil sie diese in solchen Momenten effektiv nicht mehr kennen», erklärt Aschwanden. Zeitweise sei das Gehirn gar «out of order», dort herrsche Neu- und Umstrukturierung. «In der Pubertät baut sich das Gehirn um. Bereits gemachte Nervenverknüpfungen werden gefestigt, wenn sie sich als lebenswichtig erweisen. Scheinbar unnütze, da kaum gebrauchte Verknüpfungen, werden gelöscht.»

    Zitat

    «Wesentlich ist, dass alles, was uns wichtig ist, während der Pubertät weitertrainiert wird. Sonst vergisst es der Hund tatsächlich», warnt Aschwanden vor zu rascher Kapitulation seitens des Halters. Er sollte sich in vergleichbaren Situationen immer gleich verhalten – und möglichst ohne emotionale Komponente und Strenge.

    Zitat

    «Absichtlich verhält sich kein Hund so. Sie sind nicht stur oder bockig, sondern versuchen lediglich sich abzunabeln und ihren Platz in der Welt zu finden.» Das als Sturheit verschriene Verhalten sei meist nur ein Meiden von beängstigenden Situationen.

    den ganzen Artikel findet ihr HIER.


    Wie habt ihr die Pubertät mit euren Hunden erlebt? Findet ihr euch in den Aussagen wieder? Und wie steht ihr zu Erziehungsmassnahmen in diesem Alter, wie händelt ihr den Hund in dieser heiklen Phase?

    Liebe Anne


    Ich fasse jetzt einfach die letzten Monate ganz, ganz kurz zusammen, ansonsten müsste ich einen Roman tippen.


    Bei uns ist diesen Frühling alles aus dem Ruder gelaufen, und ich meine wirklich aus dem Ruder gelaufen. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall, lag drei Monate flach, die ersten paar Wochen lagen noch ganz kleine Pipi-Runden mit Jimmy drin, den Grossteil der Spaziergänge übernahmen andere, überhaupt konnte ich gar nichts mehr tun, lag wortwörtlich nur auf dem Rücken auf dem Sofa. Dann OP, danach nichts, aber auch gar nichts mehr mit dem Hund für knapp zwei Monate.

    Oh mann das tut mir echt leid, das ist mega hart || hoffe, du konntest dich gut erholen! Dann ist es ja völlig klar, dass es da grosse Einbussen gab. Aber ihr seid ja super dran am Trainieren, wollte dir da gar nicht unterstellen, dass du was falsch machst :-) Dachte nur ich werf mal den Tipp rein, vielleicht bringt's was, aber eben, du bist ja gut aufgegleist mit Trainerin und gut dran. Dann wünsche ich dir ganz gute Nerven, guten Mut, gute Geduld und nach wie vor gute Besserung! Langwierige Sache mit der Bandscheibe, erinnere mich gut noch, wies bei meiner Mama war || Gar nicht lustig..

    Lese gerade ganz interessiert mit. Bei uns ist ja der Rückruf auch, nun wie soll ich sagen... - nicht gefestigt. Doch das ist nur eine unserer Baustellen. Bei uns gings diesen Sommer zurück auf Feld eins uns wir üben seither Leinenführigkeit und Orientierung an mir. Hört sich banal an, ist aber Knochenarbeit. Bei jemandem wie mir, der von Natur aus eher der Typ "Lass-mal-fünfe-gerade-sein" ist, erfordert diese Konsequenz ganz viel Konzentration und Selbstreflektion. Erste positive Veränderungen liessen dann aber nicht lange auf sich warten und ich bin zuversichtlich, dass mit Geduld noch ganz viel zu erreichen ist.


    In diesem Sinne: weiterhin alles Gute und du bist nicht alleine!

    Arbeitest du bei der Leinenführigkeit mit einem "Ritual", also einem Unterschied, ob gerade Leinenführigkeit trainiert wird oder nicht? Das kann enorm helfen. Also dass zum Beispiel Leinenführigkeit nur am HB geübt wird, am Geschirr darf gezogen werden. Oder dass für die Zeit, in der du an der Leinenführigkeit arbeitest, dem Hund zB ein Halstuch angezogen wird. Irgendwas. So gibt es für den Hund einen klaren Unterschied zwischen "jetzt üben wir das" und "jetzt kann ich auch mal ziehen" und für dich als Mensch einen Unterschied zwischen "jetzt bin ich konsequent und konzentriert dran" und "jetzt kann ich die 5 gerade sein lassen".


