• Liebe alle

    Unser Hund hat seit einem Jahr epileptische Anfälle und es wird trotz Medikation immer schlimmer.
    Deshalb die Frage: Hat(te) hier jemand einen ähnlichen Verlauf bei seinem Epilepsie-Hund?

    Den ersten Anfall hatte er vor knapp einem Jahr: er hat plötzlich "Männchen" gemacht, in die Leere gestarrt, ist dann umgekippt und hat kurz gekrampft. Nachdem er drei Wochen später einen zweiten, etwas heftigeren Anfall hatte, wo er sich auch eingekotet hat, haben wir nach einem Blutbild angefangen, ihn mit Aphenylbarbit zu therapieren. Zum Glück vertrug und verträgt er das Medikament sehr gut. Im Verhalten ist er auch völlig "unauffällig", also so umtriebig, lebhaft und bewegungsfreudig, wie wir ihn kennengelernt haben.

    Nach Therapiebeginn hatten wir erst einige anfallsfreie Monate, leider hat er dann aber im späten Herbst wieder vermehrt Anfälle gezeigt, weshalb wir in Absprache mit der Tierärztin die Dosis kontinuierlich erhöht haben... Beunruhigt waren wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, sondern dachten einfach, dass wir die richtige Dosis finden, ggf. noch ein zweites Medikament dazunehmen müssten. Die Anfälle waren jeweils auch kurz und für uns absehbar, dass es, sobald er umkippt und krampft, nach maximal 30–40 Sekunden wieder vorbei ist.

    Vor zwei Monaten gab es aber eine beunruhigende Entwicklung: von Einzelanfällen hin zu 'Cluster'-Anfällen. Neuerdings hat unser Hund direkt nacheinander kurze, leichtere Anfälle, wobei er zwischendurch auch jeweils das Bewusstsein wiedererlangt und ansprechbar ist. Das waren zu Beginn 2–3 ganz kurze Anfälle. Da die Tierärztin, bei der wir natürlich vorstellig wurden, ob dieser Entwicklung nicht beunruhigt war, nahmen auch wir das Ganze gelassen und haben auf Anraten erneut die Dosis des Aphenylbarbits leicht gesteigert.

    Letztes Wochenende hatte unser Hund dann aber einen wirklich schrecklichen Cluster-Anfall am frühen Morgen: trotz Notfall-Diazepam wollten die Anfälle nicht enden (>20 Anfälle in 1.5 Stunden), was für uns ganz schön traumatisch war. Wir haben den Hund dann in die Notfallklinik gebracht, wo er intravenös mit einem zweiten Antiepileptikum (Kepra) behandelt wurde und über Nacht zur Überwachung am Tropf blieb. Wir durften ihn zum Glück am nächsten Tag wieder mit nach Hause nehmen. Die ersten zwei Tage hatte er Schwierigkeiten mit der Koordination (Hinterläufe...), was sich dann im Verlauf der Woche kontinuierlich verbessert hat. Wir waren deshalb eigentlich wieder ganz zuversichtlich, dass nun mit dem zusätzlichen Medikament die Anfälle besser unter Kontrolle sind, auch hatten wir direkt den nächsten freien Termin bei einer Neurologin reserviert. Aber nein: Gestern morgen hatten wir schon wieder drei kurze Anfälle direkt hintereinander... Diesmal scheint aber immerhin das Notfall-Diazepam gewirkt zu haben und es blieb bei drei.

    Wir sind langsam sehr besorgt, dass wir unser lebhaftes, bewegungsfreudiges und verfressenes Sonnenscheinchen viel zu früh verlieren könnten – es ist erst etwas über 2.5 Jahre alt. Diese Woche wird vermutlich neben neurologischer Untersuchung auch ein CT gemacht werden. Wir hoffen natürlich sehr, dass kein Hirntumor hinter der Entwicklung steht. :frowning_face:

  • Oh je das tönt nicht gut, aber eine Frage, ist Whopie kastriert?

    Elia hatte auch kurze Anfälle, in Abstand von ca. 3 Monate. Lang wussten wir nicht was das war, aber mit einem Videoaufnahme, die wir dem TA zeigten wurde vermutet es sei Epilepsie. Wir hätten neurologische Testen usw. machen mussen, taten wir aber nicht, weil bei ihr wurde auch einen Mamatumor entdeckt, der immer mehr wuchs und der schlussendlich entfernt wurde, samt Milchleisten und Gebärmutter. Seitdem, ist mehr als 1 Jahr vergangen und sie hat nie mehr Anfälle gehabt. Deshalb meine Frage?

  • Leider kann ich nichts Hilfreiches zum Thema Epilepsie beitragen, da ich bis jetzt noch keine Erfahrungen damit machen musste.

    Aber ich drücke euch von Herzen ganz fest die Daumen, dass ihr herausfindet, warum euer Bub nun immer gehäufter Anfälle bekommt. Und natürlich hoffe ich, dass nichts Hässliches in seinem Kopf wächst und es "nur" eine hoffentlich irgendwie einstellbare, verbesserungsfähige Epilepsie ist.

    Er ist noch so jung... ich wünsche mir so fest für euch, dass es es einen Weg gibt! :red_heart: Schwer auszuhalten so etwas, gäll. :confused_face:

    And when the time comes, remember that dogs never die. They are sleeping in your heart.

  • oh nein. so jung.

    fagi hatte ja im abstand von etwa 6 monaten immer mal leichte anfälle. wir mussten zum glück keine medis geben. ich habe allerdings auf anraten unserer tierärztin jeden abend eine halbe tablette kaiser natron zum futter gegeben. die anfälle blieben sehr stabil und wurden über die jahre nicht schlimmer. obn es allerdings auch wirklich damit zusammenhängt lässt sich nicht beweisen. studien die es belegen zeigen lediglich die wirksamkeit bei anderen erkrankungen und auch als hilfsmittel bei krebs.

    bei epi wurden verbesserungen und weniger häufige und lange anfälle geschildert und das wiederum kann ich auch bestätigen weil es bei uns so war.

    ich möchte hier allerdings niemals eine empfehlung aussprechen weil man es mit dem tierarzt besprechen muss und auch die dosierung exakt auf den hund angepasst sein muss.

  • Das tut mir sehr leid und es ist ein sehr kompliziertes Thema.

    Ich kenne jemanden, dessen Toller Epilepsie hat. Schlussendlich wurde der Rüde sehr jung kastriert, weil einfach aufgefallen ist, dass praktisch jeder Spaziergang, wo er viel und intensiv geschnüffelt hat (er war auch eher oversexed) einen Anfall auslöste. Nach der Kastration haben sie sich penibel genau an den Medikamentenplan gehalten und er ist seitdem stabil und hatte keinen einzigen Anfall mehr. Mittlerweile ist er 4jährig.

    Wenn man davon ausgeht, dass die Anfälle durch Stress ausgelöst werden können, wäre für mich diese Abklärung schon noch wichtig.

    Ich schaue mal, ob ich das alte Toller-Info noch finde, wo sie einen Bericht geschrieben hat. Ansonsten könnte ich dir den Kontakt vermitteln, wenn du möchtest.

  • Danke für die mitfühlenden Worte!

    Juno ist intakt. Da er weder pöbelig mit anderen Rüden noch hypersexuell ist, hatten wir uns die Frage bisher nicht gestellt. Sollten die Anfälle aber hormonell "getriggert" werden, würden wir hier natürlich das kleinere Übel wählen und ihn kastrieren lassen. Bisher haben wir trotz Epi-Tagebuch noch nicht wirklich Hinweise, was genau die Anfälle triggern könnte. Er hat sie meistens aus der Ruhe heraus, was aber epi-typisch ist. Hier wäre es vielleicht eine Option, ihn einmal temporär chemisch zu kastrieren und zu beobachten, ob das die Anfälle reduziert. Das werden wir sicher mit der Spezialistin einmal besprechen.

    Etwas verdächtig ist uns die Zeckenprophylaxe. Die chemischen Mittel funktionieren ja über Nervengifte – vielleicht haben wir hier den einen Hund von 1000, der sensibel reagiert und die nicht verträgt? Wir haben das Halsband von Seresto ganzjährig am Hund, weil der langhaarige Sheltie sonst die Viecher wie ein Magnet anzieht. Absuchen ist leider keine Option – bei dem dichten schwarzen Fell sind wir chancenlos. Naturmittel wirken auch unbefriedigend...

    Danke für den Hinweis zum Natron!



  • Etwas verdächtig ist uns die Zeckenprophylaxe. Die chemischen Mittel funktionieren ja über Nervengifte – vielleicht haben wir hier den einen Hund von 1000, der sensibel reagiert und die nicht verträgt? Wir haben das Halsband von Seresto ganzjährig am Hund, weil der langhaarige Sheltie sonst die Viecher wie ein Magnet anzieht. Absuchen ist leider keine Option – bei dem dichten schwarzen Fell sind wir chancenlos. Naturmittel wirken auch unbefriedigend...