    Falls du das eh schon machst und dir das Prinzip klar ist, kannst du hier aufhören, zu lesen ;-) Sonst hier noch eine kurze Ausführung, wieso ich das machen würde:


    Es gibt halt immer die Situationen, wo man aus irgendeinem Grund grad trotzdem nicht adäquat auf das Leinenziehen reagieren kann oder will (wenn mans pressant hat z.B., oder keine Nerven mehr hat, oder grad einfach an einem anderen Hund vorbei muss oder oder oder). Das Problem ist da dann, dass der Hund manchmal mit Leinenziehen ans Ziel kommt (weitergehen), manchmal nicht (wenn grad trainiert wird an der Leinenführigkeit). Das ist trainersprachlich die variable Belohnung (manchmal lohnt sichs, manchmal nicht), die für eine massive Verstärkung des Verhaltens führt, in diesem Fall Leinenziehen.


    Indem jetzt z.B. mit einem Halstuch markiert wird, dass jetzt grade an der Leinenführigkeit geübt wird, verhinderst du das, weil du dann in diesen Trainingssequenzen 100 % konsequent sein kannst. Diese Trainingssequenzen können auf dem Spaziergang eingebaut werden, wenn du und der Hund grade die Nerven dazu haben, das auch richtig zu machen. Mit der Zeit wird der Hund idR das erlernte Verhalten ausdehnen auch auf die Zeit ohne Halstuch.

    Was tue ich aber als Ersatz, das er trotzdem noch kommt. 5 mal rufen ist auch sch..... Mit super Food bin ich bereits am Start....

    Wie gesagt: Mit unterschiedlichen Belohnungen abwechseln, und evtl. auch Premack-Prinzip zunutze machen. Einfach nur immer besseres Futter würde ich nicht zum Einsatz nehmen.


    Was heisst denn, der Radius ist klein?

    Aktuell bei mir hoch im Kurs sind Sachen von Wanderrute, nicht wirklich für Hunde oder spezifisch für Hundehalter, aber irgendwie halt eben doch :-) Hab ein tolles T-Shirt und ein Bandana von denen: https://www.wanderrute.com/


    Und bei dem neuen Halsbandsortiment von Woodsdog bin ich fast froh hab ich aktuell keinen Hund, für den ich sowas Teures unbedingt haben "müsste" :Dhttps://www.woodsdog.ch/ ... Mairin hat damals kurz vor ihrem Tod noch ein Bandana von denen gekriegt, von dem ich sehr begeistert war.. würde mein nächster Begleiter sicher auch wieder eins (1, jaja) kriegen :-)

    Noch was ist mir eingefallen, was jetzt vielleicht weniger zutrifft, aber einfach falls..

    FALLS du ihn öfters irgendwie strafst, weil er den Rückruf nicht sauber ausführt (was für mich jetzt nicht so geklungen hat), oder sogar unbewusst strafst, obwohl er den Rückruf ausgeführt hat, könnte es auch sein, dass die Strafe falsch verknüpft ist (mit dem Rückrufwort und dir), und das Verhalten ein Beschwichtigungssignal im Sinne von Fiddle About ist, er die Situation also entschärfen will. Die Strafe kann in dem Sinne auch nur sein, dass er dann bei dir bleiben muss, nicht sofort weiterlaufen darf, an die Leine muss oder sowas. Da müsste man sich dann überlegen, ob man die Konsequenz fürs Nicht-Zurückkommen (die ja immer schwierig ist) anschauen und ändern müsste. Oder einfach das Verhalten direkt nach dem Rückruf (anleinen, bei sich behalten, noch was "extra" verlangen, z.B. ein Sitz.. alles u.U. schon frustig und daher schwierig).


    Hat jetzt im Eingangspost nicht danach geklungen, du schreibst ja, dass ers eigentlich meistens richtig macht und du ihn dann belohnst. Einfach noch so als mögliche Ursache.

    So wie ich es verstanden habe, ist nicht ihr Rückruf eine Reaktion auf die fünf Flitzeminuten (da bin ich ganz bei dir, da einfach nicht abrufen), sondern die Flitzeminuten sind Antwort auf den Rückruf ;-) was dann natürlich doof ist.. also WENN's passiert würde ich es wohl dann auch einfach ignorieren und nicht noch mehr Druck machen (weil ja vermutlich das Flitzen schon eine Reaktion auf einen gespürten inneren Druck aus Konflikt ist). Aber eben, die Frage war wohl: Wieso zeigt er das manchmal plötzlich auf den Rückruf und wie kann man das verhindern, den Radius aber trotzdem "auftrainieren"?


    Aber grundsätzlich könnte es evtl. auch helfen, den Radius etwas zu vergrössern, falls er im Moment sehr klein wäre und das einfach nicht reicht zum wirklich freien Bewegen. Mairin hatte ohne Schleppleine einen Radius von ca. 15 bis 20m, an der Schleppleine logischerweise leinenbedingt kürzer (idR 10m).