    Danke für den Hinweis zum Natron!

    Das Seresto sollte man bei Hunden mit Epilepsie nicht anwenden. Es kann sehr wohl Anfälle auslösen. Steht auch Inder Gebrauchsanweisung.

  • Das Seresto sollte man bei Hunden mit Epilepsie nicht anwenden. Es kann sehr wohl Anfälle auslösen. Steht auch Inder Gebrauchsanweisung.

    :fearful_face: Jetzt bin ich grad zur Verpackung gerannt – ich habe die Namen verwechselt, wohl, weil ich kürzlich bei der Recherche der verschiedenen Mittel und Wirkstoffe war. Wir haben das Scalibor (wg. regelmässigen Ferien im Tessin), nicht Seresto. Beim Scalibor heisst es "nur", dass es sehr selten (1 von 10'000) zu neurologische Reaktionen kommen könne.

  • danke anti+rudel für den hinweis von Natron, super für vieles andere auch, bin sowieso ein grosser fan von kaiser natron :thumbs_up:

    alles gute für Juno, wünsche ihm alles gute und hoffentlich findet man eine ursache, was diese vielen epianfälle auslöst, die man dann hoffentlich heilen kann :winking_face::red_heart::red_heart:


    gruss wuschy

  • Oh nein, das tut mir mega leid. Sehr schlimm mit der Epi, vor allem in der Phase, wo alles noch so unklar ist. Ich kann leider nichts dazu beitragen, ausser euch fest die Daumen zu drücken, dass ihr Mittel und Wege findet, mit denen ihr und Juno gut und stressfrei damit leben könnt.

    A little less judgement, a little more kindness.

  • Wir waren donnerstags bei der Neurologin: wir müssen mit dem Hündchen noch nach Zürich ins Tierspital für ein MRI.

    Abgesehen davon, dass die Diagnose – Epi mit oder ohne Ursache? – noch nicht steht, war die Konsultation aber sehr informativ:

    • Bei dem Alter und Verlauf sei ein Hirntumor recht unwahrscheinlich, was uns schon einmal deutlich beruhigt hat.
    • Der Medikationsplan wurde angepasst: Aphenylbarbit wird nun 1h vor dem Füttern verabreicht, damit es besser verstoffwechselt wird. Juno hatte bei sehr hohe Dosis einen tiefen Spiegel, knapp im therapeutischen Bereich, zugleich unauffällige Leberwerte, was eigenartig ist und auf schlechte Absorption deutet. Die Ko-Medikation mit Keppra/Levetiracetam wird etwas reduziert, dafür kommt Kaliumbromid hinzu, sobald die Nebenwirkungen von Keppra/Levetiracetam im Griff sind.
    • Für uns überraschend: Wir sollten die Aktivitäten deutlich reduzieren. Empfohlen wird: max. 40 Minuten Hauptspaziergang und zwei bis drei reine Pinkelrunden von max. 15 Minuten. Hier fragen wir uns, wie wir das unserem Hund erklären...
    • Das Scalibor-Zeckenhalsband musste sofort weg. Alle chemischen Zeckenprophylaxen sind laut Neurologin ungünstig für Epihunde. Als 'Kompromiss' beim Abwägen zwischen Zeckenübel und Epiübel wurden uns Tabletten mit kurzer Wirkzeit (1 Monat) mitgegeben.
    • Und für uns überraschend: Unsere Kausnacks mit Rinderhaut müssen auch weg – die sind laut Neurologin bei Epihunden gar nicht zu empfehlen wg. Giftstoffen. Das gilt v.a. für die gebleichten Snacks, die man mit Hühnchen ummantelt überall kaufen kann.

      Anfälle hatten wir jetzt seit letztem Sonntagmorgen keine mehr – Holz alange!

      Vergessen und nachgetragen: Eine Kastration kommt erst einmal weniger in Betracht. Juno, der eh schon eher etwas ängstlich ist, würde dadurch vermutlich noch ängstlicher: je mehr Angst, umso mehr Stress, umso mehr Anfälle... Wir testen hier einmal das Triebregulat von CD Vet.

        
  • Oh, da habt ihr wirklich mal was Nützliches gelernt, und wenn all diese Empfehlungen Früchte tragen, dann werden die Probleme schnell verschwinden, das hoffe ich von ganzem Herzen. Alles Gute!:smiling_face:

    Ja, diese Kauknochen sind definitiv nicht gesund. In der Presse kam doch ein Skandal wegen verunreinigte Kauknochen aus China, die bei Hunde u.a. epileptische Anfälle verursachen. Was schockierend ist, ist dass die CN-Kauknochen mit Poulet-Mantel auch in der CH noch immer in den Regalen zu finden sind, sogar von bekannten Marken! Oder wird das heute mehr kontrolliert? Das glaube ich kaum, wenn der letzte grosse Skandal ins NL in Januar 2025 bekannt wurde:angry_face:

  • Danke fürs teilen der Infos 🙏. Das reduzieren der Aktivitäten finde ich überraschend, aber auch einleuchtend bezüglich Stresspegel.

    Durch den Angriff eines Jagdhundes hatte Mio auch einmal einen vermuteten Epianfall. Danach glücklicherweise nie mehr.

    Gut habt ihr eine Lösung gegen Zecken gefunden,die nicht zu sehr belastet. Hier gibts auch die Tablette für 1 Monat. Sie halten auch etwas länger.

  • Ja, Stress kann ein grosser Trigger sein. Wenn das bei eurem Hund die Aktivität ist, dann kann ich das schon nachvollziehen. Bei meinem bekannten Hund waren es halt die Hormone, die den Stress auslösten und somit die Epi-Anfälle. Epi ist so vielfältig und bei jedem Hund können es andere Auslöser sein. Ich glaube, da ist man als Besitzer wirklich gefordert und muss sich so gut wie möglich selber informieren und beobachten.

    Weiterhin alles Gute für euch .....

  • Ja, Stress kann ein grosser Trigger sein. Wenn das bei eurem Hund die Aktivität ist, dann kann ich das schon nachvollziehen. Bei meinem bekannten Hund waren es halt die Hormone, die den Stress auslösten und somit die Epi-Anfälle. Epi ist so vielfältig und bei jedem Hund können es andere Auslöser sein. Ich glaube, da ist man als Besitzer wirklich gefordert und muss sich so gut wie möglich selber informieren und beobachten.

    Weiterhin alles Gute für euch .....

    Danke!

    Das mit dem Stress ist wirklich ein grundsätzliches Problem. Wir wohnen aktuell mitten im lebhaftesten Teil von Basel, was bedeutet, dass nur schon mal eben kurz vor die Tür zum Pinkeln zu gehen mit wirklich vielen Reizen verbunden ist: Tram, Autos, Leute, andere Hunde, Skater, spielende Kinder, abends Betrunkene/Drogensüchtige, die dazu neigen, random herumzuschreien... Auch wenn unser Hund sich das Treiben gewöhnt ist, gibt es doch immer wieder Unvorhersehbares. Gestern wurden abends beispielsweise irgendwo in der Nähe sehr laut knallende Feuerwerkskörper gezündet, natürlich genau in dem Moment, wo unser Hund auf der Gassiwiese steht. :pouting_face: Zum Glück scheinen solche Schreckmomente keine Anfälle zu triggern... Wir haben schon, als wir Juno bekamen, für uns entschieden, dass wir umziehen, sollten wir eine schöne Wohnung im Grünen finden, die in Grösse, Preis usw. ungefähr unser jetzigen entspricht. Leider nicht ganz so einfach in der Stadt.

  • Ich habe selber keinen Hund mit Epilepsie, aber durch meinen früheren Beruf (TPA) natürlich einige Erfahrungen gemacht.

    Das Hilfreichste habt ihr wahrscheinlich schon getan, indem ihr zum Spezialisten seid und die Medikamente angepasst habt. Ich hoffe, ihr bleibt lange anfallsfrei :thumbs_up:


    Magst du uns berichten, wie der Termin am TSP gelaufen ist?

  • Natürlich – das mit dem TSP ging sogar super flott, wir haben bereits diesen Freitag einen Termin.

    Wir sind jetzt bei dem 8. anfallsfreien Tag in Folge. Seit wir am Donnerstagabend die Medikation angepasst und die Komedikation mit Keppra reduziert haben, hat sich Junos Allgemeinzustand deutlich und schnell verbessert.

    Wir hatten bei der Komedikation nach ca. 7 Tagen Nebenwirkungen, die von Tag zu Tag schlimmer wurden.
    Auf dem ersten Video sieht man das noch deutlich – der Hund ist koordinativ-motorisch so gut wie fahruntüchtig.
    Am Freitagmorgen um 10 Uhr, wo das Medi noch in höherer Dosis im Blutspiegel ist:

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    Bereits am Freitagabend um 18 Uhr:
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