    Ich denke auch, dass es eine Übersprungshandlung ist, die evtl. aus einer inneren Zerrissenheit kommt.. Er weiss, dass er eigentlich zurückkommen sollte, aber die Bewegung macht ihm grad einfach so Freude, oder es hat da was Spannendes, er möchte es richtig machen, "kann" aber nicht, resp. fällt ihm sehr schwer - das Zurückkommen, wenn weitergehen eigentlich spannender wär, ist ja auch eine Art Impulskontrolle, und die zehrt (grad bei einem jungen spritzigen Hund) halt an den Nerven. Vielleicht ist das Problem die Durchschaubarkeit der Belohnung? Er weiss, was er sollte, aber er weiss auch, was er dafür kriegt, und dass er das Weitergehen grad eigentlich höher gewichten würde - Konflikt - Übersprung.


    Evtl hilft's da, wenn du die Belohnung immer mal wieder änderst (falls du nicht eh schon immer wieder anders belohnst)?

    Oder, wenn er's eh schon super kennt und das offenbar so gut klappt, anfängst, variabel zu belohnen (also nicht mehr jedes Mal)?

    Vielleicht ist auch das Premack-Prinzip angesagt, also die Belohnung mit dem, was Paul in dem Moment grad am meisten will - und das ist wohl Bewegung/weiterlaufen dürfen? Grad wenn er sich eindeutig aus einem bestimmten Grund aus dem Radius entfernen will (irgendwo schnüffeln z.B.) kannst du diesen Grund (wenn's nicht grad die Reh-Jagd ist ;-) ) super als Belohnung einsetzen.


    Eventuell hilft's auch, zwischen Rückruf und Radius-Signal zu unterscheiden?

    Mairin zum Beispiel kannte das Radiussignal "too far", auf das sie stehenblieb und sich zu mir umdrehte, aber nicht unbedingt zurückkommen musste. Belohnung dafür war dann auch oft einfach das Weitergehen, manchmal aber auch ein tolles Rennspiel mit mir, ein (rückwärts) fliegendes Spieli oder eine Gudi-Suchübung am Wegrand. Aufgebaut habe ich das über die Schleppleine, an der der Radius ja eben sehr einfach zu kontrollieren war. Immer so 1m vor Ende Schleppi kam "too far", wenn sie das ignorierte, blieb ich einfach stehen. Weiter ging's erst, wenn sie sich umwandte - und manchmal gab's dann auch einen Klick und die Belohnung bei mir. Ohne Schleppi klappte das später dann auch zuverlässig, dass sie auf "too far" stehen blieb und sich umwandte, und wartete, bis ich sie wieder freigab (oder zu mir rief oder eben anderswie belohnte, manchmal bei mir, manchmal von mir weg, manchmal ganz ruhig, manchmal mit Action). Mit der Zeit hielt sie diesen Radius und v.a. das Warten vor Kreuzungen und so dann ohne weiteres bewusstes Training ganz von selber.

    ... wenn es dann alles aufgeht und die Welpen tatsächlich dann erst im Herbst 2020 da sind ..... und du dann sponti wollen würdest, dann hättest du auch ohne irgendwelche Reservierungen und Wartelisten sehr reelle Chancen, einen zu bekommen ... ;). Mein Kontakt zur Züchterin ist sehr gut und intensiv.


    Aber - das Wichtigste - geniess dein Jahr in München! :):thumbup:

    Das ist mal ne Ansage :D Natürlich ne sehr luxuriöse Situation, die du mir da bietest ;-) Wenn sich das alles dann schön entspinnt weiss ich auch ein bisschen mehr, wie's bei mir aussieht.. mal schauen ;-) Ich merk's mir jedenfalls ganz fest, dass ich bei dir quasi einen Toller-Puppy in Bestellung geben dürfte :D

    hehe, danke dir für den Hinweis ;-) Sieht nach einer schönen, sportlichen Verpaarung auch, die mir auch vom Typ Toller gut gefallen würde (eher feingliedrig und moderat langbeinig, und nicht zu plüschig). Im Moment kann ich mich aber leider echt mal noch nicht auf Welpenwartelisten setzen lassen, weil ich einfach keine Ahnung hab, wie und wo es bei mir in einem Jahr weitergeht.. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Welpe so ca. im Oktober 2020 passt, ist zwar nicht soooo klein, aber ich möchte da Züchter, die mich noch nicht kennen, nicht abschrecken mit meiner eher vagen Zukunftsplanung ;-)


    OT: München ist toooooooollllllll :love: